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Krisenwährung
Ist Gold noch ein sicherer Hafen?

Gold
Gold: Galt in Krisenzeiten immer als sichere Anlage.Quelle: Getty Images

Anleger hätten genügend Gründe, wieder mehr in Gold zu investieren. Doch Nachfrage und Preis fallen. Das hat mehrere Ursachen.

Veröffentlicht am 24.08.2018

An Risiken weltweit mangelt es nicht. Genug Gründe eigentlich für Anleger, verstärkt in Gold zu investieren. Doch die Nachfrage ist mässig und der Preis des Edelmetalls fällt. Das hat mehrere Ursachen.

Liebhaber von Gold werden in diesen Tagen nicht so recht glücklich mit ihrer bevorzugten Geldanlage. Denn das als «Krisenwährung» und «Stabilitätsanker» bekannte Edelmetall steckt selbst in der Krise. Ob Absturz der türkischen Lira, politische Turbulenzen in Italien, Handelskonflikte, der Streit ums iranische Atomprogramm, die Nordkorea-Krise, Brexit oder Trump - Gold konnte von alldem kaum profitieren.

Selbst die vielerorts anziehende Teuerung kann Gold, das als Inflationsschutz gilt, nicht puschen. Ist Gold als Fluchtwährung bei Investoren aus der Mode? «Gold wird seinem Ruf als Krisenwährung derzeit nicht gerecht», sagt Carsten Fritsch. Der Experte der deutschen Commerzbank, der sich täglich mit dem Goldpreis beschäftigt, spielt auf die Wertentwicklung in diesem Jahr an.

Diese fällt ernüchternd aus: Trotz zahlreicher Risiken in der Welt ist der Goldpreis seit Jahresanfang um fast zehn Prozent gesunken. Der Rekordwert von 1921 US-Dollar, erreicht im Krisenjahr 2011, ist ausser Reichweite. Zurzeit kostet eine Feinunze (31 Gramm) des Edelmetalls 1190 Dollar. Das sind 40 Prozent weniger als zum Höhepunkt vor sieben Jahren. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Preis nur schleppend zwischen 1100 und 1400 Dollar bewegt.

Dollarstärke verhindert Preisanstieg beim Gold

Experten sind wenig überrascht, dass der Goldpreis trotz der Risiken in der Welt keinen Auftrieb bekommt und sogar sinkt. Ein wichtiger Grund für das schwächelnde Gold sei der Höhenflug des amerikanischen Dollar, sagt etwa Jan Edelmann, Experte von der HSH Nordbank. Der Zusammenhang ist im Grunde simpel: Gold wird international in der amerikanischen Währung gehandelt. Deshalb wird das Edelmetall für viele Nachfrager teurer, wenn der Dollarkurs steigt. Dieser Effekt dämpft die Nachfrage und lässt den Goldpreis fallen.

Doch es sind nicht nur Währungseffekte, die den Goldpreis belasten. Denn Gold und der amerikanische Dollar stehen in einer gewissen Konkurrenz zueinander. Beide gelten als sichere Häfen, die in stürmischen Zeiten angesteuert werden.

Der Dollar ist jedoch ein mächtiger Konkurrent: Volkswirte des britischen Analysehauses Capital Economics zeigen, dass der Goldpreis selbst in Krisenzeiten nur dann zulegen kann, wenn zugleich der Dollar schwächelt. Das bedeutet: Gold wird von vielen Anlegern offenbar nur dann als sicherer Hafen angesteuert, wenn zugleich die Weltreservewährung US-Dollar als Absicherung weniger gefragt ist.

Keine Zinsen auf Goldanlagen

Eng verbunden damit ist ein anderer Belastungsfaktor: das Zinsniveau. Denn so schön Gold auch glänzen mag, es hat einen gravierenden Nachteil gegenüber anderen Finanzanlagen - es wirft keine Zinsen ab. Konkurrenz erwächst Gold hier vor allem durch amerikanische Staatsanleihen. Die werfen nicht nur regelmässig Zinsen ab. «Anleger betrachten Staatsanleihen der USA auch als sicheren Hafen allererster Wahl», sagt Commerzbank-Experte Fritsch. Steigen - wie derzeit in den USA - die Zinsen, fällt der Nachteil der zinslosen Goldanlage stärker ins Gewicht, das Edelmetall wird weniger lukrativ.

Und es gibt weitere Gründe für die Gold-Schwäche. Experte Edelmann verweist etwa auf die Kursschwäche von Währungen vieler aufstrebender Volkswirtschaften. Schwellenländer, nicht zuletzt die krisengeschwächte Türkei, sind grosse Gold-Nachfrager. Geben deren Währungen nach, sinkt auch die Gold-Nachfrage von dort.

Experte Fritsch kann sich zudem vorstellen, dass sich bei Anlegern eine Art «Krisen-Müdigkeit» eingestellt hat: «Man muss sich nur die steigenden Kurse am US-Aktienmarkt vor Augen führen. Von Krisenstimmung kann im Grunde keine Rede sein.» Infolge der Flut an Hiobsbotschaften könnten Anleger schlicht abgestumpft sein - und deshalb weniger Gold kaufen.

(awp/mlo)

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