Sowohl der Swiss Market Index (SMI) als auch der breite Markt haben im Monat Mai je über 2 Prozent verloren. Unter genauerer Betrachtung zeigten sich aber deutliche Ausschläge.

Innerhalb von vier Wochen fiel der Leitindex bis auf 9320 Punkte, stieg dann bis auf 9713 Punkte und sackte dann wieder in Richtung 9461 Punkte zurück. Im SMI ist die Welt insofern "in Ordnung", als dass sich defensive Titel tatsächlich behaupten und Zykliker sowie Banken (UBS -11,8 Prozent, Credit Suisse (-14 Prozent) an Boden verloren haben. 

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Die Gründe, weswegen die Kurse mehrheitlich unter Druck stehen, sind bekannt: Anleger haben Risiken erneut abgeschaltet, denn sie glauben wieder weniger an eine baldige Lösung im amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt. Ausserdem machen Konjunktursorgen die Runde, befeuert etwa von kritisch beäugten Phänomenen an der Zinsfront wie der inversen Zinskurve bei US-Treasuries.

Vieles spricht dafür, dass sich die Grosswetterlage an den Börsen in den nächsten Monaten nicht ändern wird. Rob Mumford zum Beispiel, Schwellenland-Fondsmanager bei GAM in Hongkong, beurteilt die Lage mit Blick auf den Handelsstreit bei Bloomberg kritisch: «Wir sehen eine Politik am Rande des Abgrunds.» Und er prophezeit: «Es wird ein schwieriger Monat werden.»

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Das heisst: Zumindest im SMI könnten die Gewinner von gestern auch die Gewinner von morgen sein. Und die Verlierer bleiben Verlierer. Eine Übersicht über auffällige Titel im SMI und am breiten Markt:

Der SMI-Gewinner: Novartis (+3 Prozent im Mai)

Novartis profitiert von der defensiven Haltung der Anleger, aber auch von Produktneuigkeiten, die im Zusammenhang mit dem wichtigen Branchenkongress ASCO veröffentlicht werden. Innerhalb der vergangenen Tage hat der Basler Pharmariese positive Forschungsdaten zu Wirkstoffen gegen Brustkrebs, Lungenkrebs sowie für Behandlungen von Asthma und Problemen mit der Nasenschleimheit publiziert. Die trübe Marktstimmung und die eigene Pipeline dürften Novartis an der Börse weiter nützen. Im Vergleich hat Branchennachbar Roche mit einer Monatsperformance von -1,9 Prozent deutlich schlechter abgeschnitten. 

Ungewöhnlicher Aufsteiger: Swiss Re (+2 Prozent)

Die Erstquartalszahlen von Swiss Re liessen nichts Gutes vermuten: Schäden, für die der Rückversicherer geradestehen muss, fielen höher aus als erwartet. Seit Mitte Mai hat sich der Kurs aber von 89,30 auf 94,80 Franken erholt und ist die drittbeste SMI-Aktie in der Ein-Monats-Betrachtung. Swiss Re deswegen weiteres Kurspotenzial zuzutrauen ist allerdings gewagt. In der Year-to-date-Betrachtung liefen die SMI-Versicherer Swiss Life (+19,7 Prozent) und Zurich (+10,5 Prozent) besser als Swiss Re (+5,2 Prozent).

Schwächste SMI-Aktie: Swatch (-15 Prozent)

Die Aktie des Uhrenkonzerns hat noch Fans bei Leuten, die wirklich langfristig denken und mit dem "Contrarian"-Ansatz an den Markt gehen. Die Swatch-Gruppe verfügt immer noch über exzellente Produkte, ist gut geführt und finanziell solide. Ansonsten bieten sich wenig Hoffnungen: Der Handelskonflikt belastet das Anlegervertrauen in ein Unternehmen, das mindestens 40 Prozent der Geschäfte in "Greater China" macht. Dazu sind noch die Uhrenexporte zurückgegangen: Im April betrug das Minus 0,4 Prozent. Es machen auch Befürchtungen die Runde, dass das wichtige Segment der günstigen Uhren eine Absatzschwäche fortsetzt. 

