Die amerikanische Arbeitslosigkeit hat sich seit Februar auf fast 15 Prozent vervierfacht, allein im April verloren 20 Millionen Amerikaner und Amerikanerinnen ihre Jobs. Und weil deutlich mehr Frauen als Männer arbeitslos werden, macht die «New York Times» aus der «Recession» eine «Shecession».

Während die Finanzkrise eine «Mancession» war – zwischen 2007 und 2009 waren es zu 80 Prozent Männer, die in den USA ihren Job verloren –, sind es heute über die Hälfte Frauen. Die Erklärung: Am meisten Menschen werden in Branchen wie Gastronomie, Freizeitgestaltung und Hotellerie entlassen. Und gerade im Service arbeiten überwiegend Frauen, viele mit hispanischen und afroamerikanischen Wurzeln. 

Frauen leiden besonders unter der Corona-Krise

Ein rein amerikanisches Phänomen? Keineswegs. In der Schweiz sind zwar mehr Männer arbeitslos als Frauen, doch im April stieg die Arbeitslosigkeit bei den Frauen um etwa 15 Prozent – während die Quote bei den Männern nur um 11 Prozent zulegte.

Sind Frauen demnach stärker von der Corona-Krise betroffen? Die April-Zahlen des Seco deuten es zumindest an. Bereits im März war die Arbeitslosigkeit bei Frauen prozentual stärker gestiegen als bei Männern. Ob sich daraus ein Trend in dieser Krise abzeichnet, werden die Arbeitsmarktdaten von Mai zeigen.

Was wären die Erklärungen? Frauen leiden stärker unter der Corona-Krise als Männer: Homeschooling, Haushalt und Co. bleiben gerade in Krisenzeiten häufiger an ihnen hängen – obwohl viele Männer ebenso im Homeoffice arbeiten. Nun zeigt sich, dass Frauen auch auf dem Arbeitsmarkt stärker betroffen sind. In einem kürzlich erschienenen Bericht der OECD heisst es: «Trotz der bemerkenswerten Fortschritte, die Frauen im letzten etwa halben Jahrhundert erzielt haben, unterscheidet sich die Position der Frauen auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor stark von der der Männer.»

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Die OECD-Expertinnen und -Experten befürchten, dass Frauen in der Corona-Krise anfälliger für den Verlust des Arbeitsplatzes seien als Männer. Etwa weil einige Wirtschaftszweige wie die Tourismusbranche, der Einzelhandel oder das Gastgewerbe stärker leiden – dort seien überdurchschnittlich viele Frauen beschäftigt.

Arbeitslosigkeit in der Schweiz steigt

Ein Blick in die Zahlen deutet auch langsam an, wie sich die Arbeitslosigkeit nun in der Schweizer Gesellschaft ausbreitet.

  • Besonders stark betroffen sind junge Arbeitnehmende: Die Zahl jugendlicher Arbeitsloser (im Alter von 15 bis 24) stieg um 18 Prozent. Bereits im März war die Jugendarbeitslosigkeit mit rund 20 Prozent viel stärker gestiegen als in anderen Altersgruppen.
  • Ein Blick auf die Branchen zeigt: In der Industrie ist die Arbeitslosenquote mit 4,5 Prozent am höchsten. Obwohl sie im Dienstleistungssektor mit 3,5 Prozent niedriger ist, trifft es die Branche in der aktuellen Krise am härtesten. Im Gastgewerbe stieg die Arbeitslosigkeit im April um 30 Prozent. 
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Auch in der Uhrenbranche ist die Arbeitslosigkeit überdurchschnittlich hoch. Die Uhrenindustrie ist durch die fehlende Nachfrage nach Luxusuhren aus dem Ausland – vor allem aus Asien – inmitten der Corona-Pandemie schwer gebeutelt. Viele Mitarbeitende wurden im April entlassen, doch das Gröbste dürfte der Branche in diesem Jahr erst noch bevorstehen

Auf ein bemerkenswertes Detail verweist allerdings Daniel Lampart, der Chefökonom des Gewerkschaftsbundes SGB: Der beispiellose Anstieg der Arbeitslosigkeit erfasst auch Sektoren, die keineswegs vom Shutdown betroffen sind. Beispiel Bau: Dort waren im April 17’400 Personen als arbeitslos gemeldet – 750 mehr als im März. Respektive 6700 oder 61 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Auffällig ist zudem, dass auch im Finanzsektor die Zahl der Arbeitslosen im Krisenmonat April um 12 Prozent auf über 7000 gestiegen ist, obwohl die Branche überhaupt nicht von behördlichen Schliessungen betroffen war. Bei den Banken verloren mehr als 400 Personen in jenem Monat ihre Stelle, bei den Versicherungen rund 100 – jeweils ein Anstieg von über 10 Prozent.

Denkbar also, dass einige Branchen die derzeitige Krise nur als Vorwand nehmen, um weitere Stellen abzubauen: Gerade in der Finanzbranche ist der Strukturwandel seit Jahren im Gange.

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Mehr sozialer Zündstoff in den USA

Zurück in die USA: Die Corona-Krise wird die sozialen Probleme massiv verschärfen, denn untere Einkommensgruppen sind sehr viel stärker betroffen. Laut einer Studie der Universität Chicago verloren im unteren Lohnquintil 35 Prozent der Arbeitskräfte ihre Jobs, während das oberste Quintil nur zu 9 Prozent betroffen ist.

Klar ist jetzt schon: Die Ungleichheit im Land wird sich noch weiter verstärken – bereits heute hat sie fatale Folgen.

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