Euro-Schock hier, Euro-Schock da. Seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank ist die Aufmerksamkeit der Wirtschaft, der Anleger und auch der Medien nur noch auf eine Währung gerichtet. Und noch immer sind die Klagen über die Schäden der abrupten Frankenaufwertung nicht abgeebbt. Dies, obschon sich seither gezeigt hat, dass die Schweizer Wirtschaft den Währungsschock weit ­besser verdaut hat, als viele Schwarzmaler befürchteten.

Weit nüchterner reagierte die Schweizer Aktienbörse auf den überraschenden Währungseingriff der Nationalbank. Nach einem kurzen Schreckens-Taucher war der Kursschaden innert zweier Monate bereits wieder wettgemacht. Die Börsianer hatten nachgerechnet und dann kühl geurteilt: «Der Euro ist für uns praktisch irrelevant.»

Der Dollar bleibt massgebend

In der Tat: Was für die Börse währungsmässig wirklich zählt, ist noch immer der Dollar, die weltweit nach wie vor mit Abstand wichtigste Währung. Vom Greenback aber war in den letzten Monaten kaum mehr die Rede. Er ist völlig aus den Schlagzeilen verschwunden. Doch im Schatten der Euro-Krise hat sich der ­Dollar gegenüber den meisten anderen Währungen und speziell auch gegenüber dem Franken stabilisiert oder sogar merklich gefestigt.

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Seit dem Sommer vor zwei Jahren beträgt der Kursgewinn rund einen Viertel. Dabei waren sich die Währungs­experten Mitte 2014 praktisch einig, einen muskelgestählten Dollar werde es in nächster Zukunft kaum mehr geben. «Zu massiv sind die Defizite von Staatshaushalt und Leistungsbilanz der USA», erklärten Beobachter damals fast unisono.

Dollar-Kurs und SMI im Gleichschritt

Der leichte Anstieg des Dollars freut neben der Exportwirtschaft insbesondere auch die hiesigen Anleger. Denn sie wissen: Stabilisiert sich der Wechselkurs der amerikanischen Währung oder steigt sie sogar, klettern früher oder später auch die Schweizer Aktienindizes. Im Verlauf der letzten drei Jahre hat sich dieser Zusammenhang ein weiteres Mal bestätigt.

Und das geradezu verblüffend präzis. So hat der SMI innert dreier Jahre 2,5 Prozent zugelegt, der Greenback 4,5 Prozent. Weitgehend parallel verliefen die Kursentwicklungen ebenfalls während der letzten zwölf Monate. Und seit dem leichten Schwächeanfall des Dollars im Frühjahr, kommt auch die helvetische Börse nicht mehr so recht vom Fleck.

Zusammenhang wissenschaftlich erhärtet

Die Dollar-­Lastigkeit der Schweizer Börse ist mehr als eine bloss statistische Übereinstimmung, wie schon mehrfach in wissenschaftlichen Untersuchungen und in Bankstudien nachgewiesen wurde. Sie lässt sich auch plausibel begründen.

Die Entwicklung des SMI wird massgeblich durch die Veränderung der Ak­tienkurse der höchstkapitalisierten Gesellschaften unseres Landes, also von Nestlé, Novartis, Roche, UBS und ABB, bestimmt. Diese gewichtigsten fünf Werte dominieren den SMI zu beinahe 70 Prozent. Und bei allen diesen Unternehmen sind die Erträge stark von der Entwicklung des Dollar-Kurses abhängig.

SMI-Firmen fokussieren auf den Dollar

Nach Berechnungen von Christian Gattiker, Chefstra­tege und Leiter Research der Bank Julius Bär, macht der Dollar-Anteil bei Unternehmen aus dem Swiss Market Index (SMI) im Durchschnitt fast einen Drittel aus, bei den höchstkapitalisierten sind es sogar über 50 Prozent.

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In Europa wird ­dagegen nur rund ein Viertel der Umsätze erwirtschaftet, in den einheimischen Gefilden bloss 8 Prozent. Bei Nestlé sind es sogar nur 2 Prozent. Für die SMI-Firmen sind Euro-Sorgen also tatsächlich nur von geringer Bedeutung.

