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Chinesische Immobilien – keine platzende Blase

Chinesische Immobilien – keine platzende Blase
Arbeiter vor Poster: Der chinesische Immobilienmarkt steht im Fokus. Keystone

Diskussionen über ein Platzen der chinesischen Immobilienblase halten an – sollten sich dahingehende Massnahmen in Lower-Tier-Städten abzeichnen, lohnt ein wachsames Auge für Kaufgelegenheiten.

Von André Bantli*
2016-11-24

Jüngste Statistiken deuteten darauf hin, dass die Immobilienpreise in China weiter gestiegen sind. Bedenken hinsichtlich langfristiger Erschwinglichkeit, Abschöpfung von Liquidität aus der Realwirtschaft sowie wachsender Bedrohung von Spekulationsgeschäften in Top-Tier-Städten mehren sich. Der chinesische Imobilienmarkt steht erneut im Rampenlicht – denn es macht sich Besorgnis über einen möglichen Kollaps der Investitions- und Rohstoffnachfrage breit ebenso wie zunehmende Risiken einer harten Landung.

Zweifelsfrei steht der Immobiliensektor in China vor zahlreichen Herausforderungen. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass die gezielte Verknappung kurzfristig eine grosse Bedrohung für das Wachstum darstellen und der chinesischen Wirtschaft so den Rest geben könnte. Denn Immobilienmärkte in den betroffenen Städten tragen mit einem überschaubaren Anteil im niedrigen einstelligen Bereich zu den Gesamtinvestments und der Rohstoffnachfrage bei. Rohstoffpreise indes werde stärker durch Kapazitätskürzungen auf der Angebots- als durch leichte Veränderungen auf der Nachfrageseite getrieben.

Grosse Herausforderungen – überschaubare Auswirkungen auf Wachstum

Ein landesweiter Immobilienmarkt-Crash ist daher unwahrscheinlich. Politiker halten es durch die aktuelle Wirtschaftsdynamik machbar, Bautätigkeiten und neue Angebote in den Lower-Tier-Städten weiter einzuschränken. Mit dem Ziel vor Augen, die Bestandsreduktion zu beschleunigen wird dies etwa via Drosselung von Grundstücksverkäufen oder Beschränkung der Finanzierung für Immobilienentwickler im Bereich Lower-Tier-Städten durchgeführt.

Die Angst vor dem «Platzen der Immobilienblase» beiseitegeschoben, wäre es vielversprechend zu beobachten, ob möglicherweise einen gravierender als erwarteter Abschwung der Fertigungsinvestitionen eintritt – sie stellt einen grösseren Anteil an den Gesamtinvestitionen dar. Die Regierung plant, privatwirtschaftliche Erträge durch Kostensenkungen für Unternehmen der Realwirtschaft – wie steuerliche Entlastungen und Reduzierung von Finanzierungs-, Energie- und Logistikkosten – zu verbessern. Wenngleich neue Investitionen in den sogenannten Überkapazitätssektoren weiterhin eingeschränkt und Umweltstandards nicht gelockert werden, kann die Senkung der Kosten schrittweise dazu beitragen, die privaten Fertigungsinvestitionen im Laufe der Zeit zu steigern, um die Bremswirkung auf das Wachstum zu mindern.

Investitionen in Immobilienaktien: nach wie vor attraktiv?

Grosse Immobilienentwickler dürfte der Gegenwind der Immobilienpolitik negativ treffen. Vor uns liegt wohl eine holprige Strasse für Anlagerenditen. Eine mögliche Strategie könnte darin bestehen, den chinesischen Immobiliensektor derzeit nicht überzugewichten, sondern im Falle weiterer Anzeichen unterstützender Massnahmen in Lower-Tier-Städten (bisher noch nicht eingepreist) oder der Angst am Markt vor einem Preisverfall bei Rohstoffen, wachsam nach Kaufgelegenheiten Ausschau zu halten.

*André Bantli, Head Funds bei BlackRock Schweiz

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