Die Zahl ist so hoch, dass sie sich nicht mehr in einen gewöhnlichen Taschenrechner eingeben lässt: Japans staatliche Verschuldung ist Ende Juni erstmals über die Marke von einer Billiarde Yen gestiegen – das ist eine eins mit 15 Nullen. Der genaue Wert: 1'008'628'100'000'000 Yen. Das meldete heute das Finanzministerium in Japan. Zum Vorquartal legte der Wert um 1,7 Prozent auf umgerechnet 10,5 Billionen Dollar zu.

Seit Anfang des Jahres sind japanische Regierung und Zentralbank auf eine stark expansive Wirtschaftspolitik eingeschwenkt, um die jahrelang herrschende Deflation zu beenden und die darbende Konjunktur anzukurbeln. Der Begriff «Abenomics», benannt nach dem seit Ende 2012 amtierenden Regierungschef Shinzo Abe, ist in Fachkreisen bereits berüchtigt. Um das angepeilte Ziel zu erreichen, erhöhten die Notenbanker unter anderem das Inflationsziel von ein auf zwei Prozent.

«Abenomics» zeigt Wirkung

Und Fachleute sind überzeugt, dass die Massnahmen die Konjunktur bereits beflügelt haben: «Mit fiskalischer und monetärer Unterstützung sollte das Bruttoinlandprodukt (BIP) in Japan im zweiten Quartal erneut kräftig zugelegt haben», schreiben die Ökonomen der HSBC in einem heute veröffentlichten Kommentar. Insgesamt dürfte die Wirtschaft in den drei Monaten von April bis Juni demnach um knapp ein Prozent zugelegt haben. Am Montag meldet Tokio die offiziellen Zahlen fürs Frühjahrsquartal.

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Zudem zeigten die Massnahmen der Regierung zuletzt an den Börsen Wirkung – und freilich bei der Gesamtverschuldung: Sie liegt mit derzeit rund 230 Prozent gemessen am BIP höher als in jedem anderen Land der industrialisierten Welt. Laut Nachrichtenagentur Bloomberg übersteigt die absolute Verschuldung Japans selbst die Verbindlichkeiten von Deutschland, Frankreich und Grossbritannien – zusammengerechnet wohlgemerkt.

Druck auf japanische Regierung zur Konsolidierung wächst

Entsprechend erhöhen die heute gemeldeten Zahlen den Druck auf Japans Regierung, die geplanten Steuererhöhungen wie angekündigt durchzuführen. Bis 2015 soll die Mehrwertssteuer schrittweise von 5 auf 10 Prozent verdoppelt werden, um den Haushalt zu konsolidieren – selbst wenn das die privaten Verbraucher belastet.

Dass die Finanzmärkte bislang noch nicht das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der drittgrössten Volkswirtschaft der Welt verloren haben, führen Fachleute vor allem darauf zurück, dass die Japaner selbst die grössten Gläubiger des Staates sind. Pensionskassen und Versicherungen sind teilweise verpflichtet, japanische Anleihen in bestimmten Mengen zu kaufen.