1. Home
  2. Invest
  3. CS-Kunden droht teurer Ausfall durch Thunfisch-Deal

Anleihen
CS-Kunden droht teurer Ausfall durch Thunfisch-Deal

Thunfisch-Deal: Statt fette Beute drohen Mosambik-Investoren fette Verluste.   Keystone

Institutionelle Investoren fürchten einen massiven Verlust in Mosambik. Sie sind sauer auf die Credit Suisse – diese hat mehr Geld verliehen, als sie offenbar wussten.

Von Christian Bütikofer
am 04.04.2016

Das Geschäft schien äusserst profitabel, das Risiko überschaubar, also griffen internationale Investoren im Jahr 2013 kräftig zu, als Credit Suisse Anleihen einer Staatsfirma aus Mosambik feilbot. Bonds für 850 Millionen US-Dollar (813 Millionen Franken) waren zu haben für die Empresa Moçambicana de Atum (Ematum), die für ihre Thunfisch-Flotte dringend neues Kapital brauchte, schreibt das «Wall Street Journal».

Doch schon wenige Monate nach dem Deal mussten die Investoren erleben, dass die Gelder, statt in die Firma zu fliessen, fürs Militär abgezweigt wurden – der Staat kaufte sich mit dem Geld lieber Kanonenboote. Die Webseite von Ematum präsentiert sich derweil mit lateinischem Stehsatz.

Weiterer Kredit im Dunkeln

Zwei Jahre später versprach das Land, die Schulden zu restrukturieren. Das wäre eigentlich eine gute Nachricht, doch nun vernehmen die Gläubiger eine weitere Hiobsbotschaft: Der Thunfisch-Bond war nicht der einzige Deal. Während des ersten Anleihenverkaufes gewährte die Credit Suisse einer anderen staatlichen Firma, der Proindicus, ein zweites grosses Darlehen im Wert von 622 Millionen Dollar, um Schiffe für die Marine zu kaufen. 2014 erweiterte die CS die Kreditlinie auf 900 Millionen Dollar.

Mit dem Ergebnis, dass der afrikanische Staat nun höher verschuldet ist als vorher und sein Rating noch tiefer in den Keller rasselt. Von der zweiten Finanzspritze wussten die Anleger weitgehend nichts. Ihre Anlagen sind nun wahrscheinlich weniger wert als erwartet. Und von Thunfisch haben sie bisher auch noch nichts gesehen. Standard & Poor's schätzt die Anleihen als «distressed», also akut ausfallgefährdet, ein.

Letzten Freitag hatten die Gläubiger mit 85 Prozent Ja-Stimmen der Restrukturierung zugesagt. Allerdings machten wohl viele die Faust im Sack. Investoren wie Marcus Boeckmann der Candriam Investors Group wollen laut dem «Wall Street Journal» von der Schweizer Grossbank wissen, warum man ihnen vom zweiten Deal nichts erzählte oder erst dann, als sie der Restrukturierung bereits zugestimmt hatten. Die Kredite der Credit Suisse und anderer Geldgeber im Wert von mindestens 787 Millionen US-Dollar könnten den Wert der neuen Bonds weiter dramatisch vermindern.

Staatsgarantie vertraut

2013 gewährten die CS und weitere Banken Mosambik Gelder in der Höhe von 1,47 Milliarden US-Dollar. Es war für die Institute auch ziemlich einfach, für die Staatspapiere Käufer zu finden. Denn viele Investoren wie AllianceBernstein, Aberdeen Asset Management und Franklin Templeton Investments setzten auf der Suche nach höheren Renditen und wegen des Rohstoffbooms vermehrt auf Afrika.

Auf die Frage, warum Fondsmanager überhaupt in die Ematum investierten, meinten diese gegenüber dem «Wall Street Journal», dass sie auf die Staatsgarantie vertrauten – wie die Firma wirtschaftete, damit beschäftigten sie sich nicht im Detail.

Die Credit Suisse hat auf eine schriftliche Anfrage von handelszeitung.ch zum Fall nicht reagiert.

Anzeige