Nach dem Rekordabsturz durch die Corona-Krise ist für die Euro-Zone wieder Wachstum in Aussicht. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft sprang im Juni unerwartet deutlich um 15,6 auf 47,5 Punkte. Damit rückt die Marke von 50 Zählern wieder in greifbare Nähe – und diese Marke signalisiert Wachstum.

Der Index wird vom Institut IHS Markit mit einer Umfrage unter Tausendenden Unternehmen erhoben. In Deutschland kletterte das Barometer um 13,5 auf 45,8 Punkte; es erreichte den höchsten Stand seit vier Monaten. Besonders dynamisch war der Sprung in Frankreich – von 32,1 auf 51,3 Punkte –, wobei sowohl die Industrie- als auch die Dienstleistungs-Firmen über die 50-Prozent-Marke kamen.

Ökonomen hatten nicht mit so deutlichen Zuwächsen gerechnet, auch für Deutschland nicht. «Die Talfahrt der Euro-Zone hat sich im Juni abermals substanziell verlangsamt», kommentiert Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. «Produktion und Nachfrage gingen zwar weiter zurück, kollabierten aber nicht mehr.»

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Schon das Ende der Rezession?

Das Bruttoinlandprodukt soll im zweiten Quartal so stark geschrumpft sein wie noch nie. Die Umfrage nähre nun «die Erwartungen, dass die gelockerten Ausgangssperren der Rezession bis zum Sommer ein Ende bereiten werden», sagte Williamson

Zur Lage in Deutschland sagte Markit-Ökonom Phil Smith, er sehe «zunehmende Lebenszeichen der deutschen Wirtschaft». Allerdings: «Obwohl sich die Lockerung der Lockdown-Beschränkungen in einigen Teilen der Wirtschaft positiv ausgewirkt hat, befindet sich das Barometer nach wie vor im Schrumpfungsgebiet», so Smith. «Das zeigt, dass es sich wahrscheinlich um eine langwierige Erholung handelt.»

Ökonomen sind aber insgesamt optimistisch, dass die deutsche Wirtschaft das Schlimmste hinter sich hat. «Der starke Anstieg bringt uns zurück auf ein Niveau, das anhand der Zahlen nur noch aussieht wie eine normale Rezession», sagte LBBW-Volkswirt Jens-Oliver Niklasch. «Noch so ein Anstieg – und wir sind zurück in der Expansionszone.»

Welthandel: Auch besser als erwartet?

Der Rückgang des weltweiten Warenhandels wegen der Corona-Pandemie fällt laut WTO in diesem Jahr vermutlich nicht so stark aus wie in den schlimmsten Befürchtungen. Allerdings dürfte die Erholung im Jahr 2021 weniger deutlich sein als vorausgesagt. Nun werde ein Anstieg im kommenden Jahr von 5 bis 20 Prozent erwartet, teilt die in Genf ansässige Welthandelsorganisation mit. 

Im April hatte sie noch prognostiziert, der Warenhandel werde 2020 um 13 bis 32 Prozent sinken, bevor er sich im Jahr 2021 um 21 bis 24 Prozent erholen werde.

Schweiz: Consensus-Forecast der ETH nun pessimistischer

Die von der ETH-Konjunkturforschungsstelle KOF befragten Ökonominnen und Ökonomen haben ihre kurzfristigen Wachstums-Prognosen deutlich nach unten revidiert. Die mittelfristigen Erwartungen wurden hingegen deutlich nach oben angepasst. Für das Jahr 2020 rechnen die Umfrageteilnehmenden im Durchschnitt mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 5,0 Prozent; 2021 sollte dann ein Plus von 4,2 Prozent erreicht werden.

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Dies das Ergebnis des «Consensus Forecast» vom Juni 2020. In der März-Umfrage, als die Covid-19-Pandemie noch nicht mit voller Wucht angekommen war, gingen die Befragten noch von einer Abnahme um 0,2 Prozent 2020 und einer Zunahme um 1,3 Prozent im kommenden Jahr aus. 

In fünf Jahren rechnet das Ökonomen-Sample mit einem Zuwachs des BIP um 1,5 Prozent (im März waren 1,4 Prozent erwartet worden).

Die Befragten sehen nun die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt deutlich pessimistischer als noch im März. Die Erwartungen für die Arbeitslosenquote liegen für das Jahr 2020 bei 3,8 Prozent (März: 2,7 Prozent) und für das Jahr 2021 bei 4,2 Prozent (März: 2,8 Prozent). Bemerkenswert ist laut der KOF auch die Veränderung der langfristigen Erwartungen: Der Mittelwert liegt neu bei 3,2 Prozent (März: 2,7 Prozent), der Median bei 3,0 Prozent (März: 2,5 Prozent).

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  • Am 98. Consensus Forecast der KOF vom Juni 2020 nahmen 17 Ökonominnen und Ökonomen teil. 

(Reuters — rap)

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