Die USA streben völlig neue Handelsbeziehungen mit China an. Chinas wirtschaftliche Macht wächst, und die weltpolitischen Ambitionen werden immer klarer. Mehr und mehr wird es in Washington zum Konsens, dass beim Aussenhandel wie bei weltpolitischen Themen eine härtere Gangart angemessen sei. Die Entwicklung der amerikanisch–chinesischen Beziehungen lässt jedoch einen neuen Aussenhandelskonsens in den nächsten Jahren durchaus zu. Jede Seite fordert die andere heraus und versucht herauszufinden, wie kompromissbereit sie ist und was ihre Ziele sind.

China stiehlt geistiges Eigentum

Zu den Zöllen zählt eine 25 prozentige Abgabe auf Stahl und eine 10 prozentige auf Aluminiumimporte. Die Massnahmen der Trump-Administration, die viele Länder betreffen und der amerikanischen Stahl- und Aluminiumindustrie beim Überleben helfen sollen, sind aber wohl nur der Anfang. Mit den Zöllen reagiert Trump auf die bekannten Überkapazitäten der chinesischen Stahlindustrie, und es ist so gut wie sicher, dass die Administration in den nächsten Monaten mit weiteren Massnahmen gegen Chinas Aussenhandelspraxis und andere Praktiken vorgeht.

Besonderes Augenmerk sollte der «Section–301»-Untersuchung des Vorwurfs gelten, dass China geistiges Eigentum stiehlt. Der Präsident könnte Schätzungen wie «eine Billion US–Dollar Diebstahl» im letzten Jahrzehnt verbreiten und zu neuen, noch unbekannten Mitteln greifen.

Wie wird China reagieren?

Wie wird China reagieren? Keiner weiss es sicher, doch zu rechnen ist mit einer politisch klugen Reaktion in einer ähnlichen Grössenordnung – etwa mit handelspolitischen Nadelstichen zum Schaden einflussreicher Abgeordneter und Wahlkreise, die Trump wichtig sind. Langfristig strebt China eine ausgewogenere und autarkere Volkswirtschaft an, die in Schlüsselbranchen weniger stark auf ausländische Firmen angewiesen ist. Ausserdem möchte sich China dem Wettbewerb in wichtigen Branchen stellen. Dies trägt zu dem neuen Bild in Washington bei, dass China eine Herausforderung ist. So investiert China massiv in die Entwicklung einer eigenen Halbleiterindustrie und in künstliche Intelligenz. Sicher wird dies Zeit brauchen, doch werden amerikanische Politiker und Wirtschaftsführer angesichts dieser möglichen Konkurrenz immer nervöser.

Chinesische Unternehmen haben auch weltweit Firmen übernommen. Sie kauften Unternehmen und bildeten Joint Ventures in der Hoffnung auf Zugang zu wichtigem geistigem Eigentum. Die westlichen Regierungen haben zuletzt reagiert und Verträge mit chinesischen Regierungen verhindert, oft unter Berufung auf die nationale Sicherheit.

Automobilhersteller und Maschinenbauunternehmen geraten unter Druck

Durch diese Entwicklung können die Synergien durch jahrelange Integration und Handelsverträge Schaden nehmen. Das könnte Handel und Investitionen betreffen, und vielleicht verschwinden auch etablierte Lieferketten. Aber was bedeutet das für Investoren? Einige der wichtigsten US-Importe nach China sind Flugzeuge, Landwirtschaftsprodukte und Halbleiter für elektronische Geräte. Sie könnten zum Ziel chinesischer Vergeltungsmassnahmen werden, zumindest kurzfristig. Auch Automobilhersteller und Maschinenbauunternehmen könnten ins Fadenkreuz geraten. Es ist keine Überraschung, dass die Aktien dieser beiden Sektoren seit Bekanntgabe der Zölle unter Druck gerieten. Zum Ziel für Retourkutschen könnten auch amerikanische Sojabohnen und andere Landwirtschaftsprodukte werden, die jetzt in grossem Umfang nach China exportiert werden.

Man sollte die immer lauteren Stimmen in Washington beachten

Im Laufe dieses Jahres dürfte eine härtere Haltung gegenüber China mehr Unterstützung beider Parteien erhalten, als man allgemein annimmt. Man sollte auch die immer lauteren Stimmen in Washington beachten, denen zufolge das derzeitige Mass an wirtschaftlicher Integration mit China den langfristigen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen der USA schadet. Selbst wenn keine «Entkopplung» der beiden Volkswirtschaften gefordert wird, wird doch immer mehr zum Konsens, dass etwas gegen Chinas merkantilistische Aussenpolitik zu tun ist.

Dennoch gibt es gegenseitige Abhängigkeiten, die mässigen könnten. Das amerikanische Aussenhandelsdefizit gegenüber China betrug 2017 376 Milliarden Dollar, bei 130 Milliarden Dollar Exporten und 506 Milliarden Dollar Importen. Ein Grossteil der Importe stammt von US-Industrieunternehmen, die in China produzieren lassen und darauf angewiesen sind. Abzuwarten bleibt auch, ob amerikanische Technologieriesen jetzt auf grosse Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen in China verzichten.

* Matt Miller arbeitet als politischer Volkswirtschaftler bei der Capital Group 

 

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