Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) nimmt trotz neuer konjunktureller Risiken durch steigende Corona-Infektionen vorerst keine grösseren Änderungen an ihrer bereits ultralockeren Geldpolitik vor. Der Leitzins bleibt in der extrem niedrigen Spanne von 0,0 bis 0,25 Prozent.

Die milliardenschweren Wertpapierkäufe zur Stützung der Konjunktur gehen zudem weiter, wie die Fed am Mittwoch mitteilte. Die Notenbank kündigte aber an, die Käufe fortzusetzen, bis am US-Arbeitsmarkt Vollbeschäftigung herrscht.

«Einer der schlimmsten Krisen der Geschichte»

Obwohl sich die Lage am Arbeitsmarkt zuletzt abgeschwächt hatte und der künftige US-Präsident Joe Biden von «einer der schlimmsten Wirtschafts- und Job-Krisen der neueren Geschichte» sprach, hatten die meisten Experten nicht mit einer Kursänderung der Fed gerechnet. Die Notenbank hatte bereits mit drastischen Massnahmen auf die Corona-Krise reagiert und deutlich gemacht, dass sie zunächst die Finanzpolitik bei weiteren Konjunkturhilfen in der Pflicht sieht.

Die Fed signalisiert zudem über die Corona-Krise hinaus ultra-niedrige Zinsen und verzichtet zugleich auf neue Konjunkturspritzen. Die Währungshüter gehen im Mittel davon aus, dass der Schlüsselzins noch bis Ende 2023 nahe Null gehalten wird.

Gesamte Bandbreite nutzen

Zugleich erklärten die Fed-Oberen um Notenbankchef Jerome Powell auf ihrer letzten Zinssitzung im Pandemie-Jahr 2020, sie seien entschlossen, die gesamte Bandbreite ihrer Instrumente zur Stützung der Wirtschaft zu nutzen.

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Der S&P-500-Aktienindex legte nach der Bekanntgabe der Entscheidung zu. Gold und Dollar blieben faktisch unverändert. Die Renditen der 30-jährigen Staatsanleihen stiegen.

Kongress gleist Hilfspaket auf

Die US-Notenbank musste den Kurs inmitten eines politischen Gerangels über weitere Konjunkturhilfen im Kongress abstecken. Zuletzt verdichteten sich die Hinweise, dass Republikaner und Demokraten sich nach langem Hin und Her auf ein 900 Milliarden Dollar schweres Hilfspaket einigen könnten. Mit steigenden Corona-Fallzahlen hat sich auch die Konjunktur-Erholung zuletzt verlangsamt.

Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA zog zuletzt wieder an. Der schwächelnde Arbeitsmarkt ist eine der grössten Herausforderungen für die Notenbank, die von ihrem Ziel Vollbeschäftigung in der Corona-Krise weit entfernt ist. Wegen der Corona-Pandemie gingen mehr als 22 Millionen Jobs verloren, von denen bislang nur etwa zwölf Millionen zurückgewonnen wurden.

(reuters/mbü)