In einem Umfeld geprägt von hohen Aktienmarktbewertungen und gedämpftem organischem Wachstum sind Fusionen und Übernahmen (M&A) ein guter Hebel für CEOs, um den Wert ihres Unternehmens weiter zu steigern. Dies hat in den vergangenen Jahren zu einem Fusionsboom geführt, der bislang keine Anzeichen einer nachhaltigen Ermüdung zeigt. Das globale M&A-Volumen dürfte unverändert hoch bleiben. Dafür sprechen die US-Steuerreform, Rekordbargeldbestände und die extrem tiefen Zinsen. Von diesem Boom können nicht nur die beratenden Investmentbanken profitieren, sondern auch Privatanleger.

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Der neue Hunger der Private-Equity-Fonds auf kotierte Unternehmen 

Gerade Finanzinvestoren haben, trotz hohen Anlagedrucks, derzeit besonders viel Dry Powder, also Geld, das investiert werden soll. Traditionelle, nicht-kotierte Übernahmeziele werden jedoch immer rarer. Viele Finanzinvestoren schielen daher gerade verstärkt auf börsenkotierte Unternehmen, so geschehen bei Osram, Metro, Scout24 und Axel Springer. Hier sollten auch Privatanleger wachsam hinsehen. Wenn ein börsenkotiertes Unternehmen übernommen wird, können auch nach Bekanntgabe der Transaktion noch attraktive Renditeopportunitäten entstehen: als Entschädigung dafür, dass das verbleibende Transaktionsrisiko getragen wird. 

Aktive Anleger können diese als Merger Arbitrage bekannte Strategie nutzen. Wie der Namensteil Arbitrage bereits vermuten lässt, nutzt man dabei kurzfristige Preisdifferenzen während einer M&A-Transaktion und profitiert davon, dass der aktuelle Marktpreis des Zielunternehmens zeitweise noch unterhalb des angebotenen Übernahmepreises liegt. Eine Strategie, die auch Warren Buffetts Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway regelmässig anwendet, beispielweise bei der kürzlich abgeschlossenen Übernahme von Red Hat durch IBM. Unternehmen in solchen Übernahmesituationen ist gemein, dass sich der Kursverlauf der beteiligten Valoren stark an transaktionsspezifischen Ereignissen und Nachrichten orientiert statt am allgemeinen Aktienmarktumfeld. Damit lässt sich das eigene Portfolio vor starken Kursschwankungen schützen. 

Auf das Risikomanagement kommt es an

Bei der Auswahl der M&A-Transaktionen beziehungsweise -ziele ist jedoch grosse Sorgfalt notwendig. Denn scheitert eine Übernahme oder zieht sich der Prozess zu lange hin, ist die in Aussicht gestellte Rendite gefährdet. Anleger müssen sich daher genau mit den eingegangenen Transaktionsrisiken auseinandersetzen und das Portfolio stetig beobachten. So ist beispielsweise aktuell bei der Übernahme der US-Biotechnologiefirma Spark Therapeutics durch Roche zwar eine theoretische Bruttorendite von über zehn Prozent innerhalb weniger Monate möglich, allerdings geht die Transaktion mit einem hohen regulatorischen Risiko einher. Anders hingegen bei der Übernahme des US-Pharmakonzerns Celgene durch den Konkurrenten Bristol-Myers Squibb, bei der das relative geringe verbleibende Risiko jedoch auch nur mit einer erwarteten Rendite von knapp zwei Prozent vergütet wird und eine teilweise Absicherung der Akquisitionswährung notwendig ist, da eigene Aktien von Bristol-Myers Squibb Teil des Kaufpreises sind. 

Aktivistendruck als Auslöser 

Wer nicht nur die verbleibende Rendite während einer Übernahme vereinnahmen will, kann gezielt auf potenzielle Übernahmekandidaten setzten. Hier kann beispielsweise die Präsenz aktivistischer Investoren ein möglicher Auslöser (Catalyst) für eine anstehende Übernahme sein. Gerade wenn wie bei Scout24 und Nestlé namhafte Aktivisten dem etablierten Management im Nacken sitzen und die Versilberung von Unternehmensteilen beziehungsweise eine Aufspaltung fordern, bietet sich Anlegern die Chance, ebenfalls zu profitieren. Denn oft steht dann kurz- oder mittelfristig eine Übernahme an. 

In volatilen Zeiten wie aktuell kann ereignisorientiertes Investieren ein lukrativer Anlagestil sein, allerdings nur für sehr fortgeschrittene und aktive Anleger. Für eher passiv orientierte Anleger, die dennoch vom Übernahmeboom profitieren wollen, gibt es auf M&A-Themen spezialisierte Anlagefonds. Mit solchen ereignisorientierten Aktienfonds lassen sich starke Kursschwankungen an den Aktienmärkten, wie aktuell verursacht durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China, abfedern und eine vom breiten Aktienmarkt entkoppelte Rendite erzielen. Schliesslich ist bei den entsprechenden Aktien das Zustandekommen einer Übernahme entscheidend und nicht die allgemeine Marktrichtung.

 

*Oliver Scharping ist Portfoliomanager für globale Aktien beim Asset Manager Bantleon Bank AG.

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