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So skizziert die Credit Suisse die künftige Weltordnung

Wohin steuert die Welt? Dieser Frage ging die Credit Suisse nach. Sie prophezeit ein Ende der westlichen Hegemonie und ein Aufleben der gelenkten Demokratie.

Von Marc Iseli
am 29.09.2015

In den letzten Jahrzehnten ist die Welt näher zusammengerückt. Handelsbarrieren wurden massenhaft abgebaut, Produkte, Dienstleistungen und auch Menschen können heute einfacher Grenzen überschreiten als jemals zuvor. Ein Ende dieser Entwicklung, eine Ende der Globalisierung, hätte verheerende Folgen. Zu diesem Schluss gelangt eine Studie der Credit Suisse.

«Die Frage, in welche Richtung der Trend gehen wird, gehört zu den wichtigsten makroökonomischen Themen der nächsten zehn Jahre», schreibt Investmentchef Michael O’Sullivan. Er ist Co-Autor der neuen CS-Studie und warnt: «Die Globalisierung war in den vergangenen 20 Jahren die stärkste wirtschaftliche Kraft. Eine Fortsetzung dieser Entwicklung ist keine Selbstverständlichkeit.»

Krieg als Folge

Ein Ende der Globalisierung hemmt das Wachstum der Weltwirtschaft, schreiben die Studienautoren. Ein derartiger Rückschritt der Integration des Welthandels hätte weitreichende Folgen: Das Risiko für Währungskriege, Klimakatastrophen, politische Umwälzungen und bewaffnete Konflikte steigt.

Dass dieses Schreckensszenario eintrifft, sei aber eher unwahrscheinlich: «Obwohl die Welt in den letzten Jahren von der globalen Finanzkrise und Terroranschlägen betroffen war, haben diese Entwicklungen die internationale Zusammenarbeit eher gestärkt als geschwächt», schreiben die Experten der Credit Suisse.

Weg in die multipolare Welt

Die Bank sieht die Welt auf dem Weg in eine multipolare Zukunft – und trägt damit die Hegemonie des Westens zu Grabe. Der US-Dollar wird an Dominanz einbüssen, die europäische Gemeinschaftswährung und der Renminbi dagegen wichtiger werden. Vor allem die chinesische Währung wird massiv aufholen, prophezeien die Autoren der Studie. Die jüngsten Reformen Pekings zur Liberalisierung des Systems haben den Weg vorgezeichnet.

Der Euro dagegen kämpft an doppelter Front um mehr Boden: Erstens haben die jüngsten Krisen dem Vertrauen in die Stabilität der Währung geschadet. Zweitens bleiben die Finanzmärkte stark fragmentiert. Deshalb wird der Renminbi den Euro als zweitwichtigste Währung im weltweiten Devisenhandel in Zukunft ablösen, prophezeien die Wirtschaftsexperten.

Der Aufstieg Asiens

Die Zeiten, in denen westliche Firmen dominierten, neigen sich ebenfalls dem Ende entgegen, ist die Bank überzeugt. Globale Grosskonzerne, die ihren Sitz in Nordamerika oder in Europa haben, werden von regionalen Unternehmen ausgebootet. Das geht einher mit dem Aufstieg Asiens und einiger Schwellenländer. Neu ruht die Wirtschaftsmacht auf vier Säulen: Nordamerika, Südamerika, Europa und Asien – mit China an der Spitze.

Die neue Wirtschaftsordnung wird auch auf die politischen Institutionen wirken, ist man bei der Credit Suisse überzeugt. «Im Einzelnen rechnen wir mit der Entwicklung neuer internationaler Einrichtungen, die gegenüber Institutionen wie der Weltbank stärker an Bedeutung gewinnen, dem Aufstieg einer ‹gelenkten Demokratie› und einer stärker regional basierten Rechtsstaatlichkeit», schreibt O’Sullivan.

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