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Start in die Berichtssaison – wie es in den USA jetzt weitergeht

IBM: Anleger spekulieren auf starke Quartalszahlen des IT-Konzerns.Keystone

Die Wall Street ist seit langem in Feierlaune. In der anstehenden Berichtssaison wird sich zeigen, ob die Unternehmen den Erwartungen gerecht werden können. Die Schätzungen sind nach unten gepurzelt.

Von Christian Ingerl
am 08.01.2015

Traditionell eröffnet der weltweit grösste Aluminiumkonzern Alcoa die Berichtssaison in den USA. Nach der Schlussglocke an der Wall Street am 12. Januar wird das Unternehmen, das als Gradmesser für die Verfassung der US-Wirtschaft gilt, seine Bücher offenlegen. Die Spannung ist gross, denn die Vorboten zeigen ein gemischtes Bild.

Zwar wurde das BIP-Wachstum Ende Dezember für das dritte Quartal auf beachtliche 5,0 Prozent nach oben revidiert, was dem S&P 500 ein neues Rekordhoch bescherte, doch mahnen die jüngst veröffentlichten Konjunkturdaten wieder etwas zur Vorsicht. So hat sich die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe im Dezember stärker eingetrübt als erwartet worden ist. Der Indikator hat deutlich von 58,7 auf 55,5 Punkte nachgegeben. Gleiches gilt für den Dienstleistungssektor. Der Einkaufsmanagerindex ist um 3,1 Punkte auf 56,2 Zähler gefallen und ist damit auf den tiefsten Stand seit Juni 2014 gerutscht. Der ISM-Index gilt als zuverlässiger Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität in den USA.

Analysten korrigieren die Prognosen nach unten

Auch aus den Unternehmen kam es im Vorfeld der Quartalssaison zu einer kalten Dusche. So enttäuschte der US-Halbleiterkonzern Micron mit seiner Umsatzprognose. Für das aktuelle Geschäftsquartal erwartet Konzernchef Mark Durcan Erlöse von 4,1 bis 4,3 Milliarden Dollar. Analysten waren bislang im Schnitt von 4,5 Milliarden ausgegangen. Allerdings ist dies nicht einem schwachen Markt geschuldet, sondern einer geringeren Fertigung von DRAM-Speicherchips durch eine Nachrüstung der Produktionstechnologie.

So oder so haben sich die Analysten in den vergangenen Monaten bereits auf eine Wachstumsverlangsamung bei den Unternehmen eingestellt. Nach einer Auswertung von Factset passte ein Fünftel der Konzerne im S&P 500 im vierten Quartal seine Prognosen nach unten an. Folglich wird im aktuellen Konsens nur noch eine durchschnittliche Gewinnwachstumsrate von 2,6 Prozent erwartet – dies wäre der geringste Anstieg im 2014. Ende September wurde noch mit einer Verbesserung von 8,4 Prozent gerechnet. Die Gründe für die langsamere Gangart sind vielschichtig.

Mehr Vorsicht bei Energie, Telekom und Gesundheit 

Ein starker Dollar, konjunkturelle Schwäche in Europa und China sowie ein kollabierender Ölpreis. Angesichts des zuletzt genannten Belastungsfaktors wundert es nicht, dass dem Energiesektor in der Berichtssaison am wenigstens zugetraut wird. Die Analysten gehen von einer Gewinnreduktion um 17 Prozent aus. Hingegen sehen die Experten die Telekom-Branche mit der höchsten Steigerungsrate von 27,7 Prozent im Aufwind. Der Gesundheitssektor rangiert auf Platz zwei mit einem Plus von 16,8 Prozent.

Die Gewinnrevisionen betreffen aber nicht nur das vierte Quartal, die erschwerten Rahmenbedingungen drücken auch den Ausblick für 2015. Für die ersten beiden Quartale rechnen die Analysten derzeit mit einem Gewinnwachstum der Unternehmen von 4,5 und 5,7 Prozent. Diese liegen weit unter den geschätzten 9,7 und 10,5 Prozent vom 30. September. Auch die erwarteten Umsatzsteigerungen wurden auf 1,4 respektive 1,0 Prozent zurückgeschraubt.

Steigende Gewinnspanne

Auf der anderen Seite sagen die Experten den Unternehmen aber steigende Nettomargen voraus. Diese sollen im ersten Quartal auf 10,2 und im zweiten Quartal auf 10,6 zulegen. Zum Vergleich: Für das Schlussviertel 2014 wird eine Gewinnspanne von 10,1 Prozent prognostiziert. Auch die durchschnittliche Ergebnismarge in den vergangenen vier Jahren liegt mit von 9,4 Prozent darunter.

Somit wird möglicherweise schon in wenigen Tagen bei der Präsentation der Alcoa-Zahlen eine wichtige Weiche gestellt werden und es wird sich zeigen, ob der breite US-Aktienmarkt mit dem S&P 500 seine Rekordfahrt auch im 2015 fortsetzen wird. Immerhin weist das US-Leitbarometer seit 2009 Jahr für Jahr eine positive Performance aus, die höchste im 2013 mit einem Anstieg von knapp einem Drittel. Im vergangenen Jahr kletterte der S&P 500 um 13,7 Prozent.

Apple (ISIN US0378331005)

Am 26. Januar wird der Kultkonzern Apple seine Zahlen präsentieren. Dieses Ereignis verspricht eine doppelte Spannung. Zum einen wird sich zeigen, wie gut das neue iPhone 6 beim hart umkämpften Smartphone-Markt ankommt, zum anderen erwartet die Fan-Gemeinde neue Hinweise zur Apple Watch. Die Uhr soll im Frühling auf den Markt kommen. Die Apple-Aktie konnte sich bei der jüngsten Marktkorrektur klar über der 100-Dollar-Marke halten.

Gilead Sciences (ISIN US3755581036)

Den höchsten Einfluss auf die Gewinnentwicklung im S&P 500 hat der Gesundheitssektor. Ohne die Healthcare-Konzerne würde das Wachstum im Index nur 0,9 Prozent betragen. Den Löwenanteil in diesem Sektor steuert der Biotech-Konzern Gilead Sciences bei. Das Unternehmen bringt es auf einen Börsenwert von über 150 Milliarden Dollar. Die durchschnittliche EPS-Schätzung liegt bei 2,28 Dollar. Im Vorjahr waren es nur 0,55 Dollar. Am 2. Februar wird Gilead die Zahlen vorlegen.

IBM (ISIN US4592001014)  

Als Highlight in der anstehenden Berichtssaison könnten sich die Zahlen von IBM entpuppen (20. Januar). Der Grosskonzern ist nach einer strategischen Neuausrichtung, mit Fokus auf neue Technologien wie Cloud Services, Datenanalyse und Vernetzung auf Wachstumskurs. Legt der Blue Chip einen guten Bericht vor, könnte die Aktie durchstarten. Laut J.-Safra-Sarasin-Analyst Oskar Schenker ist die Bewertung von IBM auf einem historisch tiefen Niveau.

Source S&P 500 ETF (ISIN IE00B3YCGJ38)

Der S&P 500 kämpft derzeit mit der 2000er-Marke. Sein Rekordhoch markierte der Index im Dezember 2014 bei 2093 Punkten. Mit dem ETF von Source auf den S&P 500 können positiv gestimmte Anleger eins zu eins am Kursverlauf teilnehmen. Der Fonds kommt mit einer Verwaltungsgebühr von minimalen 0,05 Prozent aus.

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