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Börseninterview
«UBS und CS haben ein Wachstumsproblem»

Swiss bank UBS CEO Sergio P. Ermotti speaks during a panel session during the 49th Annual Meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, Thursday, January 24, 2019. The meeting brings together entrepreneurs, scientists, corporate and political leaders in Davos under the topic "Globalization 4.0" from 22 - 25 January 2019. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

UBS-Chef Sergio Ermotti: Der Kurs der UBS ist seit Jahresanfang deutlich gesunken.

Quelle: Keystone

Experte Mario Geniale erklärt die Gründe für die tiefen Kurse der Grossbanken – und er spricht Klartext zur Veggie-Burger-Firma Beyond Meat.

Von Marc Bürgi
am 15.06.2019

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Die Börsen befinden sich im wilden Kreuzfeuer der Kommentare des US-Präsidenten Donald Trump. Diese erhöhen die Planungsunsicherheiten für Investitionen und erschweren es insbesondere kleineren Unternehmen, die erwarteten Umsatz- und Gewinnaussichten zu halten. Zusätzlich übt Trump Druck auf die US-Zentralbank aus, die Zinsen zu senken. Er untergräbt damit die Unabhängigkeit der Geldpolitik. 

 

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Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Die grossen drei Schweizer Unternehmen Nestlé, Novartis, und Roche geben dank der hohen Marktkapitalisierung den Ton an. Sie haben ihren Fokus für die Zukunft geschärft und verfügen über eine hohe Bilanzqualität. So stützen sie in Zeiten unvorhersehbarer Handelsstreit-Rhetorik die Börse. Zusätzlich markiert der SMI bei 9850 neue Allzeithochs und die Kauflust scheint ungebrochen. Demgegenüber gehen wir für die Sommermonate von einer leichten Konsolidierung aus.

MarioGenialeCICBoerseninterview

*Mario Geniale ist als Chief Investment Officer verantwortlich für die Anlagepolitik der Bank CIC. Der diplomierte Vermögensverwalter und Finanzexperte verfügt über langjährige Erfahrung im Portfolio Management und Advisory.

Quelle: Pablo Wunsch Blanco

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Trotz hoher Bewertung des Schweizer Aktienmarktes mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20, sind das Allzeithoch und die stabilen Umsatzaussichten der grossen drei Schweizer Unternehmen Nestlé, Novartis und Roche eine starke Unterstützung. Zugleich tendieren Investoren dazu, Aktien von Unternehmen zu kaufen, die sie kennen. Dies verstärkt Trends und kann dem SMI Aufwind bis 10'500 Punkte geben.

An der Börse öffnet sich eine Schere zwischen den Schweizer Grossbanken: Die UBS ist seit Jahresstart auf Sinkflug, die Credit Suisse im Aufwärtstrend. Wie erklären Sie sich die unterschiedliche Entwicklung?
Beide Schweizer Grossbanken haben grundsätzlich ein Wachstumsproblem. Bei der UBS wird über die nächsten zwei Jahre eine Gewinnstagnation erwartet, deshalb notiert der Aktienkurs in diesem Jahr praktisch unverändert. Die Titel werden allerdings durch die hohe Dividendenrendite von 6 Prozent gestützt. Die Credit Suisse profitiert von den Restrukturierungen der letzten Jahre und wird die Gewinne bis 2020 verdoppeln können. Dies und die Aussicht auf eine höhere Dividendenausschüttung führte zur Outperformance der CS-Aktie gegenüber UBS. Dieser Trend dürfte allerdings nicht nachhaltig sein.

Ende Juni wird das G20-Treffen stattfinden. Könnte das Aufeinandertreffen von US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping zu einer Entspannung im Handelskonflikt führen?
Ja, dies ist sogar sehr wahrscheinlich. Nach dem letzten Treffen von Trump und Xi am G20-Gipfel Ende November 2018 wurden die angedrohten Zollerhöhungen für 90 Tage ausgesetzt, um mehr Zeit für die Verhandlungen zu haben. Da beide Seiten eine baldige Einigung erzielen müssen – in den USA finden nächstes Jahr Präsidentschaftswahlen statt und in China muss eine weitere Abschwächung der Wirtschaft vermieden werden – darf am G20-Gipfel mit Fortschritten im Handelskonflikt gerechnet werden. 

Das Beratungsunternehmen EY hat die hundert grössten Unternehmen untersucht. Laut der Analyse sind Schweizer und andere europäische Unternehmen international im Hintertreffen: US-amerikanische und asiatische Unternehmen wachsen demnach im Durchschnitt schneller und sind profitabler. Wie erklären Sie sich die Unterschiede?
Im Vergleich zu den USA sind europäische Firmen hauptsächlich in «alten» Wirtschaftsbereichen tätig wie Basiskonsumgüter (20 Prozent), Gesundheitsversorgung (20 Prozent), Finanzen (18 Prozent) und Energie (11 Prozent). In den USA hingegen dominieren die Sektoren Technologie (21 Prozent), Gesundheitsversorgung (14 Prozent), Finanzen (13 Prozent) und Kommunikation (10 Prozent). Viele europäische Unternehmen sind zwar erstklassig, befinden sich jedoch in einer gesättigten Branche mit geringem Wachstumspotenzial. Asiatische Unternehmen profitieren davon, dass die Wirtschaft in ihrer Region seit Jahrzehnten rund dreimal schneller wächst als in Europa. Eine Trendumkehr ist nicht absehbar. Europäische Unternehmen werden auch in Zukunft weniger Wachstum aufweisen als amerikanische oder asiatische.

Veggie-Burger-Konzern Beyond Meat ist an der Börse furios gestartet. Für wie nachhaltig halten Sie die hohe Bewertung des US-Fleischersatzanbieters?
Beyond Meat debütierte am 1. Mai zum Kurs von 25 Dollar an der Börse, sechs Wochen später notiert die Aktie bereits fünfmal höher. Die Marktkapitalisierung beträgt mehr als 7,5 Milliarden Dollar, dies entspricht dem 27-fachen des geschätzten Umsatzes von 2020. Im ersten Quartal 2019 erwirtschaftete Beyond Meat einen Umsatz von 40 Millionen Dollar bei einem Verlust von 2 Millionen Dollar. Der stark steigende Umsatz bei fleischlosen Burgern ruft mächtige Konkurrenten wie beispielsweise Nestlé auf den Plan, was unweigerlich zu einem Margenrückgang führen wird.

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