Gegessen wird immer, und genau deswegen setzen konservative Anleger auf Aktien der Lebensmittelindustrie. Denn die Branche zeigt sich wegen des beständigen Hungers der Bevölkerung vergleichsweise wenig konjunkturabhängig und damit stabil. Viele Börsianer halten den Sektor deswegen aber auch für langweilig. Was ein Fehler ist. Denn Lebensmittel-Werte zählen ganz besonders seit einiger Zeit zu den Top-Performern an der Börse.

So waren unter den 20 performancestärksten Aktien des SPI in den letzten zwölf Monaten gleich drei Lebensmittelwerte: Hochdorf bringt auf Jahressicht ein Kursplus von 50 Prozent, Bell schafft 70 Prozent, und die Emmi-Aktie konnte in den letzten zwölf Monaten sogar um 75 Prozent zulegen. Aber auch auf lange Sicht machen Lebensmittelkonzerne Anleger glücklich. Die drei genannten Nahrungsmittel-Aktien haben sich in den letzten fünf Jahren nämlich verdoppelt und verdreifacht. Der SPI hingegen stagniert auf Sicht von zwölf Monaten, und auch das Plus im Index von 80 Prozent in fünf Jahren ist noch vergleichsweise gering.

Emmi – Profiteurin des Basistrends …

Und da wird schon ein zweites Vorurteil widerlegt. Nahrungsmittelaktien laufen nicht nur stark – die Firmen sind auch operativ alles andere als langweilig. Die Wachstumskurve vieler heimischer Player zeigt steil nach oben. So steigerte der Spezialist für Milchprodukte, Emmi, seinen Umsatz seit 2011 um 18,1 Prozent auf 3,2 Milliarden Franken. Zuwächse kamen dabei vor allem von jenseits der Landesgrenzen. Denn, während der heimische Markt im Zeitraum zwischen 2011 und heute sogar leichte Rückgänge von rund 5 Prozent gebracht hat, stiegen die Erlöse im Ausland um 75 Prozent. Die Auslandsquote kletterte so von 29,8 auf 44,2 Prozent.

Und das globale Umfeld lässt viel erwarten. Die Weltbevölkerung wächst, und der Wohlstand nimmt für immer breitere Bevölkerungsgruppen zu. Damit steigt nicht nur der Nahrungsmittelverbrauch, sondern es werden auch immer mehr höherwertige Lebensmittel wie etwa Milch oder Fleisch nachgefragt. So sieht die internationale Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in einer Schätzung einen jährlichen Anstieg nach Getreide und Reis zwischen 1 und knapp 2 Prozent pro Jahr. Für Milch, Geflügel und Fleisch jeweils hingegen eine jährliche Zunahme von 2 bis 3 Prozent. Bei pflanzlichen Ölen nennen die Experten der Organisation sogar Steigerungsraten von mehr als 3 Prozent pro Jahr.

… und Zukäufe im Ausland

Emmi profitiert aber nicht nur von diesem Basistrend, sondern erreicht ihre Steigerungen im internationalen Geschäft auch durch Zukäufe wie beispielsweise im vergangenen Jahr in den USA und in Kanada. Das bringt nicht nur positive Konsolidierungseffekte, sondern oft auch Synergien. Die jüngste Übernahme in den Staaten brachte beispielsweise bei einzelnen Schweizer Käsemarken Umsatzsteigerungen im Export in die USA von bis zu 16 Prozent. Und Emmi konzentriert sich auf Premium-Produkte. Die bringen höhere Margen, und so konnte der Konzern aus Luzern die Gewinnspanne vor Zinsen und Steuern seit 2011 von 4,8 auf 5,9 Prozent im 2015 steigern. Der Reingewinn kletterte so in diesem Zeitraum weit überproportional im Verhältnis zum Umsatz um 44,8 Prozent auf 120,2 Millionen Franken. Das waren 22.46 Franken je Aktie.

Die Entwicklung in diesem Jahr verläuft ähnlich. Vor allem Einkaufstourismus, aber auch Importdruck und starker Wettbewerb, brachten Emmi am Heimatmarkt zwar einen Umsatzrückgang im ersten Halbjahr von 2,4 Prozent, Steigerungen von 7,5 und 10,2 Prozent gab es aber in Amerika und Europa. Und so kletterte der Umsatz im ersten Semester um 2,0 Prozent auf 1,6 Milliarden Franken. Und wie in den Vorjahren verbesserte sich auch die Gewinnspanne vor Zinsen und Steuern weiter – konkret von 5,4 auf 5,8 Prozent. Das Ergebnis je Aktie machte dadurch erneut einen überproportionalen Sprung von 8.63 auf 11.36 Franken. Im Gesamtjahr könnten 25 Franken drin sein. Nach der starken Kursentwicklung der letzten Zeit, ist die Aktie aber bereits mit einem nicht mehr moderaten 25er-KGV bewertet und der operativen Entwicklung schon vorausgelaufen. Der Titel ist im Moment wohl eher ausgereizt.  

