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Jung und gut verdienend: So gelingt die Vorsorge

Two business people high-five. Job well done.
Wenn man schon gut verdient, aber noch jung ist, sollte man sparen. Quelle: This content is subject to copyright.

Bei bei gut ausgebildeten jungen Erwachsenen steigt der Lohn in den sechsstelligen Bereich. Überlegungen zur Vorsorge sind angebracht.

Von Peter Manhart
am 01.10.2018

Katja haben stereotype, weibliche Berufsbilder nie interessiert. «Ich konnte mir nicht vorstellen, als Floristin zu arbeiten oder in der Kinderbetreuung», meint sie dazu. An einer Fachhochschule hat sie nach dem Gymnasium Wirtschaftsinformatik studiert, heute ist sie IT-Spezialistin in der Buchhaltung eines internationalen Konzerns mit Sitz in Zürich.

Katja verdient mit dreissig bereits 100 000 Franken brutto im Jahr. Damit zählt sie zu den Topverdienerinnen ihres Geschlechts und ihrer Altersklasse: Der Bruttomedianlohn von Frauen in der Schweiz beträgt rund 72 000 Franken. Das heisst: 50 Prozent der werktätigen Frauen verdienen in einer 100-Prozent-Anstellung weniger pro Jahr, 50 Prozent verdienen mehr.

Und noch etwas unterscheidet Katja von vielen ihrer Geschlechtsgenossinnen: Sie will keine Kinder. Sie sorgt sich weniger über das Alleinsein im Alter, sondern ob es ihr gelingt, ihren Lebensstandard nach der Pensionierung aufrechtzuerhalten. «Ich lese ständig davon, dass unsere Vorsorgesysteme erschöpft sind. Und dass wir Jüngeren nicht mit denselben Leistungen rechnen dürfen wie unsere Eltern. Da mache ich mir schon Gedanken.»

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10 Lohnprozente für den Ruhestand

Reto Spring, der Präsident des Finanzplaner-Verbandes der Schweiz FPVS, begrüsst das: «Der wichtigste Schritt ist es, sich überhaupt mit der Altersvorsorge zu befassen und Zusatzversicherungen abzuschliessen, solange man jung und gesund ist. Schliesslich ist Gesundheit unbezahlbar.» Er nennt eine Faustregel: 10 Prozent des Bruttolohnes sollten pro Jahr für die Zeit nach der Pensionierung gespart werden.

Im Fall von Katja sind das zurzeit 10 000 Franken. Dank dem verhältnismässig hohen Lohn und ihrer Lebenssituation rät Spring Katja, jedes Jahr den vollen Betrag in die dritte Säule einzuzahlen. 2018 sind das 6768 Franken. «Damit hat sie bereits zwei Drittel des jährlich empfehlenswerten Sparbetrags geleistet», so der Präsident der Finanzplaner. «Den restlichen Drittel könnte sie je nach Risikoneigung in einen Aktien-ETF-Sparplan einzahlen oder in eine Versicherungslösung.»

Die Einzahlungen in die dritte Säule ergeben aus zwei Gründen Sinn. Erstens sind die einbezahlten Beträge steuerbegünstigt. Je nach Kanton fällt die Ersparnis unterschiedlich hoch aus. Die Bandbreite im Fall eines Bruttolohnes von 100 000 Franken beträgt über den Daumen gepeilt zwischen 1000 und 2000 Franken. In Kantonen mit hohen Grenzsteuersätzen lohnt sich das Säule-3-Sparen besonders. Dort werden die Steuerzahler am meisten entlastet. Zweitens sind die Gelder zweckgebunden. Sie dürfen nur für Wohneigentum, die Selbstständigkeit oder den Wegzug ins Ausland vor Erreichen des Pensionsalters ausbezahlt werden. Für viele Sparer ist das disziplinierend. Könnten sie jederzeit auf die angesparten Gelder zurückgreifen, würden wohl ab und zu auch Konsumausgaben mit Säule-3-Geldern bestritten.

Katja setzt beim Säule-3-Sparen auf eine Fondslösung mit tiefem Aktienanteil. Auch hier unterscheidet sie sich von ihren Alterskolleginnen. Nur die Hälfte der Schweizer zahlen überhaupt in die dritte Säule ein und davon setzt lediglich die Hälfte auf Fondslösungen – Junge und Frauen sind gegenüber Anlageprodukten in der Altersvorsorge noch skeptischer als der Rest der Bevölkerung.

Katjas gleichaltriger Freund Marco, der im Investment Banking arbeitet, versteht den Anlageentscheid seiner Partnerin nicht. Er spart zwar ebenfalls für die dritte Säule: «Aber mit möglichst hohem Aktienanteil. Aufs Sparkonto kommt lediglich ein Notgroschen, ich lege nicht benötigtes Geld in Aktien und Optionen an.»

Hier gibt es wichtige Infos zur Orientierung im Vorsorge-Dschungel

30 Minuten denken wir durchschnittlich über Altersvorsorge nach, eineinhalb Jahre über den Kauf eines neuen Autos. Leicht zu sagen, welche Überlegung wichtiger wäre. Doch Altersvorsorge ist eher individuell. Pauschale, gute Ratschläge gibt es nur wenige. Das schreckt viele vor einer Auseinandersetzung mit dem Thema ab. Wer unsicher ist, kann sich beispielsweise bei uns unter geldberatung@handelszeitung.ch melden. Der kostenlose Dienst steht unseren Abonnenten und deren Angehörigen offen. Erhellendes findet sich auch beim Finanzplaner-Verband unter www.fpvs.ch.

Nicht nur Portfolio diversifizieren

Hier unterläuft Marco ein Denkfehler. Sein Job ist zwar lukrativ – rund 130 000 Franken brutto pro Jahr –, aber weniger sicher als der seiner Freundin. Im dümmsten Fall wird ihm gekündigt und gleichzeitig verlieren seine Investments an Wert, etwa wegen eines Börsencrashs. Wer in Risikobranchen arbeitet, legt sein Geld besser konservativ an und sichert sein Einkommen über eine Erwerbsunfähigkeitsrente ab. Lohnausfälle machen meist auch noch so gute Anlageentscheide nicht wett.

Urs, der zwei Jahre ältere Bruder von Katja, verdient ebenfalls gut. Als Lehrer in der Oberstufe im Kanton Zürich kommt er auf einen Bruttolohn von mehr als 100 000 Franken. Bleibt er dem Beruf treu, darf er sich bis zur Pensionierung auf einen Lohnanstieg auf bis rund 160 000 Franken pro Jahr freuen. Ganz im Gegensatz zu Marco und seiner Schwester hält Urs nichts von Aktien und auch nichts von Obligationen: «Ich spare, auch wenn ich derzeit keine Zinsen auf mein Guthaben kriege.» Doch gerade Urs, mit den sichersten Jobaussichten der drei, könnte es sich leisten, in risikoreichere und schwankungsanfälligere Anlagen zu investieren und so im besten Fall das angesparte Vermögen vervielfachen. Allfällige Verluste kann er durch Lohnanstiege wettmachen oder durch Aussitzen.

Reto Spring erstaunt es nicht, dass Lehrer Urs konservativ anlegt: « Vorsorgen hat viel mit dem Charakter zu tun. Viele schaffen es nicht, über ihren Schatten zu springen.» Es ist aber immer lukrativer, emotionslos zu analysieren, welche Anlagestrategie am besten zum Job und zur allgemeinen Lebenssituation passt – auch wenn sich das möglicherweise zu Beginn etwas seltsam anfühlt.