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Kunsthandel
Deshalb wird wieder mehr Kunst verkauft

A visitor views 'Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)', 1972 by David Hockney during a press preview for the British artists' retrospective at Tate Britain on February 6, 2017 in London, England. The exhibition covers six decades of Hockney's life from his time as a student in the early 1960s to more recent works completed in Los Angeles. The retrospective runs from February 09 - 29 May, 2017. (Photo by Jack Taylor/Getty Images)
Rekordpreis: David Hockneys «Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)» wurde letztes Jahr für 90 Millionen Dollar versteigert. Quelle: 2017 Getty Images

Die globale Finanzkrise stürzte auch den Kunstmarkt in die Tiefe. Nun geht es wieder bergauf. Das hat vor allem zwei Gründe.

Melanie Loos
Von Melanie Loos
am 26.03.2019

Nach mehreren zähen Jahren ist der Kunstmarkt wieder im Aufwind: Die Kunstverkäufe stiegen im vergangenen Jahr um 6 Prozent auf 67,4 Milliarden Dollar – der zweithöchste Wert innerhalb der letzten zehn Jahren. Das zeigt ein Bericht der UBS, welche sie zusammen mit der Art Basel bereits zum dritten Mal durchgeführt hat.

In Asien wächst der Markt besonders stark. Aber nicht nur, dass immer mehr Kunstsammler aus Asien kommen. Noch etwas unterscheidet den asiatischen Kunstmarkt vom Rest der Welt: Der Anteil an Millennials unter den Kunstliebhabern. In Singapur sind 46 Prozent der Sammler unter 37 Jahre alt, in Hong-Kong sind es 39 Prozent. 

Aber auch weltweit sind sie mittlerweile ernstzunehmende Kunden: Im vergangenen Jahr waren die Hälfte der Käufer, die 1 Million Dollar oder mehr für Kunst ausgegeben haben, Millennials. Als Käufer sind sie viel aktiver als andere Altersgruppen – über 70 Prozent der 22- bis 37-jährigen Sammler kaufte in den vergangenen zwei Jahren Kunst. 

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Aber auch weltweit 22- bis 37-jährigen Kunstkäufer sind damit zu einer wichtigen Zielgruppe geworden. Mit über 60 Prozent sind zwar die 40- bis 64-Jährigen immer noch die grösste Käufergruppe, aber die 15- bis 30-jährigen Käufer holen auf: Ihr Anteil lag 2018 bei 13 Prozent.

So erklärt sich wohl auch der wachsende Online-Kunstmarkt, denn die jüngeren Generationen kaufen ihre Kunst gerne im Internet. Auch weil die wohlhabenden Millennials weniger Zeit für herkömmliche Kunstveranstaltungen wie Messen oder Auktionen haben. Bisher werden zwar nur 9 Prozent aller weltweiten Käufe online getätigt, aber die Tendenz ist steigend.

Etwa die Hälfte aller Verkäufe wurde über Kunsthändler wie Gallerien getätigt – der Rest erfolgt über Auktionen. So verkauften die Händler 2018 zwar mehr Kunst, und zwar im Wert von rund 36 Milliarden Dollar, doch für 2019 sind sie weniger optimistisch. Neue Kunden zu finden, ist demnach ihre grösste Sorge.

Zu den grössten Kunstkäufern gehören US-Amerikaner, Europäer, Briten und Franzosen – zumindest bei den Verkäufen über Kunsthändler. Auch die Schweizer Kundschaft kann sich sehen lassen. 

Ein Grossteil des weltweiten Kunsthandels spielt sich in nur drei Ländern ab: Grösster Kunstmarkt der Welt sind weiterhin die USA. Dort wurde 2018 Kunst im Wert von rund 30 Milliarden Euro gekauft – das entspricht 44 Prozent aller Verkäufe weltweit. Grossbritannien ist der zweitgrösste Markt, kurz dahinter folgt China mit Kunstverkäufen von fast 13 Milliarden. Alle drei zusammen vereinen 84 Prozent des Marktes. Die Schweiz hat einen Marktanteil von 2 Prozent. 

2018 wechselten Kunstwerke im Wert von 30 Milliarden Dollar bei Auktionen ihre Besitzer. Auch in diesem Bereich dominieren die USA, China und Grossbritannien. Das teuerste Werk aus der modernen und zeitgenössischen Kunst wurde für rund 90 Millionen Dollar bei Christie’s in New York versteigert: «Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)» vom britischen Künstler David Hockney – ein neuer Rekordpreis für ein Werk eines lebenden Künstlers. Bisher lag Jeff Koons’ «Balloon Dog (Orange)» an der Spitze, das 2013 für rund 58 Millionen verkauft wurde. Meistverkaufte lebende Künstler waren nach Hockney im vergangenen Jahr Gerhard Richter und Yayoi Kusama aus Japan