Hochdorf – internationale Expansion bringt die Verdopplung der Auslandsquote

Charttechnisch und fundamental in einem steilen Aufwärtstrend ist auch Hochdorf. Die Aktie des Anbieters von Babynahrung, Milchpulver und hochwertigen Pflanzenölen ist vor wenigen Tagen nach oben ausgebrochen, und die Umsatzzahlen des Konzerns aus Hochdorf im Kanton Luzern zeigen ebenfalls starke Steigerungen. Der Umsatz kletterte zwischen 2011 und 2015 um 59,0 Prozent auf 551,2 Millionen Franken, und der Gewinn stieg dazu im Gleichschritt. Lediglich negative Währungseffekte und eine höhere Steuerquote brachten im vergangenen Jahr einen Rückgang beim Ergebnis von 17.45 auf 11.43 Franken je Aktie.

Wie Emmi setzt Hochdorf auf die internationale Expansion und will bis 2020 zum globalen Nischenplayer im Premiumsegment werden. Immerhin hat sich die Auslandsquote schon zwischen 2011 und 2015 von 33,0 auf 61,8 Prozent verdoppelt. Neben der Expansion ins Ausland steht bei Hochdorf in den nächsten Jahren auch eine Offensive an Produkten mit hoher Wertschöpfung auf der Agenda. Dabei soll unter anderem das margenschwache Milchpulver zunehmend durch gewinnträchtigere Alternativen ersetzt werden. Insgesamt soll die Rentabilität dadurch in den nächsten Jahren deutlich steigen. Die Zahlen zeigen schon 2016 weiter nach oben. Der Umsatz in diesem Jahr soll zwischen 540 und 580 Millionen Franken liegen, die operative Marge von 3,7 auf 4,0 bis 4,2 Prozent klettern. Bei einem geschätzten 15er-KGV im 2016 ist die Aktie trotz der Kursexplosion der letzten Wochen noch nicht zu teuer.

Bell – hohes Nachholpotenzial im Ausland

Mit einem erwarteten 14er-KGV ist mit Bell AG der Kandidat Nummer drei der heimischen Nahrungsmittel-Top-Performer sogar noch einen Tick günstiger. Zwar ist der Fleischverarbeiter beim Umsatz zwischen 2011 und 2015 mit einem Plus von 16 Prozent auf 2,9 Milliarden Franken nicht so schnell vorangekommen wie der Milch- und Babynahrungsspezialist, doch im ersten Halbjahr hat es nun den Konzern aus Basel steil nach oben gezogen. Die Erlöse kletterten in den sechs Monaten um 26,0 Prozent auf 1,7 Milliarden Franken. Grund für den Umsatzsprung ist die Konsolidierung gleich von drei Zukäufen der jüngsten Zeit.

Dadurch ist Bell, vor allem im internationalen Geschäft, – dort sind Frankreich, Polen und Ungarn zusammengefasst – mit einem Umsatzplus von 140 Prozent auf 223 Millionen Franken stark vorangekommen. Der Umsatzanteil von Bell Schweiz fiel im Vergleich zu 2015 so auch stark von 65,7 auf 57,8 Prozent. Dabei konnte die Sektion im ersten Semester den Umsatz sogar um 4,1 Prozent ausbauen. Der noch vergleichsweise hohe Anteil von Bell am heimischen Markt zeigt das hohe Nachholpotenzial, welches das Unternehmen noch im Ausland hat. Trotz der laufenden Integration der drei neuen Töchter steigerte Bell den Gewinn im ersten Halbjahr um 13,4 Prozent auf 9.06 Franken je Aktie. Nachdem der Titel seit März nur seitwärts gelaufen war, brachten nun der Sprung über den Widerstand und das bisherige Allzeithoch von 400 Franken neue Dynamik in den Kurs. Angesichts der günstigen Bewertung und der Synergiemöglichkeiten aus den Zukäufen marschiert die Aktie jetzt möglicherweise rasch in Richtung 500 Franken.

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