100 Milliarden Franken: Einen Fonds in diesem Format fordern die beiden ETH-Ökonomen Hans Gersbach und Jan-Egbert im Kampf gegen die Wirtschaftskrise. «In immer kürzeren Abständen werden nun massive wirtschaftliche Probleme auftreten», so die Ausgangslage ihres Aufrufs. In einigen Branchen sei möglicherweise schon die Produktion schlicht unmöglich geworden.

«Die Reise- und Tourismusbranche ist ein extremes Beispiel, aber weitere Branchen sind zunehmend betroffen, weil Geschäfte geschlossen, Handwerksaufträge annulliert und nicht-medizinische Dienstleistungen mit Kundenkontakt wegfallen müssen.»

Auch Sorgen ums Finanzsystem

Hans Gersbach lehrt Makroökonomie an der ETH Zürich und ist leitet daneben den wissenschaftlichen Beirat des deutschen Bundeswirtschaftsministeriums. Jan-Egbert Sturm ist ebenfalls Makroökonom; neben seiner Professur leitet er die Konjunkturforschungsstelle Kof der ETH.

Man kann es nicht anders sagen: Das Gesamtbild, das die beiden malen, ist düster. Firmen in Bankrottgefahr; es droht der irreparable Verlust von physischem Kapital und von Humankapital; die Funktionsfähigkeit des Finanzsystems gefährdet.

Das 10-Milliarden-Paket des Bundesrates sei da zwar sinnvoll – aber nicht genügend. Aus vier Gründen:

  • Die Entwicklung werde wahrscheinlich zu einem Wertschöpfungseinbruch von deutlich mehr als 10 Milliarden Franken führen. 
  • Kurzarbeitergeld verhindert nur beschränkt Firmenbankrotte.
  • Das Massnahmenpaket löst die Liquiditätsprobleme der Firmen nicht.
  • Es stabilisiert das Bankensystem nicht ausreichend. 

Geld für «Wertschöpfungskompensationen»

Der Vorschlag nun: Der Bund muss einen «Schweizfonds» mit einem Volumen von 100 Milliarden Franken aufbauen – als zweiten Stützpfeiler, der die Defizite der jetzigen Massnahmen für eine gewisse Zeit ausgleicht. Mit dem Geld sollen wegbrechende Wertschöpfungen stark ersetzt werden.

Dabei könnten beispielsweise Mehrwertsteuerkonti genutzt werden, um diese Ausgleichszahlungen zu leisten. Aber auch das Bankensystem könnte diese Kompensationen leisten, via staatlich gesicherte Kredite. 

Überschlagsrechnung

Im Kern geht es darum, dass «die überwältigende Zahl der Firmen liquide durch die Krise kommen kann.»

Die Zahl von 100 Milliarden ist dabei lediglich eine Überschlagsrechnung der Kosten für Kurzarbeitergeld und für eine weitgehende Kompensation von Wertschöpfungseinbrüchen. «Die meisten Szenarien kommen mit weniger Mitteln aus, aber es gibt auch solche, die noch mehr Mittel erfordern. Wir sollten einmal eine Grössenordnung von 100 Milliarden ins Auge fassen», schreiben Sturm und Gersbach.

Wie würde das finanziert?

Der Hoffnungsschimmer: Der Fonds würde die Bonität der Schweiz nicht gefährden – sofern das Land nach der Pandemie wirtschaftlich wieder auf das Ausgangsniveau an Wertschöpfung zurückkommt. 

Anzeige

Dennoch wären wohl ungewöhnliche Finanzierungsideen nötig. Zum Beispiel – so Gersbach und Sturm – könnte Nationalbank mit einer ausserordentlichen Ausschüttung einen Teil des «Schweizfonds» mittragen. 

Weitere Vorschläge aus dem Papier

  • Die Insolvenzantragspflicht sollte vorübergehend ausgesetzt werden.
  • Weitere staatliche Bürgschaften, die den Firmen helfen, von den Banken Überbrückungskredite zu bekommen.
  • Nationalbank mögliche Schieflagen bei Banken mit Liquiditätshilfen verhindern. 

(rap) — Folgt mehr

Lunch Topics: Das läuft jetzt

Abonnieren Sie den Newsletter der «Handelszeitung»-Chefredaktion – und Sie haben die wichtigsten Business-News. Stets zur Mittagszeit. Kostenlos.