Aufgrund der demografischen Entwicklung werden im Jahr 2050 doppelt so viele über 80-Jährige in der Schweiz leben als heute, schreibt die Paul Schiller Stiftung in einer Mitteilung an die Medien. Jeder zehnte Einwohnende wird über 80 Jahre alt sein. Damit nehme auch die Zahl jener stark zu, die neben der medizinischen Pflege eine psychosoziale Betreuung benötigen, um möglichst lange selbstständig ihren Alltag zu gestalten und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.

Schon heute sei der Bedarf an zusätzlicher Betreuung gross, heisst es weiter. Potentiell fehle es mehr als 620'000 Menschen über 65 Jahren an Unterstützung. Dies zeige die neue, vom Büro BSS Volkswirtschaftliche Beratung erarbeitete Studie «Gute Betreuung im Alter – Kosten und Finanzierung». Die Lücke an Unterstützung sei gross, sowohl zu Hause als auch in den Heimen: Es fehlen 20 Millionen Betreuungsstunden. Dies entspriche einem Gegenwert von 800 Millionen bis 1,6 Milliarden Franken.

Ein Teil dieser Lücke müsse staatlich finanziert werden, so die Paul Schiller Stiftung. «Nur mit einem staatlichen Engagement lässt sich sicherstellen, dass sich auch ältere Menschen mit bescheidenen finanziellen Mitteln eine gute Betreuung leisten können.» Gleichzeitig muss das Angebot ausgebaut und weiterentwickelt werden. «Wichtig ist, dass dabei die Zugangshürden minimal gehalten werden und die Qualität des Angebots gesichert ist», lässt sich Herbert Bühl, Präsident der Paul Schiller Stiftung, zitieren.

«Betreuungsgeld für Betreuungszeit»

Gute Betreuung lasse sich bedarfsgerecht für alle älteren Menschen in der Schweiz finanzieren. Die von der Paul Schiller Stiftung publizierte Studie zeigt mehrere Wege auf: Eine Möglichkeit sei ein Betreuungsgeld, das Stundenkontingente für Menschen mit Betreuungsbedarf vorsieht – und so die finanzielle Belastung für die Betroffenen reduziert. Das Modell finanziere den Ausbau und die Qualitätssicherung des Betreuungsangebots und stärkt die aufsuchende Arbeit. So erhielten auch ältere Menschen mit begrenzten finanziellen Mitteln Zugang zu qualitativ guten Betreuungsleistungen und könnten möglichst lange selbstständig, eigenbestimmt und mitten in der Gesellschaft leben.

Mit dem skizzierten Finanzierungsmodell könnten die heutigen Lücken geschlossen werden – in der Finanzierung, beim Angebot und beim Zugang, heisst es weiter. Das «Betreuungsgeld für Betreuungszeit» knüpfe an bestehenden Finanzierungsinstrumenten (wie die Ergänzungsleistungen zur AHV) an und nutze bewährte Fördermechanismen (wie die Anstossfinanzierung).

Notfälle und vermeidbare Heimeintritte verhindern

Wenn die Schweiz nichts tue, droht eine Unterversorgung für diejenigen älteren Menschen, die Betreuung benötigen, warnt die Stiftung. Herbert Bühl: «Wenn die richtige Unterstützung fehlt, laufen ältere Menschen Gefahr zu vereinsamen sowie zu verwahrlosen und ihr Gesundheit leidet. Sie müssen vermehrt notfallmässig ins Spital oder es kommt zu vermeidbaren Heimeintritten.»

Gute Betreuung habe auch volkswirtschaftlich betrachtet einen Nutzen: Sie ermögliche älteren Menschen länger ein selbstständiges Leben und erleichtere den Angehörigen die Vereinbarkeit von Betreuung und Beruf.

(pm/hzi/gku)