Die genossenschaftlich organisierte Pax bekannte sich bisher zum Vollversicherungsmodell, obwohl andere Versicherer, wie zuletzt die Axa, sich von diesem Geschäft trennten. Neu lancieren Sie nun mit Pax DuoStar eine Vorsorgelösung, die zur Hälfte eine teilautonome Lösung beinhaltet. Ist Ihnen das reine Vollversicherungsgeschäft in der beruflichen Vorsorge zu riskant geworden?
Yvonne Häring: Wir bekennen uns nach wie vor zur Vollversicherung. Pax DuoStar soll eine Ergänzung unserer Angebotspalette sein und unseren Kundinnen und Kunden eine Alternative zu den traditionellen Vorsorgelösungen – Vollversicherung und teilautonome Lösungen – bieten. Mit den aktuellen Rahmenbedingungen gestaltet sich die Vollversicherung für einen Anbieter zusehends schwieriger, anderseits bergen traditionelle teilautonome Lösungen für KMU Risiken, die viele von ihnen nicht eingehen können oder wollen.

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Soll die Kundschaft nun auf sanftem Weg hin zu teilautonomen Lösungen geführt werden?
Nein, mit Pax DuoStar etabliert Pax in der Kollektivversicherung die wählbare Garantie, die wir in der privaten Vorsorge schon lange kennen. In diesem Bereich gibt es Produkte, bei denen Garantie und Fondsanteile kombiniert werden. Die Kundin kann dabei wählen, wie stark sie die Garantie gewichten möchte. Im Markt der beruflichen Vorsorge ist klar ersichtlich, dass teilautonome Lösungen an Beliebtheit gewinnen, weil Renditechancen erwünscht sind. Dieses Bedürfnis möchten wir mit der neuen Hybridlösung abdecken und damit gleichzeitig auch unsere Kernkompetenz als Vollversicherer miteinbringen.

Auf welche Zielgruppe ist diese Lösung ausgerichtet?
Bisher gab es nur die Vollversicherung oder eine teilautonome Lösung. Mit Pax DuoStar bieten wir das Sowohl-als-auch. Kunden und Kundinnen in einer Vollversicherung, die mehr Renditechancen anstreben, können das mit dem neuen Hybridmodell realisieren. Es ist aber auch ein Ansatz für Kunden mit einer teilautonomen Lösung, die nicht mehr das volle Anlagerisiko auf sich nehmen wollen.

Wollen Sie damit vor allem neue Kunden und Kundinnen  gewinnen?
Ja, wir zielen mit dieser Hybridlösung auf eine neue Kundschaft.

Die Oberaufsichtskommission der beruflichen Vorsorge (OAK) hat wiederholt darauf hingewiesen, dass speziell KMU nach einer Vollversicherung suchen, weil damit die Anlage- und Sanierungsrisiken entfallen. Finden diese bei der Pax künftig keinen Unterschlupf mehr?
Wegen Pax DuoStar ändert sich nichts an unseren generellen Annahmerichtlinien. Aber klar ist: Bei allen Anbietern einer Vollversicherung sind die Aufnahmebedingungen in den letzten Jahren verschärft worden. Damit wird es für viele KMU mit älteren Mitarbeitenden schwierig, eine Vollversicherung zu finden.

Wo sollen die KMU unterkommen, wenn eine Vollversicherung nicht mehr möglich ist?
Für KMU mit älteren Mitarbeitenden fällt sicher negativ ins Gewicht, dass sie den Anbieter nicht mehr wechseln können. Als letztes Sicherheitsnetz bleibt die Stiftung Auffangeinrichtung BVG.

Welches sind die Vorteile, wenn sich ein Unternehmen für Pax DuoStar entscheidet?
Bei dieser Lösung sind Sicherheit und Renditechancen miteinander kombiniert. Wenn die Finanzmärkte schlecht performen, bietet der Garantieteil eine Absicherung. Die Kundin profitiert aber auch mit dem autonomen Teil, sobald sich die Stimmung an den Märkten aufhellt. Preislich befindet man sich mit dem Pax DuoStar zwischen Vollversicherung und Teilautonomie und profitiert entsprechend von günstigeren Prämien als mit einer reinen Vollversicherung. Sollte es je zu einer Sanierung kommen, ist auch nur die Hälfte des Kapitals im Risiko. Damit halbieren sich die Lohnbeiträge im Sanierungsfall gegenüber einer traditionellen teilautonomen Lösung.

Schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie haben zahlreiche KMU kaum mehr Anschluss bei einer Vollversicherung gefunden. Hat sich diese Ausgangslage seither nochmals verschärft?
Bei uns haben sich die Anschlusskriterien aufgrund der Pandemie nicht verändert. Im vergangenen Jahr wurden jedoch deutlich weniger Ausschreibungen gemacht. Die Unternehmen hatten andere Sorgen als die berufliche Vorsorge. Entsprechend hat sich das Offertenvolumen vermindert.

Als die Axa aus dem Vollversicherungsgeschäft ausstieg, gab es bei den verbliebenen Anbietern teils massive Neuzugänge – auch bei der Pax?
Ja, wir hatten ein deutlich stärkeres Neugeschäft als in den Jahren zuvor. Die Schleusen wurden aber nicht planlos geöffnet. Jede Anfrage wurde minutiös geprüft.

Also wurde das Neugeschäft nur sehr selektiv gezeichnet?
Durchaus. Das sind wir unserer Bestandskundschaft schuldig.

Dafür hat sich das Prämienvolumen vermindert. Wurde das bewusst in Kauf genommen?
Natürlich würden wir gerne Volumen schreiben, aber nicht um jeden Preis.

