Die Börse nimmt die Zukunft vorweg. Der Preis einer Aktie orientiert sich damit also an den erwarteten, künftigen Entwicklungen. Bei AT&S allerdings scheinen Anleger nicht sonderlich weit vorauszublicken. Der grösste Leiterplattenhersteller Europas notiert 20 Prozent unter dem Buchwert und ist damit wohl eine der günstigsten Tech-Aktien überhaupt. Doch anders als der hohe Discount gegenüber dem Eigenkapital vermuten lässt, ist das ATX-Mitglied operativ gut aufgestellt und hat exzellente Perspektiven.

Das Kerngeschäft des Konzerns aus Leoben in der Steiermark sind Leiterplatten, wie sie beispielsweise in der Mobilfunkbranche oder bei Autos zum Einsatz kommen. AT&S konnte dabei in den letzten Jahren ganz besonders vom Boom bei Tablets und Smartphones profitieren. So steigerte das Tech-Unternehmen den Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr 2015/16 um 14,4 Prozent auf 762,9 Millionen Euro und erzielte dabei einen Gewinn von 1,44 Euro je Aktie. Zwar kam es im ersten Quartal des laufenden Jahres 2016/17 zu einem Umsatzrückgang von 194,4 auf 178,9 Millionen Euro, doch das war Folge der sich weltweit nun wieder normalisierenden Nachfrage nach Smartphones.

Ein neues Werk bietet enorme Wachstumsphantasie

Der Gewinn hingegen ging deutlich zurück. Aus einem Überschuss von 0,50 Euro je Aktie im Vorjahreszeitraum wurde nun ein Minus von -0,35 Euro. Aber genau darin spiegeln sich die Chancen des Unternehmens wider. Denn AT&S begann vor einigen Jahren mit dem Aufbau eines Werks für IC-Substrate in China für den neuen Kunden Intel, und jetzt schlagen die Anlaufkosten der neuen Fabrik zu Buche. Die Kooperation mit dem weltweit grössten Hersteller von Mikroprozessoren für Computer bietet aber enorme Phantasie.

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Die Produktion in China fährt nun langsam hoch, und so erwartet AT&S trotz der leichten Umsatzdelle im ersten Quartal im Gesamtjahr ein Umsatzwachstum von 10 bis 12 Prozent. Erlöse von 850 Millionen Euro könnten drin sein. Zwar ist in diesem Jahr mit weiteren Anlaufverlusten zu rechnen, doch schon im nächsten Jahr, noch stärker im 2018/19, dürften die IC-Substrate zunehmend in den Gewinn durchschlagen. Bei einem geschätzten Umsatz von etwa 1,0 Milliarden Euro im 2018/19 – also in zwei Jahren – könnte es sein, dass wieder Gewinne von deutlich über 1,0 Euro je Aktie in den Büchern stehen werden. Kurse im Bereich des Buchwerts von über 14 Euro sollten hingegen schon jetzt drin sein.


AT&S AG
ISIN:
AT0000969985
Gewinn je Aktie 17/18e: 0,70 €
KGV 17/18e: 16,5
Dividende 16/17e: 0,25 €/2,2 %
EK je Aktie: 14,64 €
EK-Quote: 42,3 %
KBV: 0,8 
Kurs/Ziel/Stopp: 11,54/16,50/8,20 €

 * Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke, unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) spezialisiert. Seit dem Jahresbeginn erreicht das Musterdepot eine Performance von +13 Prozent, während der DAX stagniert. Seit dem Start im April 2010 steht ein Zuwachs von +259 Prozent (DAX: +63 Prozent).