Die Strom- und Gaspreise sind vor Weihnachten auf Rekordniveau geklettert. Strom kostete an der Börse zeitweise bis zu 50 Rappen pro Kilowattstunden. Lange gingen Ökonomen davon aus, dass sich diese Energiekrise nur kurzfristig auf die Preise auswirken würden, also «transitorisch» bleiben würde. 

Nun aber beichtet die Europäische Zentralbank: Man habe den Preisschock unterschätzt, als man ihn bloss als vorübergehend bezeichnete. Die Energiekrise werde tiefere Spuren in der Teuerung hinterlassen. Etwa wenn Firmen die höheren Preise als Nachhaltig betrachten und in Form von Preiserhöhungen an ihre Kunden weiterreichen. Und wenn Arbeitnehmende mit Blick auf die steigenden Preise Lohnerhöhungen fordern. Die «Bild» forderte daher in einem Kommentar geldpolitische Reaktionen. Zum Beispiel «über höhere Zinsen». 

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Wer meint, man könne die hohen Energiepreise mit den Mitteln der Geldpolitik bekämpfen, irrt jedoch. Natürlich sinkt die durchschnittliche Teuerung, wenn man die Wirtschaft abwürgt. Auf die Strom- und Gaspreise selbst hat die Geldpolitik jedoch wenig Einfluss, im Gegenteil. Der Strom ist nicht teuer, weil zu viel davon nachgefragt wird, sondern weil es akut zu wenig davon gibt. Keiner, der nicht unbedingt muss, kauft bei diesen Preisen Strom oder Gas ein. 

Wer wirklich für Entspannung sorgen will, muss sich Gedanken über den Kraftwerkspark machen, der diesen Strom produziert. Will die Schweiz aus der Atomkraft aussteigen und gleichzeitig auf fossile Energie verzichten, muss sie deutlich ambitionierter auf neue Wasser-, Wind- und Solarkraftwerke setzen – und die Energiepolitik entsprechend anpassen. Höhere Zinsen sind da eher kontraproduktiv.