War dies auch ein Grund, um mit dem neuen Pax DuoStar das Geschäft zu beleben?
Ja, alle unsere Mitkonkurrenten haben teilautonome Lösungen lanciert. Für uns stellte sich die Frage, ob wir in der gleichen Art mitziehen oder etwas anderes machen. Pax hat sich für eine innovative Lösung entschieden, mit der wir uns vom Markt abheben.

Aber ist die neu eingeführte Hybridversicherungslösung nur ein erster Schritt hin zu einer reinen teilautonomen Lösung?
Momentan liegt unser Fokus auf der Markteinführung des Pax DuoStars. Gleichzeitig überlegen wir, ob man zukünftig mit den Garantien variieren kann: anstatt dem hälftigen Anteil eine grössere oder kleinere Garantie, wie das bereits in der privaten Vorsorge möglich ist. Jede und jeder sucht Sicherheit. Aber Garantien kosten auch. Mit dem frei wählbaren Garantieanteil treten wir in einen aktiven Dialog mit unseren Kunden und Kundinnen.

Kritiker sagen, ein teilautonomes Modell mit einer vorsichtigen Anlagestrategie führe zum gleichen Ergebnis wie eine Aufteilung in Vollversicherung und Teilautonomie.
Das stimmt natürlich nicht. Die Gelder sind beim Pax DuoStar in zwei verschiedenen Gefässen angelegt. Diese getrennten Investments reagieren anders als bei einer defensiven Anlagestrategie innerhalb einer teilautonomen Lösung. Wichtig ist dabei auch: Ich bin beim Pax DuoStar nur mit der Hälfte meines Kapitals im Risiko.

Sprechen die höheren Kosten nicht gegen eine solche Splitting-Lösung?
Die Prämien liegen genau in der Mitte zwischen einer Vollversicherung und einer teilautonomen Lösung. Selbstverständlich ist mehr Komplexität in den Systemen drin, aber das verursacht in der Abwicklung nicht höhere Aufwendungen. Im alltäglichen Handling des Kunden und der Kundin ist es eine einfache Lösung.

Mit der teilautonomen Lösung innerhalb des Pax DuoStars treten Sie auch in einen Konditionenwettbewerb mit den Gemeinschafts- und Sammelstiftungen.
Ja, aber unser Angebot unterscheidet sich durch den Garantieteil.

Bei Sammelstiftungen wird oft kritisch vermerkt, sie würden den Umwandlungssatz nur zögerlich senken, um Marktanteile zu gewinnen. Wie positioniert sich die Pax?
Wir wollen im teilautonomen Bereich eine gesunde Stiftung aufbauen. Entsprechend müssen die Parameter seriös festgelegt werden. Auch bei dieser neuen Lösung spielen unsere genossenschaftlichen Werte eine gewichtige Rolle.

Was müsste sich bei den Rahmenbedingungen ändern, damit die Vollversicherung für die Anbieter wieder interessanter wird?
Als hemmende Parameter wirken der Umwandlungssatz und der politisch festgelegte BVG-Mindestzinssatz. Diese Stellhebel müssen an die ökonomische Realität angepasst werden.

Die autonomen Pensionskassen mit einem obligatorischen und überobligatorischen Teil helfen sich derzeit damit, dass sie mit einem umhüllenden Ansatz einen deutlich tieferen Umwandlungssatz anwenden. Andere Lebensversicherer, wie etwa Helvetia oder jüngst Swiss Life, haben den Umwandlungssatz nach dem Anrechnungsprinzip gesenkt. Erwägt auch die Pax diesen Schritt?
Wir haben uns im laufenden Jahr fast ausschliesslich auf die Lancierung des Pax DuoStars konzentriert. Natürlich sind uns die Probleme im System der Kollektivversicherung bekannt und die Anpassungen der Mitbewerber werden genau beobachtet.

Wie optimistisch sind Sie, dass sich der Reformstau mit den getrennt vorangetriebenen Vorschlägen für AHV und berufliche Vorsorge etwas löst?
In der Realität sind die Reformbemühungen eine klare Sache, aber es bleibt ein emotionales Thema. Deshalb sind auch alle bisherigen Anläufe für eine Korrektur gescheitert.

Die Pax bietet auch eine Ergänzungsvorsorge an. Wie stark engagieren Sie sich bei 1e-Plänen für Kadermitarbeitende, Spezialistinnen und Spezialisten?
Wir sind momentan in diesem Segment nicht aktiv. Für 1e-Pläne braucht es ein gewisses Lohngefüge. Bei unserer angestammten Hauptkundschaft, bestehend aus kleineren und mittleren Unternehmen, sehen wir für solche «Bel étage»-Versicherungen nur ein limitiertes Potenzial. Dabei wird auch der Solidaritätsgedanke in der zweiten Säule tangiert. In den 1e-Lösungen steigt die Selbstverantwortung und es braucht ein fundiertes Know-how bei den Versicherten, um die Mechanismen und Risiken zu verstehen. 

Spezialistin

Yvonne Häring (43) ist seit 2020 Mitglied der Geschäftsleitung und Leiterin des Departements Produkte & Aktuariat bei der Pax, Schweizerische Lebensversicherungs-Gesellschaft. Zuvor war sie bei der Baloise in verschiedenen Führungspositionen tätig. Nach dem Studienabschluss als Mathematikerin (Dr. phil.) absolvierte sie eine Zusatzausbildung an der International Fund & Asset Management Business School sowie das «Excellence in General Management DAS HSG».