Als erste Bank in Deutschland führt die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck Negativzinsen ab dem ersten Cent ein. Betroffen sind seit Oktober Neukunden, die für Tagesgeldkonten 0,5 Prozent Zinsen zahlen müssen, berichtet das Vergleichsportal Verivox.

Will die Bank damit neue Kunden abschrecken, ihr Geld bei ihr zu parken? Die Geschäftsleitung begründet den Schritt mit den Strafzinsen von 0,5 Prozent, welche Banken für kurzfristige Geldeinlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) bezahlen. Langjährige Kunden würden die negativen Zinsen allerdings nicht treffen, versichert die Volksbank.

Tabu gebrochen

Minuszinsen für normale Sparer waren lange ein Tabu in Deutschland. Bisher waren nur vermögende Privatkunden und Firmenkunden zur Kasse gebeten worden, und zwar ab einer Million Euro, einer halben Million oder ab 100'000 Euro. 

Auf diesen Freibetrag verzichtet nun mit der Volksbank Fürstenfeld das erste Geldhaus. Experten rechnen damit, dass immer mehr deutsche Institute in absehbarer Zeit Negativzinsen einführen oder erhöhen bzw. Freibeträge senken werden.

Im September hatte die EZB den Einlagenzins von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent gesenkt. Es wird nicht damit gerechnet, dass sich dies so bald ändern wird. Die Folge: Die Banken leiden darunter und werden immer weniger davor zurückschrecken, die Negativzinsen an ihre Kunden weiterzugeben.

Negativzinsen «übliche Praxis»

Laut Verivox kassieren derzeit 21 Geldhäuser von ihren Kunden Negativzinsen - ab höheren Beträgen. Allerdings dürfte die Zahl viel höher liegen, wie der aktuelle Monatsbericht der Bundesbank zeigt. Demnach erheben 58 Prozent von 220 befragten Banken und Sparkassen negative Zinsen für Firmenkunden. Wobei die Bundesbank auch feststellt, dass dies bei fast allen Banken die «übliche Praxis» sei.

Bei Privatkunden hingegen sind die Finanzinstitute noch zurückhaltender: 23 Prozent erheben Minuszinsen. Wie lange noch, ist wohl nur eine Frage der Zeit. 

(mlo)