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Martine und Jean-Paul Clozel sprechen bei CNN Money Switzerland über die Unternehmen Actelion und Idorsia.
Quelle: CNN Money Switzerland

SPI: Breiter Markt bevorzugt Exoten

Am breiten Markt ist das Bild weniger übersichtlich als im SMI. Die am besten und die am schlechtesten performenden Titel sind solche, die auf spezifische Unternehmensnews reagiert haben. Tendenziell ist es aber auch im SPI so, dass Industrie- und Technologieunternehmen eher zu den Verlierern zählen. 

Top-Aktie im SPI: Perrot Duval (+70 Prozent im Mai)

Am breiten markt zeigen sich die grössten Kursveränderungen oft bei Exoten. Im Mai 2019 war dies nicht anders. Der Automationstechniker Perrot Duval mit Sitz in Genf gehört zu den am geringsten kapitalisierten Unternehmen an der Schweizer Börse. Der Kurs profitierte von einer einzigen Handlung: Die Unternehmensgruppe verkaufte den Firmenteil mit dem Namen Infranor nach China und nahm so 33,7 Millionen Franken ein. Das ist über vierzig Mal so viel, wie das Unternehmen im letzten Geschäftsjahr Gewinn erzielt hat. Anlegen sollte man bei Perrot Duval nur, wenn man solche Investments aus ganz bestimmten Gründen sucht. 

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Interessantester Gewinner: Idorsia (+10 Prozent)

Für ein forschendes, nicht profitables Biopharmaunternehmen verläuft der Kurs von Idorsia relativ stabil – jedenfalls nicht wesentlich anders als der Markt. Dies mag damit zu tun haben, Idorsia-Gründer Jean-Paul Clozel bei Anlegern hohes Ansehen geniesst, denn er hat zuvor Actelion zu einer Erfolgsgeschichte gemacht. Die Idorsia-Aktie hat vergangene Woche ihren monatelangen Kursanstieg allerdings unterbrochen und fiel von 23,50 auf 21,60 Franken. Zu einem Investment kann nicht explizit geraten werden, wobei allein wegen des Namens Clozel viele an einen künftigen Erfolg von Idorsia glauben.

Deutliche Verluste: AMS (-27 Prozent)

Mit der extrem volatilen Aktie des Sensorenspezialisten geht es seit genau Anfang Mai wieder abwärts. Chip- und Tech-Titel sind wegen des Handelsstreits derzeit besonders unter Druck, wie auch das Schicksal der Erfolgsaktie Logitech zeigt, die in den vergangenen vier Wochen 10,6 Prozent verloren hat. Bei AMS wirken sich die Probleme von Grosskunde Apple aus, der in China weniger iPhones verkauft hat und sich auch noch chinesischen Boykottaufrufen ausgesetzt sieht. Anleger mit Hang zu spekulativen Titeln wissen aber, dass es nur die kleinste gute Nachricht braucht, im die AMS-Aktie wieder nach oben zu schicken. Fasziniert Weiterbeobachten ist demnach erlaubt.

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Massivster Verlierer: Polyphor (-56 Prozent)

Bei Polyphor sah es am 10. Mai nach einem Totalausfall aus. Bei Tests für das wichtigste Präparat Murepavadin gegen Lungenentzündungen wurde bei Patienten ungewöhnlich oft Nierenversagen festgestellt. Die Patientenrekrutierung wurde eingestellt. An der Börse verlor das Unternehmen daraufhin die Hälfte ihres Werts. Statt 38 Franken wie beim Börsengang vor einem Jahr kostet die Aktie nun 12 Franken. Polyphor forscht an anderen Antibiotika weiter und hat dafür vergangene Woche auch neue Fördergelder zugesprochen bekommen. Der Aktienkurs dürfte aber sehr volatil bleiben.