Wie gross war der finanzielle Schaden, den die globale Entertainment-Branche aufgrund der Covid-19-Krise erlitt?

Der Entertainment-Bereich war 2021 besonders hart von den Folgen der Pandemie getroffen: Die AGCS etwa verzeichnete global pandemiebedingte Schäden von mehr als 500 Millionen Euro – den grössten Teil davon in der Entertainment-Sparte. Die Belastungen durch Covid-19 sind 2022, auch durch Ausschlüsse, aber deutlich zurückgegangen. Es gab bislang nur wenige Schadenfälle und die Ursachen sind nicht mehr behördliche angeordnete Schliessungen oder Absagen.

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Das kann bei einer virtuellen oder per Livestream übertragenen Veranstaltung schiefgehen:

Absage: Nichterscheinen, Terrorismus, Naturkatastrophen
Übertragung: Ausfall oder Unterbrechung während der Veranstaltung
Nichterscheinen: Ein wichtiger Teilnehmer kann nicht teilnehmen
Kritischer Moment: Ein Schlüsselelement kann nicht stattfinden oder wird nicht übertragen
Wetter/Brand/Explosion/Wasser: Schäden an Studio, Set, Requisiten und Ausrüstung
Haftungsansprüche: Gemietete Ausrüstung, Räumlichkeiten
Bühnenstabilität: Unzureichend für Windverhältnisse oder Gewichtsbelastung
Verletzung: Darsteller, Publikum, Projektile, Unfall
 

Wie haben sich seither die Prämien entwickelt?

Uns hat geholfen, dass unser Entertainment-Geschäft in CEE auf zwei Beinen steht, nämlich Film- und Veranstaltungsversicherung. Vor allem im Filmgeschäft kamen wir relativ schnell nach den Lockdowns fast wieder auf ein normales Niveau, da die Produktionen in sogenannten Clouds, also abgeschirmt und unter strikten Gesundheitsrichtlinien, weitergeführt werden konnten. In Deutschland und der Schweiz beispielsweise liefen Filmproduktionen fast wie gewohnt weiter. Live-Veranstaltungen gab es hingegen in den zurückliegenden Monaten de facto nicht.
 
Hat sich der Deckungsumfang für Veranstaltungen seit der Pandemie verändert?

Als Reaktion auf die Pandemie haben wir den Seuchen-/Pandemieausschluss flächendeckend bei unseren Produkten eingeführt, da dieses systemische Risiko nicht bewert- und versicherbar ist. Unsere Film- und Veranstaltungsversicherungsprodukte decken aber weiterhin den Ausfall und die Unterbrechung von Filmproduktionen oder Veranstaltungen aufgrund der klassischen Gefahren unter anderen durch Sachschaden, Haftpflicht, Naturkatastrophen, Wetter, Terror oder aber den Personenausfall durch Krankheit, Unfall, Tod.
 
Während Corona sind in der Schweiz viele Live-Veranstaltungen abgesagt worden. Wie hat sich das auf die Nachfrage nach Veranstaltungsausfall-Versicherungen ausgewirkt?

Das Interesse an Veranstaltungsausfall-Versicherung (VAV) war und ist weiterhin gross, auch wenn es keine Deckung für Seuchenrisiken mehr gibt. Feuer, Wetter, Naturkatastrophen, Personenausfallrisiken zum Beispiel sind weiterhin existent und deckungsfähig und somit auch nachgefragt. Gleichzeitig sind die Kapazitäten knapp, weil sich einige Versicherer am lokalen Markt teilweise aus der VAV zurückgezogen haben. So sehen wir doch vermehrt Anfragen auf unserem Tisch.
 
Virtuelle Veranstaltungen bergen erweiterte Risiken, etwa Cyberrisiken. Wie gehen Sie damit um?

Cyber ist, wie eine Pandemie, ein potenziell systemisches Risiko. Ransomware-Wellen oder aber gezielte Cyberangriffe auf Ticketing-Systeme, regionale Stromversorgungen oder auf ein digitales Zahlungssystem können hohe Schäden nach sich ziehen. Dies müssen wir im Underwriting genau prüfen. Sorgen bereitet uns ausserdem die Zunahme von zivilen Unruhen, extremeren Wetterereignissen und Naturkatastrophen – vor allem in den USA. Hier beraten wir unsere Kunden gerne und stehen mit Versicherungslösungen zur Verfügung.