Konkret dürfte das Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) im laufenden Jahr um rund 3,5 Prozent zurückgehen, wie Economiesuisse im Rahmen seiner neuen Konjunkturprognosen mitteilte. Im Juni war noch ein Einbruch von 5,4 Prozent erwartet worden.

Vor allem dank der umfangreichen staatlichen Stützungsmassnahmen, der eher moderaten Covid-19-Einschränkungen und der raschen Teilerholung im Sommer sei die Rezession nun aber etwas weniger stark als damals erwartet.

Partner-Inhalte
 
 
 
 
 
 

Grundsätzlich belaste die Corona-Krise die Wirtschaft aber nach wie vor stark. Binnen- und Exportwirtschaft kämpften beide mit einem sehr schwierigen Marktumfeld, heisst es beim Dachverband. Er geht auch von schwierigen ersten Monaten 2021 aus, danach sollte aber eine Erholung kommen – auch weil Impfstoffe wohl bald eingesetzt werden könnten.

Konkret erwartet der Verband ein BIP-Wachstum von 3,7 Prozent im nächsten Jahr. Im Vergleich zur Juni-Prognose (4,1 Prozent) wurde der Wert allerdings leicht zurückgenommen.

Hoffnung für Reisebranche

Die Überlegung: Bereits die Aussicht auf ein mögliches Ende der Corona-Krise schaffe ein gewisses Mass an Vertrauen in die Zukunft, glaubt der Wirtschaftsverband. Wenn im Frühsommer die Fallzahlen in der nördlichen Hemisphäre temperaturbedingt sänken und immer mehr Menschen geimpft seien, sollte es zu einem weltweiten Rebound-Effekt in Form eines kräftigen Wachstumsschubs kommen.

Für die Schweizer Wirtschaft bedeute dies, dass konsumorientierte Exportbranchen wie die Uhrenindustrie und teilweise die Textilindustrie als Erste von der Nachfragesteigerung profitieren dürften. Auch die Reisebranche werde wieder zum Leben erweckt, hofft man bei Economiesuisse, hätten doch viele Menschen ihre Reisepläne unfreiwillig zurückstellen müssen.

Mehr Arbeitslose – aber höhere Löhne

Auch beim privaten Konsum in der Schweiz sei im nächsten Jahr mit einem Rebound-Effekt zu rechnen. Zwar erhöhe sich die Zahl der Arbeitslosen, aber der Anstieg falle weniger drastisch aus als noch im Sommer erwartet werden musste. Hingegen stiegen die Reallöhne trotz Krise an.

Bei einem nominalen Lohnwachstum um rund 0,3 Prozent und der gleichzeitigen Negativteuerung in diesem Jahr von 0,7 Prozent sollten die Reallöhne gemäss der Berechnung von Economiesuisse Anfang 2021 im Durchschnitt um ein Prozent höher ausfallen als Anfang 2020.

Auch wenn die Situation nicht ganz so schlimm ausfallen dürfte wie anfangs befürchtet: Die Pandemiekrise werde die Arbeitslosenzahl weiter erhöhen, so der Verband. Viele Firmen passten den Personalbestand an die schlechtere Geschäftsentwicklung an. Im Jahresdurchschnitt schätzt Economiesuisse daher, dass die Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent (2020) auf 3,5 Prozent (2021) ansteigen wird. Im November lag die Quote bei 3,3 Prozent.

Da auch die Zahl der Konkurse zunehme, müssten Banken vermehrt Wertberichtigungen vornehmen.

Grundsätzlich seien die Abwärtsrisiken aber «weiterhin gross», betont der Verband. Sollten etwa die Impfstoffe die Erwartungen nicht erfüllen und würden im Herbst 2021 wiederum einschränkende Massnahmen notwendig, würde dies die Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz belasten. Auch sei die Verschuldung wegen der Corona-Krise weltweit angestiegen.

(AWP – rap)