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Musikstreaming
Spotify: Gute Absicht, falscher Zeitpunkt

Daniel Ek, Mitgründer von Spotify
Spotify-Mitgründer Daniel Ek wird heute zum MilliardärQuelle: ZVG

Spotify geht heute an die Börse. Das ungewöhnliche Vorgehen des Musikstreamingdiensts beim IPO könnte zum Modell werden.

Von David Torcasso
am 03.04.2018

Es ist wohl einer der spannendsten Börsengänge des Jahres: Der Musikstreaming-Dienst Spotify wird heute an der New Yorker Börse gelistet – und zwar mit einer Direktplatzierung. Ein ungewöhnlicher Weg: Normalerweise begeht ein Unternehmen einen IPO, um frisches Kapital zu erhalten und sich einem breiten Kreis von Investoren zu öffnen. 

Spotify entschied sich gegen diesen klassischen Börsengang, bei dem Aktien Investoren angeboten werden und abhängig vom Interesse ein Ausgabepreis ermittelt wird. Dadurch spart das schwedische Unternehmen Millionen an Gebühren für Banken und deren Beratung. 

132 Dollar Referenzpreis

Für die Notierungsaufnahme von Spotify hat die New Yorker Börse nun einen Referenzpreis von 132 Dollar festgelegt. Dieser dient als Orientierungsmarke für das Börsendebüt des Musikstreaming-Dienstes am Dienstag. Aber nicht nur der Börsengang ist ungewöhnlich, sondern auch die Ausgangslage der Schweden

Im Vergleich zu anderen Unternehmen muss Spotify nicht bekannt werden bei Investoren. Der Musik- und Hörbuchstreamingdienst verzeichnet weltweit rund 150 Millionen User, 60 Millionen davon zahlen für ein werbefreies Premium-Abonnement rund 13 Franken pro Monat. Auf deutsch: Jeder kennt Spotify. Mit dem Börsengang möchte das 2006 in Schweden gegründete Unternehmen den Gründern und vorherigen Investoren die Möglichkeit geben, ihre Aktien an der Börse zu handeln. Spotify wird mittlerweile mit rund 25 Milliarden Dollar bewertet.

Mitgründer Daniel Ek gibt sich gelassen

Mitgründer Daniel Ek wird mit dem IPO zum Milliardär. Er selbst sieht dem Börsengang gelassen entgegen, wie er am Ostermontag in einem Blogpost an seine Mitarbeiter verlauten liess. «Ich bin stolz auf das, was wir in den letzten zehn Jahren aufgebaut haben. Aber was mir noch wichtiger ist, dass morgen nicht der wichtigste Tag für Spotify wird». Auch wenn man morgen auf einer grösseren Bühne stehe, werde sich nichts daran ändern, «wer wir sind, worum es uns geht oder wie wir arbeiten», schreibt Ek. Deshalb mache man die Dinge ein wenig anders, so der Mitgründer.

Ek versucht die Bedeutung des heutigen Börsengangs herzunterzuspielen, weil er genau weiss, dass der Appetit von Anlegern nach Tech-Aktien zurzeit nicht sehr gross ist, nachdem die grossen Tech-Titel bereits Milliarden an Wert verloren haben. 

Wenn jetzt auch noch die ansonsten normale Vorlaufzeit wegfällt, ist es deutlich schwieriger, das schwedische Startup zu bewerten. Das kann den Verkauf der Anteile der Gründer erschweren. Zudem wird auch der Support seitens der Banken und der Börse für einen solch hochkarätigen Neuling entfallen. Die Champagnerkorken werden nicht knallen, und es fällt auch kein Konfetti vom Börsenhimmel wie etwa beim IPO von Facebook oder Zalando. Deshalb würden die Schweden ein wahres Wunder vollbringen, wenn Spotify heute zur Kursrakete wird. 

Big time für Europa

Einige Investoren behaupten auch, dass das Risiko für die beiden Gründer, die rund 50 Prozent der Aktien halten, zu gross geworden ist. Und dann hängt Spotify noch ein Klotz am Bein: Die Private-Equity-Gesellschaft TPG hält eine Wandelanleihe von rund 500 Millionen Dollar beim Unternehmen Spotify. Bei einer Neuemission hat die Gesellschaft einen Rabatt zugute, der aber bei einer direkten Registrierung nicht zur Geltung kommen würde.

Was auch immer die Beweggründe für ein «Direct Listing» sind, passt der Börsengang zu Spotify und bleibt in einigen Aspekten interessant: Weil es kein Preisbildungsverfahren durch eine Vorplatzierung der Banken gibt, kann die Aktie von allen möglichen Investoren erworben werden, egal wie finanzkräftig diese Investoren sind. Ganz nach dem Sharing-Gedanken des Unternehmens.

Daneben setzt auch die Startup-Community in Europa grosse Hoffnungen auf einen guten Start von Spotify. Schliesslich ist das Musikstreamingunternehmen das wertvollste Startup Europas und hat das Zeug, den «Grossen» aus dem Silicon Valley das Wasser zu reichen. Das hat bisher keines der «Einhörner» aus Europa geschafft. 

Die Unsicherheit über Nachfrage und Angebot von Spotify-Aktien könnte aber eine hohe Volatilität bedeuten – besonders nach dieser Woche, wo die Tech-Aktien so gefallen sind. Wenn aber der heutige Börsengang gut über die Bühne geht, könnte er zu einem Modell für künftige Börsengänge werden. Und die Investmentbanken vor den Kopf stossen. 

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