Blick in den Rückspiegel: Noch keine Abnutzungserscheinungen erkennbar
Das vergangene Jahr begann für die Mobiliar gleich mit einer besonderen Ehrung: Im Februar wurde die Berner Genossenschaft in der Umfrage «Beste Arbeitgeber der Schweiz 2025» von Handelszeitung, PME und Statista mit dem prestigeträchtigen 1. Rang ausgezeichnet. «Menschlich, nah und verantwortungsvoll» sei die dortige Unternehmenskultur, in der die Angestellten gerne arbeiten, schrieb die Handelszeitung in ihrem Begleitartikel.
In einem Wirtschaftsumfeld, das aufgrund der zahlreichen Krisen von viel Unsicherheit geprägt ist, sind Sicherheit und lokale Verankerung offenbar ein hohes Gut. Dieses Mantra gilt für Mobiliar als älteste private Versicherungsgesellschaft der Schweiz seit nunmehr zwei Jahrhunderten: Die Genossenschaft wurde 1826 in Bern als «Schweizerische Gesellschaft zur gegenseitigen Versicherung des Mobiliars gegen Brandschaden» gegründet – und ist mittlerweile eine urschweizerische Institution mit hohen Sympathiewerten.
Firmenjubiläum, langjähriger Erfolg – denkt CEO Michèle Rodoni jetzt vielleicht auch an Rücktritt, wie es in der Schweizer Assekuranz (Axa, CSS) etwas in Mode gekommen ist? Wohl kaum, von Abnutzungserscheinungen ist weder bei der gebürtigen Genferin mit Tessiner Wurzeln noch bei der Mobiliar etwas zu spüren. Die Gruppe zählt bereits seit Jahren zu den wachstumsstärksten Schweizer Versicherern und konnte das Prämienvolumen im 1. Halbjahr 2025 allein im Nichtlebengeschäft um 5,4 Prozent steigern – und liegt damit weit über dem Marktdurchschnitt.
Dass der konsolidierte Halbjahresgewinn gleichzeitig um 38 Prozent auf rund 169,9 Millionen Franken einbrach, ist nur eine Momentaufnahme. Grund dafür war vor allem die hohe Schadenbelastung durch den Felssturz in Blatten, der allein bei der Mobiliar mit fast der gleichen Summe von rund 170 Millionen Franken zu Buche schlug.
Ein kleiner Rückschlag, der die erfolgsverwöhnte Mobiliar nicht aus der Bahn wirft. Im Gegenteil, die Genossenschaft bekräftigt im Rahmen ihrer Strategie «Avantage 2030» ihren Fokus auf das Versicherungs- und Vorsorgegeschäft in der Schweiz. Die Ökosystem-Strategie ist ein für allemal passé, der in der Vergangenheit bereits einige Start ups mit klangvollen Namen wie Liiva, Klara oder Flatfox zum Opfer fielen.
Die Aufräumarbeiten gingen auch letztes Jahr weiter: Im Frühjahr 2025 wurde das auf Outsourcing von HR-Services und Pensionskassenverwaltung spezialisierte Tochterunternehmen Trianon an Centre Patronal verkauft. Im Sommer zog Mobiliar dann dem B2B-Insurtech-Unternehmen Companjon in Irland den Stecker.
Was dieses Abenteuer die Genossenschafter kostete, ist nicht bekannt. Ein linderndes Pflaster war aber sicherlich der Börsengang der Swiss Marketplace Group (SMG) im September – einem der grössten Europas im vergangenen Jahr –, mit dem die Mobiliar ihren Aktienanteil um 10 Prozent auf 19,3 Prozent reduzierte. Der Geldspeicher wird sich gefreut haben.
Besondere Highlights: Generalagenturen im Scheinwerferlicht
Nicht nur bei der Wahl zum besten Arbeitgeber der Schweiz thronte Mobiliar im vergangenen Jahr an der Spitze – auch im Versicherungsranking von Handelszeitung und Statista erreichten die Berner in 10 von 28 Kategorien den 1. Rang. Vom Vergleichsportal Comparis wurde Mobiliar darüber hinaus mit dem Gold-Siegel als beste Autoversicherung und als beste Hausrat- und Privathaftpflichtversicherung ausgezeichnet.
Ein Erfolgsgeheimnis dürfte in der dezentralen Vertriebs- und Schadenorganisation mit schweizweit 80 Unternehmer-Generalagenturen liegen. Das schafft offensichtlich eine besondere Kundennähe im berühmten «Moment of truth». Nicht von ungefähr startete Mobiliar im November unter dem Slogan «Echte Menschen. Echte Nähe» eine landesweite Kampagne für ihre Generalagenturen.
Die Kampagne zeigt Mobi-Mitarbeitende in ihrem Arbeitsumfeld, um die lokale Kompetenz und persönliche Ansprechbarkeit in jeder Region der Schweiz zu betonen. Hier zeigt sich bereits die Handschrift des neuen Leiters Markt Management Philipp Mischler, der im Januar 2025 zur Mobiliar stiess.
Blick nach vorn: Fokus auf das Kerngeschäft bleibt bestehen
Die Strategie der Mobiliar fusst auf vier «unverrückbaren» Säulen: Die Mobiliar als Genossenschaft, Unternehmer-Generalagenturen, eine dezentrale Schadenerledigung und das integrierte Vertriebs- und Betreuungsmodell. Diese Säulen bilden auch das Fundament für die «Avantage 2030»-Strategie, mit der Mobiliar profitabel und langfristig über dem Markt wachsen will. Dabei fokussiert sie sich auf das Kerngeschäft mit Versicherung und Vorsorge und will die hohe Kundenzufriedenheit im Markt auch künftig behalten. Bis 2030 sollen die Produkte, Prozesse und Systeme durchgängig modernisiert sein, um die Kundenerwartungen erfüllen zu können.
Für die Berner Genossenschaft ist 2026 zwar ein besonderes Jahr, das entsprechend gefeiert wird. Der Ehrgeiz aber bleibt trotz der Historie gross: «Unsere Geschichte ist kein Rückblick, sondern Fundament für die Zukunft. Die Historie verbindet unsere genossenschaftlichen Wurzeln mit der Zukunft. Was uns 200 Jahre getragen hat, trägt uns auch in die Zukunft: Stabilität, Gemeinschaft und Innovationskraft», betont CEO Michèle Rodoni. Dem Geschichtsbuch sollen also noch weitere Erfolgskapitel hinzugefügt werden. Das Fundament ist über viele Jahre gewachsen und sehr solide. Für die Mitbewerber bleibt es auch in einem sich rasant verändernden Branchenumfeld schwierig, daran zu rütteln.


