Keine Zeit, keine Lust, keine Ahnung - so geht es vielen Sparern bei der Geldanlage. Immer mehr Menschen vertrauen ihr Guthaben deshalb einem Anlage-Roboter an und lassen den Computer die Arbeit machen. Das Vermögen, das die sogenannten «Robo Advisors» verwalten, wird täglich grösser. Auch Banken drängen nun in den Markt, in dem bislang aufstrebende Internetfirmen den Ton angeben.

«Die Idee der Robo Advisors setzt sich langsam beim Sparer durch», sagt Maria Katharina Heiden von der Unternehmensberatung zeb. «Die spannende Frage ist, wann sich Robo Advice in der Breite durchsetzt, wenn die grossen, bekannten Banken einen digitale Vermögensverwalter im Angebot haben.»

Robo-Advisor in der Schweiz

Der Trend für die Anlage-Roboter kommt wie so oft aus den USA. Dort ist das verwaltete Vermögen mit einem dreistelligen Milliarden-Betrag um ein Vielfaches höher als in Deutschland, wo nach Schätzungen der Unternehmensberatung Accenture 2017 die Marke von gerade einmal einer Milliarde Euro geknackt werden dürfte. Im Kern geht es darum, dass Computer-Programme je nach Risikoneigung des Sparers dessen Geld anlegen und nicht ein persönlicher Vermögensberater die Entscheidung trifft.

Auf den deutschen Finanzmarkt drängten die ersten Fintechs aus diesem Bereich vor rund zwei Jahren. In der Schweiz war es schon einige Jahre früher soweit, mehrere sind gefolgt. Vergangenes Jahr erreichte der erste ausländische Robo-Advisor die Schweiz.

Grosse Fonds für den Durchbruch nötig

«Die Fintechs haben für eine enorme Wachstumsdynamik gesorgt», erklärt Accenture-Beraterin Friederike Stradtmann, Expertin für digitale Geschäftsmodelle bei Banken. Aber selbst in den USA, wo Anleger deutlich risikofreudiger seien als in Europa, habe sich das Geschäftsmodell erst etabliert, als grosse Fondsverwalter wie Charles Schwab und Vanguard eigene Anlage-Roboter gestartet hätten.

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«Es geht bei der Geldanlage um Vertrauen und viele Sparer werden sich die Frage stellen, ob sie dem Robo Advisor einer Bank oder eines Fintechs ihr Vermögen anvertrauen», sagt Ralf Heim, Vorstand von der Frankfurter Softwareschmiede Fincite, die digitale Geldanlage-Lösungen für Finanzinstitute entwickelt.

Traditionelle Geldhäuser auf dem Markt

Einer der grössten Anlage-Roboter in Deutschland stammt vom Fintech Scalable Capital, das nach eigenen Angaben täglich um ein bis zwei Millionen Euro wächst und mittlerweile rund 250 Millionen verwaltet. Deutlich kleiner sind die Anbieter Vaamo und Ginmon.

Vonseiten der traditionellen Geldhäuser mischt unter anderem die Commerzbank-Tochter Comdirect mit und ab Sommer will die Deutsche Bank mit einem Roboter auf Kundenfang gehen. Das grösste deutsche Kreditinstitut hat sich vor zwei Jahren auf dem Feld schon einmal versucht, jedoch ohne grossen Erfolg. Mit dem neuen Roboter sollen in zwei Jahren nun mindestens zwei Milliarden Euro verwaltet werden, wie der dafür verantwortliche Manager Jürgen von der Lehr sagt.

Verhalten der Anleger verändert sich nur langsam

Laut einer Studie des Instituts YouGov von November können sich 37 Prozent der Befragten grundsätzlich vorstellen, ihr Geld Anlage-Robotern anzuvertrauen. Allerdings würden sie bislang nur von einem Prozent genutzt. «Das Verhaltensmuster von Anlegern ändert sich nur langsam», so der Deutschlandchef der Fondsgesellschaft Legg Mason, Klaus Dahmann. «Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass die Menschen künftig nur noch per Computer investieren.»

Die Unternehmensberatung Accenture hat bei einer Umfrage in den USA herausgefunden, dass Sparer eine Mischung aus Mensch und Maschine bevorzugen. Schwab bietet daher inzwischen parallel zum Computer-Handel einen persönlichen Ansprechpartner an. Auch Kunden von Betterment, einem der grössten US-Robo-Advisors, können seit diesem Jahr telefonisch um Rat bei der Geldanlage fragen.

Vorteile von geringen Gebühren

Einer der grössten Vorteile der Anlage-Roboter sind – aus Kundensicht – die geringen Gebühren. Bei Scalable Capital zahlen Sparer etwa 0,75 Prozent pro Jahr auf das verwaltete Vermögen. Ein traditioneller Fonds kann dagegen schon einmal das Fünffache kosten. Doch des einen Freud ist des andern Leid: «Die geringen Kosten für Kunden bedeuten auf der anderen Seite geringe Einnahmequellen für die Unternehmen», erklärt Christian Leybold, Partner beim Risikokapitalgeber eVentures.

«Ein Fintech muss mit dem verwalteten Vermögen in den Milliardenbereich kommen, sonst wird es konsolidiert.» Auf längere Sicht werden seiner Ansicht nach von den Fintechs im Robo-Advisor-Bereich daher nur zwei bis drei grössere Anbieter übrig bleiben. Für Banken sei der Einstieg in den Markt deutlich einfacher, da sie geringere Anlauf- und Vertriebskosten hätten.

Ein ehemaliger Manager eines Robo Advisors, der nicht namentlich genannt werden will, räumt ein, dass seine Erwartungen an die Idee deutlich zu hoch gewesen seien: «Geldanlage in der Breite funktioniert in Deutschland nur über den persönlichen Berater. Robo Advisors werden immer ein Nischenprodukt bleiben.

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(reuters/me)