Je länger der Krieg im Iran andauert, desto nervöser werden Anleger. Die Folge: Die Börsen weltweit gehen auf Talfahrt. Und die Kursverluste gehen auch diese Woche weiter: Der Schweizer Leitindex SMI büsst zum Handelsstart kurzzeitig über 3 Prozent ein – nach einem Minus von 6,6 Prozent in der Vorwoche.
Am Montag verlieren zum Handelsstart alle 20 SMI-Titel. Besonders hart trifft es die Papiere des Pharmariesen Roche: Sie büssen kurzzeitig um über 7,5 Prozent ein. Auch die Aktien des Baukonzerns Holcim verlieren 4,9 Prozent. Ebenso geben die Aktien von ABB, Sika und Amrize deutlich nach. Die derzeitige Volatilität an den Finanzmärkten bekommen auch die Uhren- und Luxusgüterkonzerne zu spüren. So verliert Richemont zum Handelsauftakt weitere 3,8 Prozent, nachdem die Unternehmensaktien in der Vorwoche um über 9 Prozent eingebrochen waren.
Märkte in ganz Europa unter Druck
Generell büssen die Börsen in Europa gerade ein. Der deutsche Dax verliert beim Start in die neue Woche bis 10 Uhr rund 2,5 Prozent, der französische Leitindex CAC 40 gibt 2,4 Prozent nach und der EuroStoxx 50 taucht um 2,6 Prozent.
Die Kurseinbrüche hatten sich bereits in der Nacht auf Montag abgezeichnet, hatten doch die asiatischen Börsen stark nachgegeben. In Tokio ging der Nikkei-Index mit einem Minus von mehr als 6 Prozent aus dem Handel. Und in Südkorea rauschte der Leitindex KOSPI über 7 Prozent ab.
Der tiefrote Start der Aktienmärkte ist auf den seit gut einer Woche tobenden Krieg im Iran zurückzuführen. An den Märkten geht die Befürchtung um, dass der Konflikt noch länger anhält. «Eine klare Strategie zeichnet sich bislang nicht ab», schreibt die Bank Raiffeisen in einer Analyse am Montagmorgen. Heisst: Ein schnelles Ende des Iran-Kriegs ist derzeit nicht in Sicht.
Das schürt Inflationssorgen, was wiederum auf die Börsenkurse drückt. Denn der Ölpreis klettert zurzeit stark, am Wochenende durchbrach er die symbolische Marke von 100 Dollar pro Barrel. Das verteuert nicht nur den Sprit an der Zapfsäule, sondern lässt auch die Transportkosten in den weltweiten Lieferketten steigen, was längerfristig die Preise im Supermarkt nach oben drücken kann.
Experte rät zu ruhig Blut
Was heisst das jetzt für Anleger? Anlageexperte Serge Nussbaumer vom Zürcher Finanzunternehmen Maverix Securities rät: Nicht in Panik verfallen, sondern Ruhe bewahren. «Aus heutiger Sicht gibt es keinen Grund für überhastete Verkäufe», sagte der Experte bereits letzte Woche zu Blick. Das gilt weiterhin.
Und weiter: «Zwar führen geopolitische Konflikte regelmässig zu kurzfristiger Volatilität, doch historisch gesehen sind Panikreaktionen selten ein guter Ratgeber.» Anleger sollten ihre strategische Ausrichtung überprüfen und keine emotional getriebene Entscheidung treffen.


