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Negativzinsen
Schweizer Obligationen bringen jetzt wieder Rendite

Schweizer Franken: Der Kauf von Schweizer Staatsanleihen wirft ein winziges Plus ab. Keystone

Es ist das Ende einer absurden Situation: Über zwei Monate mussten Anleger dafür zahlen, um dem Schweizer Staat Geld zu leihen. Heute warfen zehnjährige Bonds erstmals wieder eine winzige Rendite ab.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 10.06.2015

Heute dürfte so mancher Anleger einen Seufzer der Erleichterung ausgestossen haben: Die Gesetze der Finanzmathematik sind wieder gültig. Für zwei Monate hatte es den Anschein, dass in der Finanzwelt die Schwerkraft aufgehoben wurde.

Doch mit der heutigen Auktion von Schweizer Staatsanleihen begann die Rückkehr zur Normalität. Zum ersten Mal seit Anfang April erhielten Anleger für den Kauf von zehnjährigen Obligationen wieder Rendite. Zuvor machten sie Schulden, wenn sie dem Schweizer Staat Geld liehen.

Plus bei deutschen Staatsanleihen

Den Impuls für das Plus gab die Entwicklung bei deutschen Bundespapieren. Zum ersten Mal seit September 2014 stieg am Morgen die Rendite der europaweit richtungweisenden zehnjährigen Bundesanleihen auf über 1 Prozent.

Börsianern zufolge zeigt damit das rund 1 Billion Euro schwere Anleihe-Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) erste Erfolge. «Das wirtschaftliche Umfeld hat sich eindeutig verbessert, und die Angst vor einer für die Konjunktur schädlichen Deflationsspirale schwindet», sagte ein Händler gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Winzige Rendite ist bereits ein Hoffnungszeichen

Die Rendite in Deutschland und der Schweiz gilt Beobachtern heute als ein Zeichen der Hoffnung. Dabei ist sie nach wie vor minimal. Für die zehnjährigen Schweizer Schuldtitel gab es bei der heutigen Auktion 0.248 Prozent, wie Bloomberg berichtete. Als im Januar der Ertrag auf diese Höhe absackte, war das Anlass zu Krisengesprächen.

Die Minimalrendite bedeutet darum nicht, dass die Belastungen durch Negativzinsen Vergangenheit sind. Das zeigt allein die Situation in der Schweiz: Bei Papieren mit kürzer Laufzeit nimmt die Eidgenossenschaft nach wie vor Geld ein. Für dreimonatige Geldmarktpapiere akzeptieren Anleger seit August 2011 eine negative Rendite. Auch für zweijährige Bonds zahlt der Investor.

In Deutschland, Dänemark und Österreich ist die Situation ähnlich. Laut einer Studie der britischen Grossbank RBS waren im April bei einem Drittel aller europäischer Staatspapiere die Renditen negativ. Die Rückkehr zur Normalität braucht darum wohl noch eine Weile.

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