Anleger, denen Sicherheit vor Rendite geht, haben zunehmend Mühe, geeignete Investitionsobjekte zu finden. Insbesondere Obligationen, in der Theorie die Anlage der Wahl für Sicherheitsorientierte, bieten kaum noch Renditen.

Bundesobligationen der Eidgenossenschaft mit einer Laufzeit von zehn Jahren stehen längst unter Wasser und rentieren aktuell mit minus 0,45 Prozent. Auch zehnjährige Pfandbriefe rentieren in der Nähe der Nulllinie. Ein Blick zu den europäischen Nachbarn zeigt ein ähnlich trübes Bild. Auch die Renditen von zehnjährigen Obligationen der Euro-Staaten liegen nur knapp über Null, dazu kommt das Risiko von Wechselkursschwankungen.

1,6 Prozent Rendite möglich

Den einzigen Lichtblick bieten die USA: Hier lagen die Renditen zehnjähriger Staatstitel Ende September bei rund 1,6 Prozent. «Diese Renditen sind aber nur realisierbar, wenn man das Währungsrisiko erträgt», warnt Tobias Frei, Portfoliomanager beim Obligationen-Spezialisten Bantleon. Eine vollständige Absicherung gegen etwaige Währungsschwankungen des US-Dollars gegenüber dem Schweizer Franken kostet derzeit etwa 1,9 Prozent pro Jahr. So ist also auch mit US-Dollar-Staatstiteln für sicherheitsorientiere Schweizer nichts zu holen.

Es sei denn, man geht gleichzeitig eine Währungsspekulation ein – oder zeichnet Unternehmensschulden: Diese bieten derzeit nach Bantleon-Analysen tatsächlich die höchste Verfallsrendite im Vergleichsfeld. Selbst nach Währungsabsicherung sind mit US-Industrie-Obligationen über alle Laufzeiten hinweg momentan im Schnitt 1,6 Prozent Rendite drin.

Defensive Anlagestrategie

Wer das toppen will, muss schon zu Obligationen auf Ramschniveau greifen oder zu Hochzinstiteln aus Schwellenländern. «Während die Renditen bei europäischen Staats- und Unternehmensanleihen historisch niedrig und teilweise sogar negativ sind, bietet der Markt für US-Unternehmensanleihen dringend benötigtes Renditepotenzial», bestätigt Mark Kiesel, Unternehmensanleihen-Spezialist bei Pimco, einem der weltgrössten  Obligationen-Investmenthäuser.

Die Zürcher Kantonalbank mit ihrer Fondsgesellschaft Swisscanto rät angesichts der bevorstehenden US-Präsidentschaftswahl zu einer defensiven Anlagestrategie. Auch hier hält man aber US-Obligationen für deutlich attraktiver als schweizerische oder europäische Schuldtitel. «Der Grund ist zum einen die positive Renditedifferenz bei gleichzeig leicht erstarkendem US-Dollar», heisst es in einer aktuellen Analyse der Bank. Zum anderen sei eine Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed, die die Renditen belasten würde, nicht vor Dezember zu erwarten.

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Auf Währungsabsicherung verzichten

Zinsjäger mit einer spekulativen Ader könnten beim Obligationen-Kauf auch bewusst auf eine Währungsabsicherung verzichten. Lokalwährungsanleihen sind mithin immer auch Währungsspekulationen, und unterbewertete Devisen können zusätzliche Renditen verschaffen. Wen allerdings auf einen Aufschwung beim US-Dollar setzt, braucht schon besonders viel Mut. Die Währung gilt derzeit als eine der stärksten – manche sagen auch am stärksten überbewerteten – weltweit, und eine Abschwächung würde der globalen Wirtschaft nützen. Das weiss auch die Fed, die ihrerseits auf eine Dollar-Schwächung hinsteuern dürfte, zumal sich das Land in einem Abwertungswettbewerb mit anderen Staaten befindet.

Das Szenario dazu sieht so aus: Wenn sich die Konjunkturaussichten weltweit abschwächen, würde vermutlich vielfach eine inflationäre Geldpolitik gewählt, die tendenziell einen Aufwertungsruck auf den US-Dollar ausübt. Das wiederum ist nicht im Interesse der Fed, die gegensteuern könnte. Schon dieses kleine Gedankenspiel zeigt, wie kompliziert Währungsspekulationen sind. Wenn sie aufgehen, sind die Gewinne allerdings oft deutlich höher als die nominellen Zinscoupons.