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Was Sie über Bitcoin wissen müssen

Virtueller Geldbeutel: Ob sich Bitcoins langfristig durchsetzen, ist noch ungewiss. (Bild: Keystone)

Alle sprechen davon, doch so richtig versteht kaum einer den neuen Trend: Die virtuelle Währung Bitcoin ist vielen bislang noch unbekannt. Handelszeitung.ch gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Von Mathias Ohanian
am 25.11.2013

Was ist Bitcoin überhaupt?
Bitcoin (Kürzel: BTC) ist eine elektronische Währung. Sie existiert nur als Zahl, die einer Bitcoin-Adresse zugeordnet ist. Einen Bitcoin gibt es nicht als materiellen Gegenstand.

Wie werden Bitcoins hergestellt?
Im konventionellen Finanzsystem emittieren Zentralbanken Basisgeld, Geschäftsbanken schöpfen zudem über Kredite Buchgeld. Bitcoins werden dezentral mithilfe von Computerprogrammen erstellt und können im Grunde von jeder Person zuhause produziert werden. Um Bitcoins zu generieren, müssen komplizierte mathematische Aufgaben gelöst werden. Hohe Rechneranforderungen und Stromkosten machen die Bitcoin-Geldschöpfung (das sogenannte «Mining») für Einzelkämpfer jedoch immer unattraktiver –  die benötigte Zeit zur Anfertigung eines neuen Bitcoins wächst stetig. Miner schliessen sich deshalb in Netzwerken zusammen. Etwa alle zehn Minuten wird rund um den Globus eine Rechenaufgabe gelöst, was mit 25 Bitcoins belohnt wird. Alle vier Jahre halbiert sich die Belohnung: Ab 2016 gibt es nur noch 12,5 Bitcoins für jede gelöste Rechenaufgabe, von 2009 bis 2012 waren es 50.

Wie viele Bitcoins gibt es?
Mit diesem Mechanismus nähert sich die Zahl der umlaufenden Bitcoins ihrer maximalen Anzahl von rund 21 Millionen an. Bereits 2030 dürfte es demnach etwa 20 Millionen Bitcoins geben, der endgültige Stand von 21 Millionen sollte aber erst um das Jahr 2140 erreicht werden. Heute sind knapp 12 Millionen Münzen im Umlauf.

Wer hat den Bitcoin erfunden?
Um den Urheber des Bitcoins ranken sich Mythen. Ein gewisser Satoshi Nakamoto soll 2008 erstmals ein mehrseitiges Konzept zur virtuellen Währung ins Netz gestellt haben. Ende 2010 verliess er die Internetgemeinde, ohne persönliche Informationen über sich preiszugeben. Er wolle sich nun anderen Themen widmen, lautete ein trockener Kommentar. Spekulationen zufolge handelt es sich bei Satoshi Nakamoto um den 44-jährigen japanischen Mathematiker Shinichi Mochizuki von der Universität Kyoto. Das vermutet etwa der US-Informationstechnikpionier Ted Nelson in einem Video, das im Frühjahr veröffentlicht wurde.

Was sind die Vorteile von Bitcoin?
Das konventionelle Währungssystem basiert auf Vertrauen – das bei Verbrauchern wegen der ultraexpansiven Geldpolitik der globalen Notenbanken heute leidet. «Der Zentralbank muss vertraut werden, dass sie die Währung nicht entwertet, doch die Geschichte des Fiatgeldes ist voll von Verrat an diesem Vertrauen», formulierte Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto einmal. Entsprechend erklärbar ist der Aufschwung der Währung. Auch Geschäftsbanken muss vertraut werden, wenn sie das Geld der Sparer anlegen. Bitcoin-Verfechter verweisen nun darauf, dass die Währung wegen ihrem gedeckelten Angebot von 21 Millionen Münzen nicht an Wert verlieren könne. Inflationsangst: Fehlanzeige. Hinzu kommt: Die Gebühren für Transaktionen mit Bitcoins sind gering und unabhängig von Finanzinstituten. Weitere Vorzüge sind Transparenz, angeblich Sicherheit und Anonymität.

Was sind die Nachteile von Bitcoins?
Die virtuelle Währung ist heute noch kaum akzeptiert. Doch die Zahl der Unternehmen, bei denen damit bezahlt werden kann, steigt. Seit Freitag akzeptiert etwa Amazon in Deutschland Bitcoins als Zahlungsmittel. Auch die chinesische Webseite Baidu, eine der meistbesuchten Homepages der Welt, hat sich für Bitcoins als Alternativwährung entschieden.

Problematisch ist jedoch die enorme Volatilität der Währung. Vergangene Woche legte der Preis am Montag um rund 40 Prozent auf über 800 Dollar zu, bloss um am darauffolgenden Dienstag in der Spitze um 30 Prozent einzubüssen. Entsprechend schlecht können Händler heute planen. Wegen dieser starken Kursausschläge werden Bitcoins als Alternativwährung langfristig nicht durchsetzen können, wenden Kritiker ein. Zudem droht bei einer Investition der Totalverlust.

Darüber hinaus sind Fälle bekannt, in denen Bitcoin-Besitzer ihr Guthaben beim Abspeichern von Daten verloren haben. So soll Jered Kenna 2010 von seinem Computer 800 Bitcoins gelöscht haben.

Soll ich Bitcoins jetzt kaufen?
Wegen der hohen Kursschwankungen gelten Bitcoins heute vor allem als Spekulationsobjekt. Für Menschen mit einem starken Magen und dem festen Glauben daran, dass sich die Währung durchsetzt, scheinen Bitcoins eine vernünftige Wette zu sein. Für alle anderen gilt: Finger weg! Denn setzt sich die Währung nicht durch, droht der Verlust des gesamten Kapitals.

Wo bekomme ich Bitcoins her?
Bitcoins können wie beschrieben selbst produziert werden – für das erste Kennenlernen der Währung ist das jedoch nicht zu empfehlen. Bitcoins können auch auf Börsen im Internet erstanden, etwa auf mtgox.com. Inzwischen gibt es vereinzelt sogar Bankomaten, an denen Bitcoins gekauft werden können. Ende Oktober wurde der erste weltweit in Vancouver aufgestellt.

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