Die europäischen Erdgaspreise steuern auf den grössten wöchentlichen Anstieg seit Anfang März zu. Die Preise sind in dieser Woche um 49 Prozent gestiegen.

Denn Russland drosselt die Lieferungen: So hat der russische Energiekonzern Gazprom Italien am Freitag nur die Hälfte des bestellten Erdgases geliefert.

Eigentlich habe der italienischer Mineralöl- und Energiekonzern Eni 63 Millionen Kubikmeter Gas aus Russland bestellt – aber nur 50 Prozent davon erhalten.

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Schon in den vorigen Tagen waren die Gaslieferungen gedrosselt worden: am Mittwoch um 15 Prozent und am Donnerstag um 35 Prozent der bestellten Mengen.

60 Prozent weniger Durchfluss bei Nord-Stream-Pipeline

Die Lieferkürzungen haben auch andere Unternehmen wie Engie und Uniper getroffen und könnten die Industrie in einer Zeit treffen, in der die Region bereits mit einer steigenden Inflation zu kämpfen hat.  

Der Durchfluss durch die Nord-Stream-Pipeline wurde um etwa 60  Prozent gekürzt. Dabei handelt es sich um die wichtigste Verbindung zwischen Russland und der Europäischen Union.

Russland will Märkte verunsichern

Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi bezeichnete Moskaus Behauptungen, die Kürzungen der Gaslieferungen seien auf technische Gründe zurückzuführen, als Lügen.

Deutschland bezeichnete den Schritt als politisch motiviert: Russland ziele darauf ab, die Märkte zu verunsichern. Der Kreml erklärte am Donnerstag, die Kürzungen seien «nicht beabsichtigt».

Europa hat Flüssiggasimporte erhöht

Europa befürchtet solche Kürzungen, seitdem strenge Sanktionen gegen Russland verhängt wurden wegen des Kriegs gegen die Ukraine.

Jetzt hat die Region die Flüssiggasimporte erhöht, um etwaige Engpässe auszugleichen. So sollen die Lagerstätten rechtzeitig für den nächsten Winter gefüllt werden, wenn der Heizbedarf steigt.

Allerdings wurde dieser Schritt erschwert, weil eine US-amerikanische LNG-Anlage nach einem Brand in der vergangenen Woche länger als ursprünglich angenommen geschlossen bleibt.

Die niederländischen Frontmonats-Gasfutures, die europäische Benchmark, lagen um 9.22 Uhr in Amsterdam 0,5 Prozent niedriger bei 123,74 Euro pro Megawattstunde. Das britische Pendant war kaum verändert.

(Bloomberg/bsc)