Der Dollar regiert den Handel

Zudem: Der Dollar ist noch immer die mit Abstand wichtigste Handelswährung der Welt, was bedeutet, dass sich die Schweizer Industrie auch auf dem deutschen und europäischen Absatzmarkt gegen eine vorwiegend in Dollar rechnende Konkurrenz durchzusetzen hat. Ein fallender Dollar hat deshalb für Schweizer Firmen nicht nur in den USA, sondern ganz generell einen Wettbewerbsnachteil zur Folge.

Umso mehr, als die grossen Schweizer Unternehmen nach Untersuchungen des Brokerhauses Kepler Cheuvreux einen vergleichsweise deutlich grösseren Anteil an Dollar-Geschäften aufweisen als die europäische Konkurrenz. Kepler schätzt, dass sich der operative Gewinn der hel­vetischen Grossunternehmen bei einem Dollar-Anstieg um 10 Rappen im Durchschnitt etwa um 3,5 Prozent verbessert.

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Geringer Zusammenhang auf lange Sicht

Gewiss, die helvetischen Multis sind in den letzten Jahren verstärkt dazu über­gegangen, sich gegen solche Währungsschwankungen abzusichern. Kurzfristig durch derivative Kursabsicherungsin­strumente wie Devisenterminkontrakte oder Währungsoptionen, langfristig durch Auslagerung der Produktion in den Dollar-Raum oder die parallele Verschuldung in Dollar.

Und über lange Frist zeigen sich in der Tat auch grafisch völlig unterschiedliche Kurvenverläufe von Dollar und Schweizer Aktienindizes.

Banken sind Dollar-Lastig

Doch es bleibt ein Fakt: Kurz- und ­mittelfristig wird der Einfluss der US-­Währung auf die schweizerischen Bewertungsziffern Bestand haben. Auch neue Bankstudien zeigen bei zahlreichen ­Branchen und Firmen eine statistisch gut nachweisbare Dollar-Lastigkeit. Deutlich messbar ist sie nach einer Untersuchung des Brokerhauses Kepler Cheuvreux beispielsweise bei den Banken-Blue-Chips Julius Bär, UBS und Credit Suisse sowie bei Actelion, Swatch und Lonza.

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Eifrige Schnäppchenjäger werden nun versuchen nachzurechnen, welche Firmen den grössten Nutzen aus der Stabilisierung der US-Währung ziehen könnten. Weitere schöne Währungsgewinne winken wegen des Basiseffekts nämlich speziell im zweiten Halbjahr. Nach Einschätzung von Kepler liegt in dieser Periode ein zusätzlicher Gewinn von fast 10 Prozent drin.

Novartis kann nicht profitieren

Als grösste potenzielle Gewinner hat das Brokerhaus neben den oben erwähnten Werten auch OC Oerlikon, AMS, Belimo, Sonova und Straumann eruiert, weil diese Unternehmen relativ viel in Dollar einnehmen, aber vergleichsweise niedrige Kosten in Dollar aufweisen. Umgekehrt werden die in Dollar rapportierenden Unternehmen wie Novartis, ABB, Syngenta und Logitech sowie LafargeHolcim von einem stärkeren Dollar nicht profitieren können.

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Allzu mechanische Auswahlverfahren sind bei Aktien nicht empfehlenswert. Sehr oft wird der – positive oder negative – Dollar-Effekt durch andere unternehmensspezifische Faktoren überdeckt. So haben sich in den letzten zwölf Monaten die Dollar-Profiteure Actelion und Swiss Re tatsächlich gut in Szene gesetzt, ­während die Grossbankentitel, Swatch und Richemont von der Stabilisierung des Greenback bisher nicht oder nur teilweise mitgezogen wurden.

Auf Jahressicht profitieren Dollar-Firmen

Die Branchenpro­bleme schlugen hier stärker zu Buche. Insgesamt liegen im Zwölf-Monats-Vergleich ber tatsächlich Aktien von Unternehmen vorn, die ihre Umsätze überwiegend 
im Dollar-Raum (Amerika und Asien) ­erzielen.