US-Präsident Joe Biden zapft wegen des rasanten Anstiegs der Benzinpreise nach der russischen Invasion in der Ukraine die Öl-Notreserven des Landes so stark an wie noch nie. Biden gab am Donnerstag die Freigabe von einer Millionen Barrel Öl pro Tag für die nächsten sechs Monate bekannt. Das ist der grösste Abfluss in der Geschichte der US-Vorräte.

Ausserdem rief Biden die Ölkonzerne zu einer höheren Förderung auf. Das freigegebene Öl soll im Mai auf den Markt kommen. Die strategischen Erdölreserven der USA sind die grössten der Welt. Biden hatte Anfang des Monats wegen des russischen Einmarsches in der Ukraine die Einfuhr von Öl und anderen Energieträgern aus Russland untersagt.

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Opec+ wollen Förderung nur wenig erhöhen

Die Aussicht auf mehr Öl auf den Weltmärkten durch das Anzapfen strategischer Reserven der USA und weiterer Länder sorgte für sinkende Preise. Die Nordseesorte Brent verbilligte sich um 5,3 Prozent auf 107,39 Dollar je Barrel. US-Leichtöl WTI gab um 6,8 Prozent auf 100,53 Dollar je Fass nach. Ausserdem wurde für Freitag ein ausserordentliches Treffen der Internationalen Energieagentur IEA einberufen, bei dem andere Staaten sich den USA anschliessen könnten.

Trotz der sprunghaft gestiegenen Ölpreise will die erweiterte Gruppe der Öl-produzierenden Staaten, Opec+, ihre Förderung nur geringfügig erhöhen. Statt wie bislang monatlich bei 400'000 Barrel pro Tag (bpd) soll das Plus ab Mai bei 432'000 bpd liegen. Zur Opec+ gehört auch Russland.

«Keine dauerhafte Versorgungsquelle»

Das Anzapfen der Ölreserven durch die USA könnte nach Einschätzung der Analysten von Goldman Sachs den Ölmarkt in diesem Jahr stabilisieren, indem für sechs Monate pro Tag eine Million Barrel Öl mehr fliessen würde. «Dies würde jedoch eine Freigabe von Ölvorräten bleiben, keine dauerhafte Versorgungsquelle für die kommenden Jahre. Eine solche Freigabe würde daher das seit Jahren bestehende strukturelle Versorgungsdefizit nicht lösen.»

Die USA könnten damit allenfalls die starke Volatilität begrenzen und grosse Aufwärtsbewegungen abschwächen, sagte auch Avtar Sandu, Rohstoffmanager bei Phillip Futures.

(reuters/gku)