Wie das deutsche «Handelsblatt» berichtet, könnten die drei Lecks in den Pipelines Nord Stream 1 und 2 ein Fall für die Versicherer werden. Ob diese aber tatsächlich für den Schaden aufkommen müssen, dürfte davon abhängen, was der Grund für den Gasaustritt ist. 

Sollte es sich tatsächlich um Sabotage oder gar einen Anschlag von staatlicher Seite handeln, wie derzeit von vielen Seiten vermutet wird, dann müsse die Branche voraussichtlich keine Entschädigungen zahlen. Die Lecks würden dann ähnlich bewertet wie Kriegsschäden, die ebenfalls nicht versicherbar sind. Für konkrete Aussagen sei es allerdings noch zu früh, wird «die Branche» zitiert. 

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Generell seien Grossprojekte wie Pipelines für Versicherer seit Jahren ein gutes Geschäft. In der Regel schliessen sich Konsortien aus einer Rehe von Anbietern zusammen, um das Risiko breit zu streuen. Im Fall der Pipeline Nord Stream 1 war die Munich Re beim Bau vor mehr als einem Jahrzehnt einer der bedeutenden Versicherer. Bei der 1224 Kilometer langen Rohrleitung zwischen dem russischen Vyborg und dem deutschen Greifswald hatte die Munich Re seit dem Jahr 2008 einen substanziellen Versicherungsanteil. In einer Pressemitteilung des Konzerns aus dem Jahr 2011 hiess es: «Es ist das bislang umfassendste Underwritingprojekt der Offshore-Abteilung und das grösste fakultative Einzelrisiko, das Munich Re je in den Büchern hatte.»

Wie sehr der weltgrösste Rückversicherer heute noch an der Absicherung der Pipeline beteiligt ist, dazu wollte sich der Konzern auf Nachfrage des «Handelsblatts» nicht äussern. Schon beim Nachfolgeprojekt Nord Stream 2, bei dem die Munich Re ebenfalls dem Konsortium zur Absicherung angehörte, hatte Konzernchef Joachim Wenning im vergangenen Jahr den Rückzug bestätigt.

Leck wird wichtiges Thema beim Branchentreff

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Leck in der Gaspipeline Nord Stream 1 die Rückversicherer bei ihrem Branchentreff in gut drei Wochen in Baden-Baden stark beschäftigen wird. «Systemische Risiken», wie die Anbieter solche Gefahren nennen, dürften dort die Gespräche beherrschen, heisst es im Artikel des «Handelsblatts». (wil)