Die Pandemie, die seit mehr als anderthalb Jahren andauert, erhöht die Sorgen der Schweizer Bevölkerung in Bezug auf ihre Altersvorsorge. Die Befürchtung, dass der Lebensstandard drastisch sinken könnte, nimmt zu – insbesondere bei Frauen, selbstständig Erwerbenden und Haushalten mit geringem Einkommen.

Dies zeigt eine repräsentative Online-Umfrage unter 1224 Personen im Zeitraum 17. bis 25. Juni 2021, die von MIS Trend im Auftrag von Le Temps und der Groupe Mutuel durchgeführt wurde.

Das Vertrauen ist stark erschüttert

Die Folgen der Pandemie haben bei 37 Prozent der Befragten dazu geführt, dass ihr Vertrauen in das Rentensystem gesunken ist. Insbesondere das Vertrauen in die erste Säule ist tief – sie wird als fragiler eingeschätzt als die zweite und dritte Säule. Die Frage, ob der Lebensstandard im Alter eingeschränkt werden müsse, bejahen 38 Prozent der Frauen im Vergleich zu lediglich 24 Prozent der Männer. Auch 38 Prozent der Haushalte mit niedrigem Einkommen befürchten eine Kürzung ihrer Mittel, verglichen mit nur 20 Prozent derjenigen mit einem hohen oder sehr hohen Einkommen. Ausserdem müssen laut 57 Prozent der Umfrageteilnehmenden auch die folgenden
Generationen mit einem tieferen Lebensstandard in Zukunft rechnen.

Bei den selbstständig Erwerbenden nimmt das Vertrauen in das System ebenfalls ab. Im Jahr 2021 sind 65 Prozent der Meinung, dass sie im Ruhestand nicht gut abgesichert sein werden (2020 waren es noch 60 Prozent). Als Konsequenz befürworten mehr als 70 Prozent der Befragten ein Obligatorium der 2. Säule für Selbstständige. Der Vertrauensverlust in die Altersvorsorge betrifft weite Teile der Schweizer Bevölkerung, obwohl das Schweizer Vorsorgesystem mit seinen drei Säulen die Corona-Krise wirtschaftlich relativ gut überstanden hat. In der zweiten Säule beispielsweise wird der Deckungsgrad der Pensionskassen weiterhin als sehr gut eingestuft.

Mehrheit befürchtet Rentenklau

Die zur Diskussion stehende Senkung des Umwandlungssatzes in der 2. Säule empfinden immer mehr Menschen als Rentenklau. 65 Prozent der Umfrageteilnehmenden nehmen diesen zentralen Punkt der BVG-Reform entsprechend wahr. In der Westschweiz teilen 73 Prozent der Befragten die Ansicht des Rentenklaus, in der Deutschschweiz sind es 61 Prozent.

Ausserdem befürchtet eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung eine Inflation in den nächsten fünf bis zehn Jahren. 62 Prozent der Befragten glauben, dass die Inflation sehr hoch oder ziemlich hoch sein wird.

Wege zur Reform

Wie also soll das Schweizer Vorsorgesystem verbessert und reformiert werden? Während die Senkung des Umwandlungssatzes und die Erhöhung des Rentenalters einen schweren Stand bei der Schweizer Bevölkerung haben, findet sich laut Umfrage zumindest eine knappe Mehrheit für einen einheitlichen Beitragssatz für alle Altersgruppen. Diese Massnahme allein wird jedoch angesichts der demografischen Entwicklung und der Probleme der Finanzierbarkeit des aktuellen Systems nicht ausreichen, um die Altersvorsorge nachhaltig zu reformieren.

Ein Trend, der bereits letztes Jahr zu beobachten war, wird auch in der Umfrage 2021 bestätigt: Die Befragten sind der Ansicht, dass zunächst jeder Einzelne für die Finanzierung einer angemessenen Altersvorsorge verantwortlich ist (53 Prozent der Bürgerlichen und 34 Prozent der Linken), dann der Staat und schliesslich der Arbeitgeber. Entsprechend investieren bereits 64 Prozent der Befragten in eine dritte Säule oder eine andere Form des Alterssparens gegenüber 61 Prozent im Jahr 2020. Das ist erfreulich, denn es zeigt, dass die Schweizer Bevölkerung sich zunehmend Gedanken über ihre Altersvorsorge macht und – wenn sie die Mittel dazu hat – vorausschauend
handelt.

(ots/hzi/wil)