Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte
Kurzfristig bewegen die Neuigkeiten und Hoffnung bezüglich China und USA die Märkte. Über die kommenden zwölf Monate werden Anleger versuchen, die Stimulanz der Notenbanken gegen das aufkommende Rezessionsrisiko abzuwägen.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln? 
Sowohl der SMI als auch der breite SPI haben bisher überdurchschnittliche Renditen und im September neue Rekordhochs erzielt. Vom konjunkturellen Bild her ist der Optimismus schwer nachvollziehbar. 

Wo steht der SMI in zwölf Monaten? 
Es ist kein Geheimnis, dass der SMI von den drei defensiven Schwergewichten Nestlé, Roche und Novartis bestimmt wird. Ergo wird die Performance davon abhängen, ob Anleger eher auf Wachstum oder auf Qualität setzen. Wir empfehlen so spät im Konjunkturzyklus Letzteres. 

Airbnb plant einen Börsengang Anfang 2020. Wie attraktiv wird der Online-Bettenvermittler für Anleger? 
Das lässt sich erst sagen, wenn Geschäftszahlen und die Preisvorstellungen offengelegt werden. Die Akzeptanz wäre sicher besser, wenn das Unternehmen Gewinn erzielt, sonst kauft man pure Hoffnung, wie in den Fällen der Fahrdienstvermittler Uber und Lyft. Uber ging ja nicht an die Börse, weil er frisches Kapital benötigte, sondern weil Altaktionäre Gewinne realisieren wollten – das muss Anleger vorsichtig stimmen.

Bernd_Hartmann_Experte_Boerseninterview_VPBank

Bernd Hartmann ist Leiter CIO Office und Chefstratege bei der VP Bank.

Quelle: ZVG
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Der Höhenflug des Goldpreises hält an. Wird sich das Edelmetall noch lange aufwerten? 
Trotz der starken Wertzunahme in den letzten Wochen hat Gold auch weiterhin seine Daseinsberechtigung als Stabilisator im Portfolio. Generell erachten wir Gold nicht als Spekulationsobjekt. Bis zum Jahresende kann es aber durchaus noch auf 1600 Dollar je Unze klettern.

Im Sommer empfahlen Sie Investitionen in globale Immobilienanlagen. Welche Immobilienmärkte und -segmente gefallen Ihnen derzeit besonders? 
Schweizer Anleger haben eine Heimmarktneigung - inländische Immobilien machen 44 % des Vermögens privater Haushalte aus. Wir empfehlen deshalb aus Diversifikationsüberlegungen Anlagen in ausländischen Immobilien. Das Preisniveau ist wegen extrem tiefer Zinsen fast überall hoch, der politische Druck in Europa, Mieter zu entlasten, wird daher je länger je grösser. Wir bevorzugen daher Büro- und Gewerbeimmobilien. Wir finden beispielsweise Logistikimmobilien eine interessante Nische.

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In Italien ist eine neue Regierung an der Macht. Wird es ihr gelingen, das Land wirtschaftlich voranzubringen – und gehören Konflikte mit der EU in Brüssel nun der Vergangenheit an? 
Bezogen auf die Wirtschaftsleistung ist Italien nach Griechenland der EU-Staat mit den höchsten Schulden. Allerdings ist die Schuldenquote seit 2014 stabil. Die EU-Kommission hat sich im Sommer gegen ein Defizitverfahren entschieden, weil die geplante Neuverschuldung 2019 reduziert wurde. Ob es zu Konflikten mit der EU kommt, liegt an der Haushaltpolitik dieser und weiteren Regierungen.