Eine zweite Welle könnte wirtschaftlich schädlicher sein als die erste Welle. Denn viele Unternehmen sind angeschlagen, haben hohe Schulden und kaum mehr Rücklagen.»

Dies sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, der «Rheinischen Post» in der Samstagsausgabe. Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, warnte zudem die deutsche Regierung davor, einen zweiten bundesweiten Lockdown übereilt zu verhängen. Dies sei derzeit wegen der sozialen und ökonomischen Kollateraleffekte nicht zu verantworten.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff warnte zudem vor der Verhängung einer erneuten Ausgangssperre. «Einen zweiten Lockdown können wir uns nicht leisten", sagte Haseloff den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Samstag. «Das würde unsere Wirtschaft kaum verkraften und sich letztendlich auch negativ auf den Sozialstaat und seine Stabilität auswirken.»

Auch die deutsche Wirtschaftsweise Veronika Grimm warnte in den Zeitungen vor einer langanhaltenden Wirtschaftsschwäche, sollte es zu einem weiteren Lockdown kommen.

Deutlich länger anhaltende Schwächephase

Die Wirtschaftsweise Grimm forderte, dass «ein erneut dynamisches Infektionsgeschehen oder eine zweite Corona-Welle nicht mit Einschränkungen beantwortet wird, die die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aktivitäten in ihrer ganzen Breite treffen». Es müsse vielmehr gelingen, regionales Infektionsgeschehen mit massgeschneiderten Konzepten zur Pandemie-Bekämpfung und zum Gesundheitsschutz auch regional und zielgerichtet zu adressieren.

Sollte dies nicht gelingen, sei «mit einer deutlich länger anhaltenden Schwächephase zu rechnen», sagte das Mitglied des Sachverständigenrats den Funke-Zeitungen.

In Deutschland sind die Coronavirus-Fallzahlen zuletzt wieder angestiegen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin gab die Zahl der in Deutschland mit dem Coronavirus infizierten Menschen am Freitag mit 208'698 an - ein Plus von 870 seit dem Vortag.

(sda/dhü)