Dagmar Maroni hat es schon früh in die Ferne gezogen. Mit 16 ging sie ein paar Monate nach Irland und Frankreich und Anfang 20 für einige Zeit nach Kanada, um Wale zu erforschen. Zurück in der Schweiz fasste sie den Entschluss, einmal auszuwandern und in einem anderen Land zu leben. So landete sie mit Ende 20 in Schottland, ihr Mann hatte eine Stelle in Glasgow bekommen und sie ging mit. Allerdings besass sie im Gegensatz zu ihm, der italienische Wurzeln hat, keinen EU-Pass. «Das war nicht einfach damals, als Einwanderin ohne Aufenthaltsbewilligung und Arbeitsvertrag in der Tasche», erinnert sie sich. 

Noch in Glasgow erhielt sie von Swiss Life Asset Managers das Angebot, die Geschäftsführung der Fondsgesellschaft in Irland zu übernehmen und einige Jahre später auch die in Luxemburg. Man einigte sich auf London als Arbeitsort. Die Geschäfte liefen gut und eigentlich hätte alles so bleiben können, doch als sie mit dem ersten Kind schwanger wurde, zog es die junge Familie dann doch zurück in die Schweiz. Nach der Geburt reduzierte Dagmar Maroni auf 60 Prozent, erhöhte aber bald auf ein 80-Prozent-Pensum und als ihr dann bei Swiss Life Asset Managers ein grosses Projekt angeboten wurde, machten die Maronis den Rollentausch und sie ging 100 Prozent arbeiten. «Davon arbeitete ich aber an zwei Tagen im Homeoffice», sagt sie. Etwas, was damals nicht so selbstverständlich war wie heute. 

Führende Frauen in der Assekuranz

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Die beiden Söhne sind heute grosse Teenies und beide Elternteile arbeiten wieder Vollzeit mit flexiblen Arbeitsmodellen. «Es war nicht immer einfach, beiden Rollen gleichermassen gerecht zu werden», gibt Dagmar Maroni zu. «Wir haben jongliert und irgendwie haben wir es immer ganz gut geschafft», sagt sie.  

Mittlerweile arbeitet sie seit 20 Jahren für Swiss Life Asset Managers. «Mein Bereich ist stetig gewachsen und parallel dazu auch das Spektrum meiner Tätigkeiten. Und damit meine Verantwortung», sagt sie. Früher sei der Fondsbereich sehr klein gewesen, eine Nische innerhalb der Swiss-Life-Gruppe, aber inzwischen hat das Fondsbusiness enorm an Wichtigkeit dazugewonnen, insbesondere im Management alternativer Anlageprodukte wie Immobilien und Infrastruktur.

Sie hat vieles mit vollem Einsatz und der nötigen Portion Ehrgeiz geschafft. Obwohl sie im beruflichen Umfeld häufig allein unter Männern gewesen ist, hat sie nie gespürt, dass sich das zu ihrem Nachteil ausgewirkt hätte. Eher die Tatsache, dass sie ihr Studium nicht abschliessen konnte, als sie nach Schottland gegangen war. Sie wurde damals von der Prüfung ausgeschlossen, weil ihre Arbeitsstätte nicht mehr in der Schweiz lag. Zwar habe sie das fehlende Diplom oft bereut, aber eigentlich ist sie auch stolz darauf, ohne so weit gekommen zu sein. «Ich habe durch Leistung überzeugt und das Vertrauen in mein Können nicht verloren», sagt sie, die sich so schnell nicht entmutigen lässt. 

Das hat sie bereits als junge Frau unter Beweis gestellt, als sie 1997 zur ersten Frauenmannschaft im Bobfahren gehörte. «Zum Trainieren mussten wir ins deutsche Winterberg oder nach Österreich, weil Frauen damals auf Schweizer Bobbahnen nicht zugelassen waren, aber das hat mich nur noch mehr angespornt», sagt Dagmar Maroni.