So. Seit eineinhalb Jahren leiden wir unter der Covid-19-Pandemie, doch jetzt steht wohl definitiv die Normalisierung an.

Damit wird auch konkreter, wie «Long Covid» wirtschaftlich aussehen könnte: Wo werden die grössten Narben bleiben? Eines wird rasch klar: Die furchtbarsten Folgen finden sich in der Ferne.

Das Konjunktur-Jo-Jo dieser eineinhalb Lockdown-Jahre warf etwa 150 Millionen Menschen zurück in bitterste Armut, so Berechnungen der Weltbank. Eine Generation lang hatte es der Kapitalismus geschafft, Jahr für Jahr Millionen Menschen über die Armuts- und Hungerschwelle zu heben – nun hat der Trend gedreht.

Die historische Erfahrung lässt da Böses ahnen – nämlich dass vielerorts bald schwere Konflikte ausbrechen dürften. Global betrachtet erleben wir momentan die grösste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg, und es ist schon bemerkenswert, wie wenig das hierzulande diskutiert wird.

Es zeigt, wie sehr wir in Europa auf einer Insel der Seligen leben. Hier jagten die Regierungen die Staatsschulden in den Himmel hoch, was den Absturz der zwangsgebremsten Firmenwelt auffing. Die Politik übernahm phasenweise die Kontrolle über die Firmen und finanzierte gleich auch die Löhne.

«Der Neo-Etatismus muss erst beweisen, dass er bessere Lösungen hat.»

Sie schnitt die internationalen Lieferketten ab. Sie beschränkte die Reisefreiheit, wobei man sich langsam auch fragen darf, ob protektionistische Hintergedanken da nicht auch eine Rolle spielten. Und nun arbeitet sie daran, den Steuerwettbewerb auszuschalten.

All dies sind weitere Long-Covid-Tendenzen. Sie deuten insgesamt an, dass nun erstens die Globalisierung zurückgedreht werden dürfte – und dass zweitens Politiker und Beamte künftig die dominierenden Lenker der Wirtschaft sind. Ganz erstaunlich ist das ja nicht: Schon vor der Pandemie hatte die Glaubenslehre des «Neoliberalismus» – schlanker Staat, wenig Regulierung, Freihandel, tiefe Steuern – ihre Ausstrahlung verloren.

Nun aber zeigt sich, dass wir noch lange keine bessere Alternative haben. Denn just in diesen Corona-Monaten verschärften sich all die Missstände, die man zuvor gern jenem Neoliberalismus angelastet hatte: Multimilliardäre wurden zu Megamilliardären, Managergehälter stiegen weiter.

In vielen Branchen liessen die Konzernriesen ihre Muskeln spielen, während die Kleinbetriebe im Lockdown schmorten oder mit einer Hygiene-Bürokratie neu belastet wurden: Uber Eats statt «Bären» und «Hirschen».

Die Büezer arbeiteten unter Corona wie gehabt weiter, bloss mit grösserer Job-Unsicherheit, während die digitalen Eliten vom Büro ins Homeoffice wechselten. Junge und Frauen verspürten eher Nachteile als Ältere und Männer.

Kurz: mehr Spaltung überall – von den Spannungen in jedem Dorf bis zum neuen Graben zwischen Drittweltländern und Weltgegenden, welche vom Zoom-Boom profitieren. Der Neo-Etatismus muss erst mal beweisen, dass er die besseren Lösungen zu bieten hat.