Offen sein, Gelegenheiten nutzen und darauf vertrauen, dass es gut kommt – auf diese drei Werte setzt Suzanne Blaser privat und beruflich seit eh und je. «Ich habe meine Wurzeln im Jura, bin eher introvertiert, ruhig und überlegt, mit einer starken Verbundenheit zu dem, was ich tue. Meine Freunde aus der Schulzeit, meine Familie und vor allem ich selbst hätten vor 35 Jahr wohl nie gedacht, dass ich in einer Führungsrolle arbeiten würde.» Doch nach der naturwissenschaftlichen Matura hatte Suzanne Blaser genug von Mathe und Physik. Daher schrieb sie sich für ein Jus-Studium ein, mit dem Ziel, das Anwaltspatent zu machen.

Das erste Praktikum in der Rechtsabteilung der ÖKK Basel brachte sie dann auf den Weg. Ein Schock sei das zwar gewesen, blickt sie schmunzelnd zurück. «All mein theoretisches Wissen prallte mit voller Wucht auf das echte Leben mit echten Krankheiten und echten Menschen.» Nach weiteren Praktika in anderen Unternehmen erhielt sie 1992 von der ÖKK das Angebot, als Mitarbeiterin in der Rechtsabteilung anzufangen. Vier Jahre später übernahm sie deren Leitung. Weitere drei Jahre später übernahm sie die Leitung des Bereichs Recht und Personal und seither ist Suzanne Blaser auch Mitglied der Geschäftsleitung. 

Das Anwaltspatent war mittlerweile kein Thema mehr, denn ihre Aufgaben wurden immer vielfältiger. Mit dem Risk und Compliance Management, der Unternehmensentwicklung und dem Facility Management wuchs ihr Verantwortungsgebiet stetig. Die Frage, ob es ihr in diesen vielen Jahren beim immer gleichen Arbeitgeber nie langweilig geworden sei, beantwortet Blaser mit einem dezidierten «Nein». Denn nebst ihren eigenen Verantwortungsgebieten habe sich auch das Unternehmen immer wieder verändert. «Eingestiegen bin ich, als sich die ÖKK von der Basler Verwaltung losgelöst hat. Wir mussten uns dem Wettbewerb stellen, kundenorientierter werden und unsere Prozesse professionalisieren.» 

2008 gab sich die ÖKK Basel dann nochmals eine neue Struktur und den Namen Sympany. «Nichts war unmöglich in dieser Zeit, wir kreierten neue Produkte und wurden zum schweizweit einzigen Rundum-Versicherer.» Etwas zu euphorisch seien sie damals wohl gewesen, sinniert die Jurassierin, daher sei es gekommen, wie es kommen musste. «Wir mussten restrukturieren, sparen und leider auch Leute entlassen.» In all diesen Jahren sprang Suzanne Blaser immer auch dort ein, wo Not am Mann bzw. an der Frau war. «So verantwortete ich zeitweise die Unternehmenskommunikation, führte ad interim die Leistungsabteilung und amtete drei Monate als CEO.» Selber zu kündigen, sei nie zur Diskussion gestanden. «Ich bin sehr verbunden mit dem Unternehmen und mir liegt sehr viel an den zahlreichen unterschiedlichen Menschen, die sich bei Sympany täglich für Kunden und die Firma einsetzen.» 

Mittlerweile ist Sympany wieder auf Wachstumskurs und Suzanne Blaser erlebt bereits den vierten CEO. Ihre Ruhe und Verbundenheit werden nicht nur von ihrem Vorgesetzten, sondern auch von den Mitarbeitenden geschätzt. «Ich gebe viel Vertrauen und lasse partizipieren, doch ich nehme die Mitarbeitenden auch in die Verantwortung», schildert sie ihr Führungsverhalten. 

Ausgleich findet Suzanne Blaser beim Wandern und Fotografieren. Ein gut bestückter Weinkeller, die Herstellung von Damassine, einer jurassischen Branntwein-Spezialität, und ein Kochclub mit Freundinnen sorgen zudem für viel geistige und kulinarische Inspirationen.