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Aktienkurse
Pharmatitel gewinnen im Kampf gegen Krebs

Pharma
Medikamente: 2018 wird für die Krebsforschung ein bedeutendes Jahr. Quelle: Getty Images

In keine Krankheit wird so viel Forschungsgeld investiert wie in Krebs. Davon profitieren Aktien wie Merck & Co und Bristol-­Myers Squibb.

Von Carla Palm
am 05.05.2018

Jedes Jahr erkranken weltweit 14 Millionen Menschen an Krebs. Gemäss einer Prognose der Weltgesundheitsorganisation WHO werden es ab 2020 sogar zwanzig Millionen Neuerkrankungen jährlich sein. Dies trotz öffentlicher Aufklärung zur Reduzierung der Krebsrisiken. Die Ursache ist schlicht die ­Alterung der Gesellschaft. Aus Anlegersicht betrachtet bietet diese Entwicklung viele Chancen.

Denn der Markt für Krebsmedikamente übersteigt heute schon ein Volumen von 100 Milliarden Dollar jährlich und dürfte weiterhin deutlich schneller wachsen als das Bruttoinlandprodukt moderner Industriestaaten. Gut 28 Prozent aller Gesundheitsausgaben in den entwickelten Märkten fliessen in die Onkologie, gefolgt von Autoimmunkrankheiten (18 Prozent) und HIV (10 Prozent).

Ältere Medikamente kommen an Grenzen

Trotz der zunehmenden Verbreitung ist jede Krebserkrankung so individuell wie jeder einzelne Mensch. Daher kommen viele ältere Medikamente wie Rituxan oder Herceptin von Roche, die zwar schon als zielgerichtete Therapien gelten, immer mehr an ihre Grenzen. Ihre Wirkung ist teilweise zu unspezifisch und daher gelingt ihnen oft nur die Lebensverlängerung der Patienten um einige Monate. Die Wende brachten jüngste Forschungserkenntnisse aus der Krebsbiologie und den Eigenschaften des menschlichen Immunsystems.

Mit der Entdeckung der sogenannten PD-1- und PD-L1-Antikörper kann das körper­eigene Immunsystem heute schon zielgerichtet dazu gebracht werde, den Krebs zu bekämpfen und seine weitere Ausbreitung im Körper sehr gezielt zu blockieren. Eine neue Ära der Krebstherapie ist damit eingeläutet. Denn die neuen Wirkstoffe ermöglichen den Patienten, langfristig mit ihrem Krebs zu leben. «Diese neuen ­Antikörper können sozusagen das Immunsystem im richtigen Moment an- und wieder ausschalten», erklärt Andy Acker, Pharmaspezialist beim Vermögensver­walter Janus Henderson. Zudem haben sie weitaus weniger Nebenwirkungen als ältere Wirkstoffe, die meist in Begleitung einer Chemotherapie verabreicht werden.

Sehr wirksame Medikamente von BMS und Merck & Co.

Die ersten Unternehmen, die mit diesen zielgerichteten und daher individuell sehr wirksamen Medikamenten vor gut vier Jahren auf den Markt traten, waren Bristol-Myers Squibb (BMS) mit Opdivo und Merck & Co. mit Keytruda. Ausserhalb den USA und Kanada firmiert Merck & co. unter MSD Merck Sharp & Dohme. Opdivo und Keytruda sind mittlerweile gegen gut zehn Krebsarten zugelassen. Darunter so schwierige Indikationen wie Lungenkrebs und fortgeschrittenes Melanom, deren Diagnose vor der Erfindung der neuen Antikörper oft einem Todesurteil gleichkam.

Die Aktienkurse von Merck & Co. und BMS haben sich seitdem vervielfacht. Auch schaffen die Unternehmen es, die Konkurrenz auf Abstand zu halten. Beide sind auch heute noch unbestrittene Marktführer, obwohl ihnen die Konkurrenz auf den Fersen ist. «Von den 10 Milliarden Dollar, die mit PD-1- und PD-L1-Antikörpern heute weltweit umgesetzt werden, entfallen gut 5 Milliarden auf Obdivo und gut 4 Milliarden auf Keytruda», schätzt Andy Acker. Den Rest teilen sich Unternehmen wie Astrazeneca mit Imfinzi und Roche mit Tecentriq, um die nächst grösseren Player zu nennen. Der Grund für die Dominanz von BMS und Merck & Co.: Die Ärzte haben sich schlicht an die ersten beiden Medikamente gewöhnt. Sie auf einen weiteren neuen Wirkstoff dieser Klasse zu setzen, ist nicht einfach, erklärt Acker.

Um die starke Stellung von BMS und Merck & Co. dennoch zu brechen, werden nun in einer zweiten immunonkologischen Welle zahlreiche neue potenzielle Substanzen erwartet, die mit den beiden Wirkstoffen der ersten Welle kombinierbar sind. «2018 wird ein wichtiges Jahr für die Onkologie», schreiben dazu die Analysten von UBS Wealth Management. «Diese Kombinationen sind so was wie der Heilige Gral», meint auch Acker. ­Gemäss einer Berechnung des unabhängigen Datenerhebungsinstituts Evaluate Pharma ist die Zahl der klinischen Stu­dien, die nach Kombinationen mit Keytruda und Obdivo suchen, in den Jahren 2015 bis 2017 auf über 700 gestiegen. Die am meisten untersuchte Indikation ist Lungenkrebs, auf den 16 Prozent der Studien entfallen.
 

Warten auf Pharmakonferenz in Chicago

Von den Analysten mit Spannung erwartet wird daher das nächste grosse Treffen der Pharmakonzerne anlässlich der American Society of Clinical Onco­logy Anfang Juni in Chicago. Hier werden wichtige Studien zu diesen Kombinationen erwartet. Entscheidend wird unter anderem, wie sich Roche mit Tecentriq schlagen wird, und auch die Anleger von Astrazeneca werden auf eine Nervenprobe gestellt.

Das britisch-schwedische Unternehmen musste im vergangenen Jahr ­einige Rückschläge in der Onkologie-Pipeline verkraften. Werden die Erwartungen wieder enttäuscht, könnte erstmals die ­Dividendenrendite des Unternehmens ­gefährdet sein, die seit langem als ein wichtiges Argument für ein Engagement in die Aktien gilt. Anleger gehen hier also eine Wette ein. Wer mit Blick auf die Onkologie mehr auf Sicherheit setzten möchte, investiert in die beiden Marktführer BMS und Merck & Co.


Im Fall von Roche wiederum gibt es viele Baustellen. Wichtige Patente für die Krebsmedikamente Herceptin, Avastin und Rituxan laufen aus und es ist nicht absehbar, ob die neuen Wirkstoffe den Verlust langfristig wettmachen können. Im jüngsten Quartalsbericht war das Ergebnis von Tecentriq unter den Erwartungen.
 

Roche ist gefordert

Im Aktienkurs der Roche-Genussscheine zeigt sich seit Ende letzten Jahres die grosse Unsicherheit der Investoren. Auch beunruhigt, dass erste Schweizer Broker offen erste Warnungen an das ­Roche-Management schicken: «Bei Roche sollten sich Entscheidungsträger endlich Gedanken machen, wie das Ruder herumgerissen werden kann», schreiben die Analysten der Neuen Helvetischen Bank in einem aktuellen Report.

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