LVMH – die Aktie ist im steilen Aufwärtstrend und bringt alleine in diesem Jahr ein Kursplus von 40 Prozent. In den letzten drei Jahren hat sich die Aktie des CAC 40-Mitglieds schon mehr als verdoppelt. Der Chart von Esteé Lauder ist dazu fast identisch. In diesem Jahr bringt der Konzern aus New York einen Kursgewinn von rund 50 Prozent und seit August 2016 steht ebenfalls eine Verdoppelung zu Buche. Die Aktie von Christian Dior konnte seit Januar mit einem Anstieg um 30 Prozent ebenfalls kräftig zulegen und bringt seit 2016 sogar eine Verdreifachung.

Ähnlich wie die drei schon genannten Titel sieht es bei Hermes, Pernod Ricard und Remy Cointreau aus: Schöne Gewinne in diesem Jahr und in etwa eine Verdoppelung in den letzten drei Jahren. Neben den enormen Kursgewinnen haben die genannten Werte noch etwas gemein: Sie kommen alle aus dem Bereich der Luxusgüter – Kleidung, Schmuck, Accessoires oder teure Getränke wie etwa Champagner oder Cognac.

Luxus mit hohem Wachstum…

Die Kurssteigerungen sind nicht verwunderlich. Denn der Luxussektor boomt. Laut dem Beratungshaus Bain & Company brachte es der Sektor zwischen 2010 und 2017 auf jährliche Zuwächse im Durchschnitt von sieben Prozent. 2018 gab es Steigerungen von rund sechs Prozent, und für dieses Jahr werden mit 4,7 Prozent immer noch Zuwächse weit über der Wachstumsrate der Weltwirtschaft von 3,2 Prozent vorausgesagt. 

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Das hohe Wachstum im Sektor spiegelt sich auch in den Bilanzen der Konzerne. LVMH konnte den Umsatz zwischen 2016 und 2018 um rund 25 Prozent auf 46,8 Milliarden Euro ausbauen. Esteé Lauder und Hermes legten jeweils um rund 20 Prozent auf 13,7 und 6,0 Milliarden Euro zu.
 

…und China holt zusehends auf

Der grosse Wachstumstreiber sind dabei die Kunden aus China. Nach Schätzungen des Beratungsunternehmens McKinsey sollen die Ausgaben der Chinesen zwischen 2018 und 2025 um etwa 60 Prozent auf rund 160 Milliarden Euro jährlich steigen. Der Anteil der Kunden aus dem Reich der Mitte am weltweiten Luxusgütermarkt ex Autos soll dabei von 40 auf 65 Prozent zulegen. 

Der enorme Luxushunger im Reich der Mitte ist leicht erklärt. Denn die Wirtschaft Chinas wächst immer noch mir rund sechs Prozent pro Jahr und dadurch steigen die Einkommen der Chinesen kräftig an. Zählt die chinesische Mittelschicht mit einem netto Jahreseinkommen zwischen 14'000 und 70'000 Dollar derzeit rund 110 Millionen Menschen, so kommen wegen der nach wie vor enormen Wachstumsraten in Chinas Wirtschaft jährlich etwa weitere 20 bis 30 Millionen Menschen dazu obendrauf.

Richemont legt deutlich zu

Vom Boom profitieren auch heimische Unternehmen wie insbesondere Compagnie Financière Richemont. Der Luxusgüterkonzern aus dem Swiss Market Index steigerte seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 27 Prozent auf 14 Milliarden Euro und schaffte auch in den ersten sechs Monaten in diesem Jahr ein Umsatzplus von zwölf Prozent. Am stärksten kam dabei das Geschäft in China mit deutlich zweistelligen Steigerungen wegen verschiedener Steuererleichterungen für die Konsumenten voran. 

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Lediglich Swatch musste im Quartal einen Umsatzrückgang von 3,7 Prozent auf 4,1 Milliarden Franken melden. Grund dafür war aber insbesondere ein sehr starkes Vorjahr und für das zweite Halbjahr blickt der Uhrenkonzern zuversichtlich voraus. So kommen zahlreiche Produktneuheiten auf den Markt und das Management erwartet auch starke Wachstumsimpulse aus dem E-Commerce. 

Die Konsumenten sind nach wie vor in guter Stimmung

Tatsächlich scheint die Stimmung der Konsument trotz Handelsstreitereien zwischen USA und China ungetrübt. So stieg das Verbrauchervertrauen laut Forschungsinstitut Conference Board in den USA im Juli von 124,3 auf 135,7 Punkte und lag damit deutlich über den Erwartungen. Ökonomen hatten nur mit einem Wert von 124 Punkten gerechnet. Auch die Einschätzung der aktuellen Lage und der Erwartungen bei US-Konsumenten zeigt klar nach oben. Die beiden Indizes verbesserten sich im Juli von 164,3 auf 170,9 und von 97,6 auf 112,2 Punkte. 

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Auch das Konsumentenvertrauen am wichtigen Markt China ist gut. Im Juni gab es einen anstieg von 123,4 auf 125,9 Punkte. Das Zwölfmonatshoch lag im Februar bei 126 und im Juli 2018 waren es dagegen nur 119,7 Punkte.

LVMH – der Marktführer ist nicht teuer…

Insgesamt scheint den Verbrauchern damit die Lust am Konsumieren trotz Handelsstreit und dunkleren Wolken am globalen Konjunkturhimmel nicht zu vergehen und angesichts der Luxus-Konsum-Prognosen für die nächsten Jahre sieht die Zukunft des Sektors rosig aus. 

Besonders günstig bewertet ist der Marktführer LVMH mit einem 20er-KGV und auch Christian Dior ist mit 23er-Gewinnbewertung nicht viel teurer. Hermes dagegen ist Anleger mit 35er-KGV doch deutlich mehr wert und damit aber nicht mehr wirklich günstig. Esteé Lauder bringt es sogar auf ein exklusiv hohes 48er-KGV.

…Richemont ist sogar einer der günstigsten Titel im Sektor

Mit erwartetem 12er-KGV ist übrigens Richemont im Vergleich zur großen Konkurrenz erstaunlich günstig und auch Swatch bringt es auch nur auf ein 17er-Gewinnmultipel. Der Uhrenhersteller notiert obendrein im Bereich der starken Unterstützung bei 250 Franken und damit im Bereich des Zehnjahrestiefs. Von dort konnte die Aktie des SMI-Mitglieds im Juni und Juli um rund 20 Prozent zulegen und 2016 sogar zur fulminanten Kursrallye mit einer Kursverdopplung starten.   

Richemont dagegen hat seit dem Kursrücksetzer der letzten drei Wochen die 200-Tage-Linie fast erreicht und notiert im Bereich der unteren Begrenzungslinie des Aufwärtstrends von Dezember. Anleger setzen jetzt auf einen schnellen Rebound. 

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Der Autor: Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke, unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) spezialisiert. Performance des Musterdepots seit Start im April 2010: +16,7 Prozent p.a. (DAX: +6,3 Prozent p.a.).

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