Eigentlich wollte Anne Lohbeck nach dem ETH-Studium einfach ein bisschen reisen gehen, doch die Aussage eines Kollegen «du suchst doch immer die harten Dinge» spornte sie dazu an, zusammen mit diesem als Rucksacktouristin mit dem Zug an den Baikalsee zu reisen und als Volunteer in einem Naturschutzprojekt mitzuhelfen. Zu- und anpacken und Teil von etwas Sinnvollem zu sein, war für Anne Lohbeck der grösste Gewinn aus dieser etwas anderen Reise. Und gleichzeitig auch das Verrückteste, was sie in ihrem bisherigen Leben gemacht hat.

Zurück in der Schweiz nahm sie eine Stelle bei der Boston Consulting Group (BCG) an und schrieb parallel dazu ihre Dissertation an der HSG. «Weil ich keine Lust darauf hatte, Kunden rund um den Globus zu betreuen, und am Abend lieber zu Hause schlafen wollte, erhielt ich Projekte in der Assekuranz.» Was viele ihrer Kollegen als langweilig und mühsam bezeichnet hätten, gefiel Anne Lohbeck auf Anhieb. «Aktuare, so sagte man mir, seien ältere gestrenge Herren, die einen gerne einschüchtern», blickt sie schmunzelnd zurück. «Mir waren die Aktuare allerdings auf Anhieb sympathisch, denn ich arbeite wahnsinnig gerne mit Experten zusammen.» Diese, so Lohbeck, bildeten die Basis einer jeden Firma und somit das Fundament für deren Erfolg.

Nach sechs Jahren als Beraterin und mit der abgeschlossenen Dissertation in der Tasche war es für die gebürtige Deutsche Zeit, die Seite zu wechseln. «Ich wollte die Folgen der Veränderungen, die ich als Beraterin oftmals mit angestossen hatte, nicht nur von aussen miterleben, sondern mittendrin sein und diese auch umsetzen.» Während ihrer Zeit bei der BCG habe sie viele Versicherer von innen gesehen. Dass sie bei Swiss Re gelandet sei, sei dem Zufall und ein paar Kolleginnen und Kollegen zu verdanken, die dort arbeiteten. «Diese berichteten positiv über das Unternehmen und meinten, dass die Kultur der Swiss Re sehr gut zu mir passen würde.» 
So stieg sie 2010 als Enterprise Architect beim Rückversicherer ein. «Der Bereich war spannend, doch nach einiger Zeit wurde mir klar, dass ich an der Kundenfront arbeiten wollte.» An dieser konnte Anne Lohbeck alle ihre Stärken zum Tragen bringen. Die analytischen Fähigkeiten, ihre Genauigkeit beim Ausarbeiten von Verträgen und ihr Interesse an Menschen im Umgang mit den Kunden. An der Arbeit mit Kunden gefalle ihr die Vielfalt. «Ich bin nicht detailverliebt, doch ich verstehe die Dinge gerne in ihren verschiedenen Aspekten», erklärt sie. 

Fasziniert ist Anne Lohbeck auch vom Fliegen. Vor einigen Jahren machte sie die Privatpiloten-Lizenz für Helikopter. Als Mutter eines fünf- und eines sechsjährigen Buben könne sie mittlerweile aber nicht mehr einfach in ein Cockpit sitzen und zum Spass ein bisschen Kerosin verbrennen, betont sie. «Nachhaltigkeit und CO2-Reduktion haben für mich heute einen viel grösseren Stellenwert als noch vor ein paar Jahren.» Zudem fehle ihr auch die Zeit fürs Fliegen. Denn neben der neuen Rolle als Head Global Specialty, die sie seit 2020 innehat, war Lohbeck während der vergangenen Monate Präsidentin des Rotary Club Zürich City, und das kleine bisschen freie Zeit, das ihr daneben noch blieb, nutzte sie für die Familie sowie für die ausgiebige Zeitungslektüre.

Dass sie mittlerweile bereits seit elf Jahren bei Swiss Re arbeitet, kann sie kaum glauben. «Die Zeit ging vorüber wie im Flug. Ich konnte immer wieder neue spannende Aufgaben übernehmen – das ist ein Privileg.» Dieses möchte sie wenn immer möglich weiter auskosten. «Es gibt noch so vieles, was ich gerne machen würde», schwärmt sie. «Ich hatte beispielsweise noch nie eine Rolle im Risiko- oder Schadenbereich inne; eine solche würde mich auch begeistern.» Sie nehme es aber, wie es komme, denn bis anhin sei sie gut gefahren mit dem Motto «Man muss mit den Karten spielen, die einem das Leben austeilt».