Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) gehört mittlerweile nicht nur zum guten Ton, sondern wird von immer mehr Unternehmen aktiv gelebt. Denn ein systematisches BGM hilft nicht nur, sondern vor allem in Krisenzeiten, die Gesundheit der Mitarbeitenden zu schützen und zu stärken. 

Gemäss den Monitoring-Ergebnissen 2020 von Gesundheitsförderung Schweiz setzen aktuell rund 75 Prozent der Betriebe in der Schweiz mit mehr als 50 Mitarbeitenden BGM-Konzepte auch um. Dies nicht nur, um die Zufriedenheit beim Personal zu steigern und um Absenzen zu minimieren, sondern auch um die Attraktivität als Arbeitgeber zu erhöhen.

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Dieser Artikel ist Teil der Market Opinion «BGM – Gesund in neuen Arbeitswelten», die in Zusammenarbeit mit der Visana realisiert wurde.

Krankenkassen mit doppeltem Interesse an Gesundheitsförderung

Auch für die Krankenversicherer ist die betriebliche Gesundheit ein wichtiges Thema. Diese befinden sich insofern in einer etwas speziellen Lage, als dass sie einerseits BGM-Massnahmen und -Konzepte für ihre Kunden anbieten, weil sie ein valables Interesse daran haben, dass deren Mitarbeitende gesund bleiben. Andererseits müssen sie auch ihrer eigenen Belegschaft Sorge tragen. Bei Visana stand am Anfang allerdings die Gesundheitsförderung bei externen Kunden, die sich aus dem Geschäft mit Unternehmenskunden heraus entwickelt hat. Die Zertifizierung mit dem Label Friendly Workspace von Gesundheitsförderung Schweiz 2015 bildete für den Berner Krankenversicherer dann nach einer intensiven und sorgfältigen Aufbauarbeit aber den offiziellen Start für die Schaffung eines internen Kompetenzzentrums «Betriebliches Gesundheitsmanagement». 

Visana mit einzigartigem BGM-Setting

Speziell bei Visana ist, dass das BGM-Team für das interne und externe BGM zuständig ist und organisatorisch eine Einheit bildet. «Das BGM-Team ist mehrheitlich für das externe BGM zuständig, wobei ich zur Hälfte für interne und externe Kunden tätig bin», sagt Nicole Simon, die seit Anfang 2021 die interne BGM-Fachstelle leitet. Sie ortet in dieser Organisationsform denn auch grosse Vorteile. «Wir können von uns entwickelte Ideen und Massnahmen zuerst intern umsetzen und danach auch den externen Kunden anbieten - und umgekehrt. Zudem ist es leichter, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen. Und wir profitieren von Synergien, da wir je nach Projekt Schnittstellen zu unterschiedlichen internen und externen  Abteilungen haben.»

BGM organisatorisch getrennt bei Swica und Sanitas

Einen anderen Ansatz fahren sowohl die Swica als auch die Sanitas. Bei ersterer ist das externe BGM im Bereich «Leistungen Unternehmenskunden» angesiedelt. «Intern ist HR für das BGM-Konzept verantwortlich», erläutert Valérie Gardel, Leiterin HR BGM. «Wir machen Umfragen, Analysen und entscheiden über die Umsetzung von geeigneten Massnahmen.» Diese erfolgt dann via interner BGM-Spezialistinnen und -Spezialisten und je nach Massnahme auch zusammen mit externen Fachleuten. «Was wir aber regelmässig machen, ist BGM-Massnahmen, die wir unseren Kunden anbieten oder anbieten möchten, zuerst bei unseren Mitarbeitenden durchzuführen.» Mit der internen Erfahrung könnten die BGM-Spezialistinnen und -Spezialisten die Unternehmenskunden danach noch besser beraten.

Eine organisatorische Trennung zwischen internem und externem BGM vollzieht auch die Sanitas. Gemäss Sprecherin Fabienne Wildbolz ist das interne Gesundheitsmanagement Bestandteil des Corporate Social Responsibility Programms und wird mehrheitlich mit der Unterstützung von externen Partnern und Start-ups in einem bereichsübergreifenden Projekt-Set-up realisiert. «Als Gesundheitspartnerin für unsere Kundschaft bieten wir verschiedene Gesundheitsprogramme sowie eine Vielzahl an digitalen Gesundheitsservices an, die teilweise auch unseren Mitarbeitenden zur Verfügung stehen. Bei ausgewählten Unternehmenskunden pilotieren wir vereinzelt BGM-Massnahmen, die spezifische Bedürfnisse des Unternehmens adressieren.»

BGM als Haltungsfrage

Auch wenn die Belegschaft der Krankenversicherer etwas sensibilisierter sein dürfte in Sachen Gesundheit: Zentral ist für jede Branche und Organisationsform, dass die Geschäftsleitung hinter dem BGM-Ansatz steht. «Sowohl bei uns als auch bei unseren Kunden ist es eine Haltungsfrage, die auf Geschäftsleitungsebene und Stufe Mitarbeitende Zeit braucht», betont Nicole Simon. Zudem dürfe BGM nicht nur ebenbei betrieben werden. «Es reicht nicht, ein Label zu haben und dann auf den Lorbeeren auszuruhen, sondern braucht viel Information und Kommunikation und immer wieder sicht- und spürbare Initiativen.»

 

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