Die Währungspanik um den abstürzenden Rubel greift auf die Unternehmer in Russland über. Laut Berichten der russischen Presse, haben einige Moskauer Geschäfte angefangen, ihre Preise in Dollar und Euro auszuzeichnen. Die Finanznachrrichtenseite Vestifinance.ru beispielsweise berichtet von einem Baumarkt, der Meterware in Euro pro Quadratmeter kennzeichnet. Laut Vestifinance.ru ist es in Russland nicht erlaubt, Preise in einer anderen Währungen als Rubel zu kennzeichnen.

Gerade Preise, die in anderen Währungen ausgeschrieben werden, wecken in Moskau aber böse Erinnerungen an den Sturz des Rubels in den 1990er Jahren.

Verband will Preise in Dollar und Euro kennzeichnen

Die Vereinigung «Opara Russi», ein Verband von kleineren und mittleren Unternehmen, wandte sich daraufhin bereits mit der Bitte an das russische Wirtschaftsministerium, die Preise auch in anderen Währungen auszuschreiben. Sonst, so zitiert die russische Zeitung Isvestia den einen Vorsitzenden von «Opara Russi» Alexander Zharkov, müsse man die Preisschilder mehrmals am Tag austauschen, oder die Preise schon im Vorhinein höher Ansetzen, um nicht pleite zu gehen.

Alles in allem ist die Lage über die Wechselkurse in Russland mit dem offiziellen Preissturz unübersichtlich geworden: Im entlegenen Murmansk, so berichtet die Nachrichtenseite Rambler.ru, seien heute Nachmittag teilweise Euro für je 150 Rubel von Banken verkauft worden, und Euro für 60 Rubel angekauft worden, wenn der Betrag 5000 Euro überstieg.

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Viele Russen reagieren auf den Rubel-Verfall mit Hamsterkäufen. Sie wollen offenbar ihr Geld so schnell wie möglich loswerden.

Handel offenbar teilweise ausgesetzt

Die russische Zeitung Gazeta.ru berichtete, russische Banken hätten den Umtausch von Geld ganz ausgesetzt. «Ein Euro sollte nicht 100 Rubel kosten», zitierte Gazeta.ru heute den Top-Manager einer russischen Bank. «Wir werden die Situation beobachten, aber gehen davon aus, dass sie zumindest noch ein paar Tage instabil bleibt.»

Trotz einer kräftigen Leitzinsanhebung um 6,5 Punkte auf 17 Prozent verlor der Rubel heute gegenüber westlichen Währungen deutlich. Ein Dollar kostete gegen Mittag erstmals mehr als 70 Rubel und erreichte mit 73,8 Rubel ein neues Rekordhoch. Kurz darauf durchbrach er sogar die Marke von 80 Rubel pro Dollar.

Börsen stürzt ab und Indizien für Bankrun

Der wichtigste Börsenindex RTS verlor über zwölf Prozent. In der Spitze lag das Tagesminus bei über 15 Prozent. Seit Jahresbeginn hat er damit mehr als die Hälfte seines Werts verloren. Berichten zufolge haben Moskauer Bürger am heutigen Dienstag sogar Schwierigkeiten, Geld abzuheben.

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter kursierten erste Meldungen, die von einem Bankrun sprechen – und Bilder von Menschenschlangen vor Geldautomaten zeigten. Die russische Sberbank soll nach Informationen von handelszeitung.ch ausserdem keine Euro und Dollar mehr eintauschen, weil ihr die Reserven ausgegangen sind.