Not in my backyard – kurz «Nimby» – ist ein bekanntes Phänomen, wenn es um Bauprojekte in der direkten Nachbarschaft geht. Obwohl alle nach mehr Wohnraum schreien, soll doch bitte überall gebaut werden, ausser dort, wo man selber wohnt. Kommt es dennoch so weit, greift man gerne zur Option der Einsprache – vor allem in Zürich ein beliebtes Mittel, um Bauprojekte zu verzögern oder zu verhindern. Das muss sich ändern.

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Und anstatt auf dem Weg zu mehr Wohnraum, neue Hürden aufzubauen, sollten bereits bestehende Regulierungen unter die Lupe genommen werden. Mit der neuen Bau-und Zonenordnung (BZO) zeigt die Stadt Zürich, wo und nach welchen Regeln in Zukunft dichter und höher gebaut werden soll. Die BZO liegt derzeit auf, und Zürcherinnen und Zürcher können sich dazu äussern. Ein besonderes Augenmerk wird auf mehr bezahlbaren Wohnraum gelegt. Was grundsätzlich zu begrüssen ist. Wer um- oder an- oder neu bauen will, muss 75 Prozent des neu geschaffenen Wohnraums kostengünstig vermieten. Wer also vierzig neue Wohnungen baut, muss dreissig davon günstig anbieten.

Schaut man aber, wem in Zürich die meisten Wohnungen gehören und wer diese Gebäude also in Zukunft umbaut oder abreisst und neu baut, dann stellt sich die Frage: Steht diese 75-Prozent-Hürde nicht den Neubauprojekten im Weg? Denn in Zürich sind Immobilienfirmen die grössten Wohnungsbesitzer. Sie sind nicht an günstigem Wohnraum interessiert, sondern an hohen Renditen. Bauen ist teuer und muss sich für sie lohnen. Und wenn die Renditeerwartung sinkt, dürfte die Zahl der Neubauprojekte eher zurückgehen.

Ein weiterer Weg zu mehr Wohnraum sind Hochhäuser. In Zürich stehen bereits einige Exemplare, doch die Stadt ist noch weit entfernt von Skylines wie in New York oder Tokyo. Und das ist auch gut. Hochhäuser sind kein Allheilmittel, aber ein notwendiger Teil der Lösung. Mehr von ihnen schaffen nicht automatisch mehr bezahlbaren Wohnraum. Aber sie eignen sich für eine Verdichtung in die Höhe – besonders also dort, wo Bauland knapp ist. Und um die Wohnungsnot zu entschärfen, bräuchte es bis 2050 an die 100'000 neue Wohnungen allein in der Stadt Zürich.
Hochhäuser gefallen nicht allen und sind auch deshalb umstritten, weil sich die in ihrer Nachbarschaft lebenden Menschen vor dem Schattenwurf fürchten. Dieser raubt nahegelegenen Gebäuden vor allem in den Wintermonaten zeitweise die Sonne. Für manche ist das Grund genug für eine Einsprache.

Dass Einsprachen in der Schweiz möglich sind, ist gut. Aber die Kriterien, nach denen sie gemacht werden dürfen, bremsen den Bau von dringend benötigten Wohnungen. Statt neuer Hürden braucht Zürich klarere Regeln für Einsprachen. Denn «Nimby» schafft keinen Wohnraum.