Flüge in Privatjets sind jetzt stark gefragt. Seit wann steigen die Buchungen?
Eymeric Segard: Eine erste Spitze sahen wir, als sich das Virus in Italien zu verbreiten begann, wir erhielten 15 Prozent mehr Anfragen. Als wenige Tage später US-Präsident Donald Trump Europäern die Einreise verbot, kam es zu einer weiteren Spitze. Die Leute realisierten, dass das Virus eine echte Gefahr ist. Wir erhalten etwa dreimal mehr Anfragen als zur gleichen Zeit vor einem Jahr.

Eymeric Segard ist Gründer und Chef ­von LunaJets. Die Genfer Firma vermittelt jährlich 6000 Flüge in Privatjets weltweit. Über ihre Plattform erhalten Kunden Zugang zu 4800 Flugzeugen. LunaJets, 2007 gegründet, hat 40 Angestellte und setzt jährlich 70 Millionen Franken um. Der Markt für Privatjet-Flüge ist umkämpft, zu den Konkurrenten zählen Netjets, Victor und JetSmarter (mehr dazu hier).
Ein weiteres Interview mit LunaJets-Chef Segard lesen Sie hier.

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Eymeric Segard.

Quelle: ZVG

Wie viele Flüge fädeln Sie ein?
Wir vermitteln 25 bis 30 Flüge pro Tag. Wir sind stärker ausgelastet als im Sommer, der für gewöhnlich besten Saison für uns.

Wer bucht derzeit bei Ihnen?
Zum einen sind es Kunden, die nach Hause wollen. Sie waren auf Reisen oder geschäftlich unterwegs, und ihr Linienflug ist gestrichen worden. Oder sie wollen möglichst schnell zurück, bevor Reisebeschränkungen gelten. Zum anderen sind es Leute, die die Grossstädte verlassen wollen. Sie ziehen sich in ihr Ferienhaus zurück, weil sie sich dort wohler fühlen.

Welche Routen sind am populärsten?
Wir organisierten letztens beispielsweise fünf Repatriierungsflüge aus Südamerika und vermittelten einige Flüge über den Atlantik in die USA. Und wir ermöglichten chinesischen Universitätsstudenten den Heimflug nach Hongkong.

Weiter holen wir Kunden aus London, Paris, Mailand und Moskau ab und fliegen sie in die Mittelmeerregion – Ibiza, Korsika oder Sardinien sind beliebte Destinationen. Andere möchten einen Flug in die Schweiz, wo sie Chalets besitzen. Diese Leute wollen ihre Zeit in der Quarantäne in einer angenehmen Umgebung verbringen. Im Ferienhaus haben sie mehr Platz als in der Grossstadtwohnung.

Verlangen Sie höhere Vermittlungsgebühren als sonst?
Wir haben unsere Kommissionen nicht erhöht. Es geht uns nicht darum, aus der aktuellen Situation Profit zu schlagen, wir wollen den Kunden helfen. Die Preise sind allerdings gestiegen, weil die Nachfrage so viel höher ist. Die Zahl der Privatjets ist beschränkt.

Um wie viel höher sind die Preise?
Die Preise liegen etwa um 15 Prozent höher als sonst.

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Flugzeug über dem Millennium Dome in London: LunaJet hat rund 4800 Maschinen im Angebot.

Quelle: ZVG

Fliegen derzeit Menschen mit Privatjets, die das sonst nicht tun würden?
Etwa 60 Prozent der Kunden sind neu. Es sind Leute, die noch nie einen Privatjet buchten und jetzt dieses Angebot als einzige Transportmöglichkeit sehen. Manche davon weichen auf Privatjets aus, weil sie den Flug nicht in einer Maschine und in Airports mit vielen anderen Passagieren verbringen wollen.

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Sind manche dieser Kunden verzweifelt?
Verzweifelt ist ein starkes Wort. Wir führen keine medizinischen Flüge mit Kranken durch. Es sind lediglich Menschen, die in Voraussicht möglichst angenehme Bedingungen für die nächste Zeit schaffen wollen. Es ist keine Frage von Leben und Tod. Die Kunden sind nur etwas nervös und suchen die Nähe von Freunden und Verwandten.  

Wie verhindern Sie die Gefahr von Ansteckungen?
Wir haben Vorkehrungen getroffen, um die Crew und die Passagiere zu schützen. Es sind die typischen Massnahmen: Wir desinfizieren die Kabinen vor und nach jedem Flug und bitten alle, auch während des Flugs Abstand zu halten. Normalerweise würde der Pilot die Passagiere am Kabineneingang persönlich begrüssen und einen guten Service bieten. Das ist derzeit nicht möglich. Und in besonders betroffenen Ländern wie Italien vermeiden wir, mit der Maschine über Nacht im Land zu bleiben.

Ist der Flugverkehr eingeschränkt?
Gewisse Länder sind restriktiv, etwa Österreich. Unsere Partner dort haben Mühe, das Land zu bedienen. Aber solange ein einigermassen normaler Flugverkehr möglich ist, bieten wir Flüge an.

Hat sich die Konkurrenz verschärft? Alle wollen jetzt fliegen, aber die Zahl der Jets ist beschränkt. Versuchen Konkurrenten, Ihnen Ihre Partner mit höheren Angeboten auszuspannen?
Die Konkurrenz hat sich sicher verstärkt. Es gilt der Grundsatz: «First come, first serve.» Wir empfehlen unseren Kunden, nicht zu zögern und sofort zu buchen. Aber die Leute wollen unbedingt fliegen, deshalb nehmen sie das Angebot in der Regel schnell an.

Können Kunden bei Ihnen weiterhin auch einzelne Sitze buchen und das Flugzeug mit ihnen unbekannten Passagieren teilen?
Das bieten wir nicht mehr an. Wir hatten das Modell vor der Krise getestet und stellten fest: Unsere Kunden wollen das nicht. Sie fliegen im Privatjet und zahlen dafür einen hohen Aufpreis. Deshalb wollen sie die Kabine nicht teilen. In der Krise haben wir in einem Fall zwei Kunden vorgeschlagen, gemeinsam zu fliegen. Sie lehnten aber beide ab – sie wussten nicht, wo die andere Person zuvor gewesen war und ob sie sich angesteckt hatte.