Schon wieder Schliessungen. So will es der Bundesrat voraussichtlich ab Samstag. Und eine Woche später soll nachgefasst werden: noch härter, noch strikter, bis Mitte Januar.

Die jüngste Ansage von Alain Berset und Simonetta Sommaruga hat den Beigeschmack einer Strafaktion. Weil wir nicht brav waren, werden wir ab Samstag alle nach Hause geschickt. Über die Kantone, Unternehmen und Bewohner wird verfügt. Mit diesem Vorgehen werden regionale Konzepte zur Pandemiebekämpfung weitgehend zur Makulatur; mühsam erarbeitete Schutzkonzepte von Läden, Fitnesszentren und Restaurants werden als wirkungslos erklärt. Und schliesslich die moralische Note: Wir sollten uns «ins Private» zurückziehen, kein Feiern in der Öffentlichkeit, dann werde alles besser.

«Die Teststrategie ist seit Monaten überholt. Dabei gäbe es ein patentes Mittel: Schnelltests.»

Die Reaktion lässt nicht auf sich warten. Am Mittwoch sind übers Internet innert Stunden Tausende Unterschriften für eine Petition ans Parlament zusammengekommen. Die wachsende Zahl der Massnahmen-Skeptiker pauschal als Ignoranten oder gar Leugner abzustempeln, ist gefährlich. Auch Kantonsregierungen begehren auf, Wirte und Detailhändler steigen auf die Barrikaden und Junge entziehen sich Tests und Impfappellen, weil sie von Drohungen genug haben.

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Bersets Sorge zur Infektionslage ist insofern angebracht, als dass sich Intensivstationen tatsächlich füllen und viele ältere Menschen sterben. Sie werden wieder häufiger angesteckt, obwohl sie Masken tragen, keine Bars besuchen und Abstand halten. Wo stecken sie sich an? Darüber weiss man hierzulande noch immer sehr wenig. Ausländische Studien sind nicht eins zu eins übertragbar. Es gibt offenbar kulturelle Aspekte der Pandemie. Dies zeigte die zweite Welle in der Romandie.

Namhafte Verhaltensökonomen, darunter Ernst Fehr, haben den Bundesrat wiederholt dazu aufgefordert, Gebiete oder Milieus durchzutesten, um herauszufinden, wer wen wo ansteckt. Doch aus Bundesbern kommt wenig. Die Teststrategie ist seit Monaten überholt. Dabei gäbe es ein patentes Mittel: Schnelltests.

Partys in Zeiten von Corona: Wer positiv ist, bleibt draussen

Diese sind inzwischen so weit entwickelt, dass jede und jeder zu Hause täglich vor dem Zähneputzen den Speichel testen könnte. Dies sagte der leitende Notfallmediziner Abraham Licht der Zürcher Hirslanden-Klinik an einer öffentlichen Debatte.

Eine Idee, wie Party und Familienfete in Corona-Zeiten funktionieren könnte: Jeder Besucher wird vor dem Zutritt getestet. Speichel auftragen, 15 Minuten warten – und fertig. Wer positiv ist, bleibt draussen. Superspreader werden frühzeitig aussortiert.

Doch solche Tests sind hierzulande in der privaten Anwendung verboten. Man monopolisiert sie für Ärzte, Spitäler und Apotheken. Das Kreative dieser Tests wäre: Wenn wir mitmachen, werden wir belohnt mit einer gewissen Gewissheit – die Zuverlässigkeit bei den Schnelltests ist zwar kleiner, aber immerhin. Etwas Normalität würde zurückkehren.

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Es gäbe weitere Beispiele von kreativem Umgang mit der Pandemie. Aber statt Neues wagen, greift Berset zum Holzhammer.

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