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Obligationen
Gazprom-Bonds: Die Abstufung – eine gute Chance für Anleger

Gazprom: Die Abstufung der Bonität bescherte den Obligationen des Versorgers Kursrückgänge. Keystone

Seit der Ukraine-Krise wird auf Russland rumgehackt. Es gibt Kontosperrungen, Sanktionen, Abstufungen der Bonität – aktuell bei Gazprom. Für manche ist das überzogen. Bei Bonds winken hohe Renditen.

Von Georg Pröbstl
am 19.02.2015

Die Stimmung ist schlecht. So schlecht, dass US-Ratingagenturen die Bonität russischer Unternehmen zunehmend zurückstufen. Anfang des Jahres beispielsweise war das bei Gazprom der Fall. Die grosse Rating-Agentur Standard & Poor's hat den russischen Energiekonzern zwischen 2006 und 2013 auf BBB gehalten, was «lower medium grade» bedeutet und einer durchschnittlich guten Anlage entspricht, 2014 hat es die erste Abstufung von Gazprom auf BBB- gegeben und vor wenigen Wochen, Anfang Februar, ist es zum nächsten Bonitätsschwung gekommen.

Standard & Poor's gibt dem Versorger aus Moskau nur noch ein BB+. Das scheint zwar auf den ersten Blick nur ein kleiner Schritt zu sein, doch für viele institutionelle Investoren bedeutet es einen gewaltigen Unterschied. Dies, weil BB+  als «non investment grade» mit einer spekulativen Anlage gleichzusetzen ist. «Investment grade» bis BBB- und «non investment grade» ab BB+ markieren die Grenze: Bei darüber hinausgehenden «grades» können viele institutionelle Anleger wie etwa Pensionsfonds oder Versicherer investieren, darunter eben nicht. Zu hoch scheint dort das Ausfallrisiko zu sein.

Abstufung – die Kurse fallen

Für die Obligationen von Gazprom hatte die Abstufung Folgen: Die Kurse der Bonds des Unternehmens rutschten innert weniger Tage nicht selten um 10 bis 20 Prozent nach unten. Denn viele institutionelle Investoren mussten nach der Abstufung des Unternehmens unter «investment grade» ihre Gazprom-Positionen verkaufen.

Und andererseits verlangen Investoren, die noch dabei sind oder einsteigen, einen höheren Risikoaufschlag für das infolge Abstufung erhöhte ausgewiesene Risiko. Dabei besteht bei Festverzinslichen ein Zusammenhang zwischen Kurs und Rendite: Die effektive Rendite von Obligationen steht in Bezug zum fixen jährlichen Nominalzins – zum Coupon, bezogen auf einen Anleihekurs von 100 –, zum aktuellen Kurs der Obligation und zur Restlaufzeit des Bonds.

Schlechtere Bonität – jetzt sind hohe Renditen drin

Angenommen, ein Bond notiert bei 95 Prozent, hat einen Coupon von 5 Prozent und eine Restlaufzeit von einem Jahr. Dann beträgt die effektive Rendite dieser Obligation rund 10,5 Prozent pro Jahr, denn ein Coupon von 5 Prozent entspricht bei einem Kurs von 95 bereits einer Rendite von rund 5,3 Prozent (=5/95). Und da der Bond nach einem Jahr zu 100 zurückgezahlt wird, kommen weitere knapp 5,3 Prozent Kursgewinn hinzu (=100/95).

Durch die Abstufung und den Kursrutsch wird Gazprom jetzt aber für Anleger hochinteressant. Denn über das vermeintlich gestiegene Risiko beim Gasgiganten kann man geteilter Meinung sein. Guan Jianzhong, der Chef der chinesischen Ratingagentur Dagong, hält den Entscheid der US-Agentur für politisch motiviert. Der Experte sieht keine fundamentalen Gründe für den Schritt. Entsprechend hält Dagong an seinem Rating für Gazprom fest: Die Chinesen geben die bestmögliche Note AAA und bleiben damit bei der wichtigen Einstufung als «investment grade».

Rückstufung – politisch motiviert?

Immerhin könnte Jianzhong mit seiner Einschätzung der politisch motivierten Abstufung vielleicht sogar etwas Recht haben. Es scheint tatsächlich einen Trend zu geben, Russland kleinzureden. US-Präsident Barack Obama nannte das Land vor einiger Zeit eine Regionalmacht, und viele Wirtschaftsexperten sehen Russland nicht als Weltmacht. Eine Definition, über die sich streiten lässt. Russische Staatsfonds und Währungsreserven liegen im Bereich von 500 bis 1000 Milliarden Dollar – das ist annähernd die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung des Landes. Die Staatsverschuldung beträgt etwa 10 Prozent.

Russland ist das grösste Land der Welt und verfügt über eine hochentwickelte Technologie im Bereich Luft- und Raumfahrt, Militär und Atomenergie. Auch IT-Experten gibt es zuhauf in diesem Land. Zudem ist das Bildungsniveau in vielen Metropolen wie Moskau mit seinen 11,5 Millionen Einwohnern und einem Pro-Kopf-Einkommen der Moskauer von etwa 25'000 Dollar pro Jahr – das ist in etwa das Einkommensniveau Spaniens – vergleichsweise hoch. Vor allem aber: Schätzungen zufolge befinden sich weltweit gesehen 40 Prozent aller Rohstoffvorkommen in Russland.  

Ausfallrisiko: Möglicherweise gering

Die Abstufung durch Standard & Poor's impliziert ein gestiegenes Risiko für einen Zahlungsausfall. Einen solchen sieht aber nicht nur Experte Jianzhong eher nicht. «Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der weltweit grösste Gasproduzent seine Anleihen nicht bedienen kann, zumal die Produktionskosten fast vollständig in Rubel anfallen», sagt beispielsweise auch Peter E. Huber, Chef der Investmentgesellschaft Starcapital.

Von dieser Situation der möglicherweise fundamental nicht begründeten Abstufung können Anleger profitieren. Denn nach dem Kursverfall von Gazprom gibt es eine Reihe von Obligationen des Unternehmens (ISIN: CH0226274261, Laufzeit 25.10.19, Rendite 7,9 Prozent, Währung: CHF) mit hohen Renditen. Da auch Gazprombank ein schlechteres Rating bekommen hat, sind auch dort nach einem Kursverfall der Obligation (ISIN: CH0222948710, Laufzeit 9.12.16), die ebenfalls in Schweizer Franken notiert, 10,7 Prozent Rendite bis zur Fälligkeit drin. Bessert sich aber die Stimmung, kassieren Anleger bei den Papieren möglicherweise schon vor dem Auslaufen schnelle Kursgewinne. Die genannte Anleihe von Gaz Capital beispielsweise steht jetzt bei 81 Prozent, im November hat der Kurs noch bei knapp 100 Prozent gelegen. Ein Kurssprung auf das alte Niveau verspricht rund 25 Prozent Gewinn.  

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